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Vorlesungen aus dem Gebiete der altklassischen Philologie zu hören pflegen. Preisaustheilungenkonnten nicht vorgenommen werden, weil bei der einzigen eingegangenen Preisarbeit nicht alle gesetz-lichen Formen erfüllt worden waren.
Bezüglich auf die Disziplin hatte der akademische Senat im Sommersemester die Relegationeines Studirenden beantragt, welcher seine Immatrikulation nur dazu benutzte, um in der leichtfer-tigsten Weise Schulden zu machen. Der Erziehungsrath verfügte die angetragene Relegation. Ebensounerfreulich waren verschiedene Disziplinarvergehen wie nächtliche Ruhestörungen durch Studirendeund Polytechniker, wobei ein Bediensteter der Stadtpolizei erheblich verletzt wurde und wofür dieSchuldigen gerichtlicher Bestrafung unterlagen; ferner mehrere Duelle und zwei nächtliche Chari-varis, welche sehr unbegründeter Weise ehrenwerthen Persönlichkeiten gebracht wurden u. s. f.
Bei der Erhebung des Schweizervolks in Folge der Neuenburger-Ereignisse stellte sich dieMehrzahl der Polytechniker und Studenten zu freiwilligem Waffendienste und wurde vom 29. Christ-monat 1856 bis zum 10. Januar 1857 kasernirt und einexerzirt.
Der Senat hatte in diesem Jahre die Freude, sich an 3 Jubiläen verschiedener Art betheiligenzu können. Das erste vom 17 — 19. Weinmonat 1856 galt dem 400jährigen Bestehen der Univer-sität Greifswald; der Senat betheiligte sich dabei der erhaltenen Einladung gemäß durch Abord-nung eines seiner Mitglieder. Das zweite wurde einem hochverdienten Mitbürger, HerrnPros. vr. H. Escher am 2. Hornung gefeiert. Der Senat, speziell eingeladen, ließ den JubilarNamens der Hochschule durch den Rektor begrüßen. Endlich gratulirte der Senat von sich aus demHerrn Geheimrath Bökh in Berlin zur 50jährigen Feier seines Doktorates durch eine eigeneDruckschrift wissenschaftlichen Inhalts.
1857/58.
Im Lehrerpersonal haben folgende Veränderungen Statt gefunden: In der theologischenFakultät wurde Herr Privatdocent vr. G. Volkmar zum außerordentlichen Professor befördert; inder staatswissenschaftltchen Fakultät an Herrn Pros. Hillebrand die außerordentliche Pro-fessur für das deutsche Recht und die juristische Encyclopädie übertragen; in der medizinischen Fa-kultät Herr Pros. Cloetta zum außerordentlichen Professor und Herr Pros. Adolf Fick auf eineneue Amtsdauer zum Prosektor ernannt. Die provisorische Besorgung der Funktionen des Professorsder Geburtshülfe und geburtshülflichen Klinik wurde dem Privatdocenten vr. Spöndlin aus dessenGesuch abgenommen und Herrn Pros. Giesker übertragen. Die philosophische Fakultät verlorden Herrn Pros. Vr. Nägeli, welcher einem ehrenvollen Rufe nach München gefolgt war. Herr Pri-vatdocent Fr. v. Wyß wurde zum außerordentlichen Professor befördert. Als Privatdocenten habi-litirten sich die Herren Kandidat Kesselring von Weinfelden an der theologischen und Herr I. Vogelvon Zürich an der philosophischen Fakultät. — Die sämmtlichen Fakultäten sprachen im Allgemeinenüber Fleiß und Verhalten der großen Mehrzahl der Studirenden ihre Zufriedenheit aus. Anerkennung ver-dient, daß die zuletzt gestellte Preisaufgabe der philosophischen Fakultät »über das Leben des Cato vonUtica" zwei tüchtige Arbeiten hervorgerufen hat. Es wurde deshalb diejenige des stuck, tdeol.Wartmann von St. Gallen in üblicher Weise am Stiftungstag der Hochschule offiziell gekrönt.
Vielfache, grobe, nächtliche Exzesse zu Ansang des Wintersemesters scheinen nach den stattgehab-ten Untersuchungen nicht von Studenten der Hochschule verübt worden zu sein.