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daß die ganze Armee 3115 Mann zählte. Die Knaben des St. Gallischen Waisenhauses wurden inKorpore dem Wunsche der dortigen Behörde gemäß im zürcherischen Waisenhause untergebracht undfreundlich verpflegt.
Kaum hatte die junge Mannschaft in ihren Quartieren einige Erfrischungen zu sich genommen,so zerstreute sich dieselbe in der Stadt und ihren Umgebungen und bereits war da schon dieFreude und Theilnahme allgemein. Ueberall hatten die Leiter des Festes und die städtischen Behördenmit zärtlicher Sorgfalt für die Sicherheit und das Wohl dieser jungen Leute gesorgt. So wurdenneben andern Vorsichtsmaßregeln der Polizei den Schiffsvermiethern bei schwerer Verantwortunggeboten, ihre Kä hne nur an solche zu vergeben, welche des Fahrens kundig wären, oder ungeübtensolche Personen beizugeben, denen man sie mit Sicherheit anvertrauen dürfe, und der für wenigerStarke etwas gefährliche Theil der Limmat von der Bauschanze abwärts wurde zu befahren gänzlichverboten. So verschwand dann auch die Besorgniß, daß bei aller Vorsicht Unglück entstehen, oderdie Gesundheit der Knaben Schaden leiden möchte, auch bei den Aengstlichsten immer mehr. Nachdem Zapfenstreich durchstreiften viele Quartiergeber und Leiter des Festes die Straßen der Stadt,um allfällig Verirrte oder solche, die nicht deutsch sprechen konnten, wie namentlich die Tessiner,die sich nicht zurecht fänden, in ihre Quartiere zu führen.
Leider verfinsterte sich der Himmel während der Nacht, und unter Sturm trat reichlicherRegen ein.
Am Dienstag früh regnete es hartnäckig fort; dennoch traten die verschiedenen Korps pünktlichauf ihren Sammelplätzen ein, von wo sie unter dem Begleite einer zahllosen Zuschauermenge sich ausden Platz vor der Kantonsschule begaben, wo die Eröffnungsfeier stattfand, welche, zumal sich derHimmel etwas erheiterte und die Sonne die jungen Herzen wenigstens mir einigen Strahlen erquickte,wahrhaft ergreifend war und durch die Festrede des Herrn Diakon Fries ihre wahre Weihe erhielt.
Hierauf wurde die kleine Armee, dem Programme gemäß, nach Winterthur instradirt;allein kaum hatte der Zug aus seinem Marsche nach der Eisenbahn das Rathhaus erreicht, woes an den Behörden vorbei defilircn mußte, so ließ sich der Regen mit zunehmender Heftigkeitwieder ein, und verfolgte die sonst fröhlich gestimmte Schaar bis Winterthur . Leider mußte, sei esdurch falsche Berechnung, oder durch Mangel an geschlossenen Wagen ein großer Theil der Kadetten,namentlich diejenigen der zürcherischen Kantonsschule den ganzen Weg in offenen Stehwagen zu-rücklegen, was dem Publikum, und insbesondere den Eltern große Besorgniß einflößte. Dagegenwurde mit Rührung bemerkt, wie Herr Oberst Ziegler und nach seinem Beispiel andere hohe undniedere Militärpersonen zu den armen Jungen in die offenen Wagen sich begaben, um ihren Muthaufrecht zu erhalten, und ihnen zu zeigen, wie man sich einiger Maßen schützen könne. Dennoch be-wiesen die jungen Leute, die durch das Unwetter weit weniger niedergeschlagen waren als die fürsie betrübten Zuschauer, durch einen unter strömendem Regen meisterhaft ausgeführten Parademarsch,daß in ihnen der Stoff zu wackern schweizerischen Wehrmännern stecke. Es darf aber auch nichtverschwiegen werden, daß die sorgsame und glänzende Gastfreundschaft der Winterthurer viel dazubeitrug, die Lebhaftigkeit und Fröhlichkeit der jugendlichen Gemüther ausrecht zu erhalten. GeheizteZimmer, trockene Kleid er, feuriger Wein und treffliche Kost ließen die erlittenen Strapazen vergessenund stärkten zu Ertragung neuer. Manche muntere Scene durch die momentan nöthig gewordeneoft abenteuerliche Vermummung erheiterte vollends manche etwas niedergeschlagene Geister, und als