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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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Pfahlbauten

Zu den ältesten Bauwerken, welche die Schweiz auszuweisen hat, gehören unstreitig die Pfahl-bauten, welche wohl von den frühesten Bewohnern dieses Landes, wahrscheinlich den Kelten, her-rühren.

Zwar sind diese nur noch in Ueberresten vorhandenen Bauten schon früher hier und da Ein-zelnen aus dem Volke ausgefallen, allein die genaue Erforschung und Untersuchung derselben durchwissenschaftlich gebildete Männer gehört erst diesem Dezennium an. Es sind nun solche Pfahlbautenan den meisten Schweizerseen, namentlich am Vieler-, Murtner-, Neuenburger-, Genfer -, Boden-,Sempacher-, Zürcher -, Pfäffiker-, Greifen-, Wauweiler- und Moosseedorfsee u. s. f. aufgefundenworden. Die größten Verdienste um die Kenntniß der Pfahlbauten zunächst im Kanton Zürich gehören den Herren Dr. Ferdinand Keller , Präsident der antiquarischen Gesellschaft, Messikomerin Wetzikon , Lehrer Aeppli in Meilen, Lehrer Staub in Fluntern — und für die in andernGegenden der Schweiz den Herren Oberst Schwab in Viel, Notar Müller in Nidau , Troyon inLausanne , Dr. Klement in St. Aubin, Pros. Morlot, Rochst in Uverdon, Dr. Uhlmann inMünchenbuchsee, Gemeindrath Löhle in Wangen am Bodensee , und für Bestimmung der orga-ganischen in diesen Bauten gefundenen Ueberreste dem Herrn Pros. Rütimeier in Basel .

Es ist hier nicht der Ort, über das Alter dieser Bauten zu reden, jedenfalls gehören diemeisten derselben, besonders in der Ostschweiz , der sogenannten Steinperiode an, wo die Bewohnerderselben noch keine Metalle kannten, und ihre Geräthe und Werkzeuge aus Stein, Horn, Knochenoder Holz verfertigten. In der westlichen Schweiz dagegen mögen viele dieser Pfahlbauten noch bisin die Bronze- oder Erzperiode bewohnt worden sein.

Die meisten dieser Pfahldörfer sind durch Feuer untergegangen, einige mögen auch freiwilligverlassen worden sein.

Die Pfähle, die meist ziemlich weit vom Ufer entfernt in den See hinaus gestellt waren, wennauch gegenwärtig dieselben oft nicht mehr vom Wasser bespühlt werden, waren 4 bis 8 Zoll dick,und jetzt noch 8 bis 12 Fuß lang und von sehr verschiedenen Holzarten, Eichen, Buchen, Tannen,Birken, Erlen, Ulmen. Gewöhnlich standen sie 1 bis 3 Fuß aus einander in Doppelreihen, oftzu mehrern tausend Stück zusammen geordnet. Die meisten Pfähle sind unten zugespitzt, einigeauch angebrannt. Auf diesen lag ein Balkengerüste, das wieder ganz mit Rundhölzern oder Spalt-ungen bedeckt war. Auf diesem Gerüste waren die Hütten, wahrscheinlich in einiger Regelmäßigkeit,doch meist sehr nahe an einander gebaut. Ein Steg führte von denselben an's Land.

Die ersten Bewohner der Pfahlbauten scheinen das Pferd, das Rindvieh, das Schaf, dieZiege aus Asien mitgebracht zu haben, und von einheimischen Thieren kannten sie den Urochsen,den Bison, den braunen Bär, den Wolf, die Wildkatze, das Wildschwein, das Torsschwein,die Torfkuh, den Dachs, den Haus-und den Baummarder, den Iltis, den Fischotter, den Hund,den Esel, den Fuchs, den Igel, das Eichhorn, den Biber, den Edelhirsch, das Reh, den Dam-hirsch, das Elenthier, den Steinbock, und wohl auch den Hasen; — von Vögeln: den Tauben-habicht, die wilde Taube, die wilde Ente, eine kleinere Ente, den Sperber, den grauen Reiher, den Storch,den Schwan , den Steinadler, den Fischadler, die Schneegans, die Möwe, das Wasserhuhn, das Hasel-huhn; — von Reptilien: die Süßwasserschildkröte, den grünen Frosch; — von Fischen: den Lachs,