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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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Mittheilungen, und da er bald erkannte, daß diese Fundstücke die Arbeit von Menschenhand seinmüssen, so sammelte und erwarb er eine Menge derselben und machte sofort Bericht an die anti-quarische Gesellschaft in Zürich . Wenige Stunden nach Abgang des Briefes waren schon einigeMitglieder der Vorsteherschaft jener Gesellschaft zur Stelle und erkannten sofort, daß hier ein sehrbedeutendes, von Kelten bewohntes Pfahldorf gestanden haben müsse.

Eine noch ergiebigere und höchst interessante Entdeckung war diejenige des Herrn SchulpflegerMessikomer von Stegen-Wetzikon bei Robenhausen am Pfäffikersee im Januar 1858, wo einPfahldorf, das nahe an 120000 Quadratfuß Fläche oder 3 Juchart bedeckte, gestanden habenmußte. Etwa 2000 bis 3000 Schritte vom gegenwärtigen Rande des Sees entfernt fanden sichim Torfried 10 bis 11 Fuß lange und 2 bis 3 Fuß von einander entfernte, etwa 1 Fuß tief inden Schlamm getriebene Pfähle, deren äußerste Reihen durch Zweiggeflecht mit einander verbundenwaren. 6 Fuß unter der Oberfläche des Torflagers fand sich eine Menge von Scherben von zweierleiMasse, Knochen, Steinbeile, Schleifsteine, Heerdplatten, Mahlsteine, durchlöcherte Thonkugeln (un-zweifelhaft Zettelzieher an Webstühlen), Pfeilspitzen und Dolche, Stech- und Schabinstrumente ausKnochen, Stricke und Schnüre aus Bast, Hanf und Flachs — auch einen Kahn (Einbaum) auseinem Eichenstamm, der aber beim Anfassen zerfiel, (überhaupt erwies sich Nadelholz viel dauerhafter);— ferner fand man stellenweise ganze Haufen von Knochen, Gräte und Schuppen von Fischen,andere von Getreide, gedörrten Aepfeln und Birnen, Schlehenkernen, Buchnüssen, Himbeersaamen,Haselnüssen — und seltsamer Weise viele auf zwei Seiten angebohrte Haselnußschalen, deren Ge-brauch bis jetzt noch nicht erklärt werden konnte. — Daß die Pfahlbaubewohner nicht nur dasSpinnen, Zwirnen, Flechten, Stricken und Nähen gekannt, sondern auch das Weben verstandenhaben mußten, davon zeugen nicht nur einzelne aufgefundene Proben dieser Arbeiten, sondern auchdie dazu erforderlichen Geräthschaften. Ja sie wußten schon den Geflechten und Geweben durchMannigfaltigkeit der Muster ein angenehmes Aeußere zu geben; auch kannten sie den jetzigenWeberknoien und andere Verknüpfungen und Verstrickungen, und verstanden bereits durch Auf-schneiden von in das Gewebe eingewirkten Strängen von rohem Flachs einen pelzartigen Stoff zuverfertigen. — Daß den Pfahlbaubewohnern auch die Zubereitung des Leders bekannt gewesensein muß, läßt sich aus zwar nur wenigen aufgefundenen Lederstücken schließen, wobei nicht zu über-sehen ist, daß das Leder durch Feuer zerstört und vom Wasser zersetzt und ausgelöst wird. DerUntergang dieser Pfahlbaute durch Feuer, und zwar bei einem Föhnsturme, läßt sich aus der Lageder verkohlten Gegenstände in der Richtung von Süd und Nord mit Sicherheit nachweisen, undes ist zu vermuthen, daß nach dieser oder einer ähnlichen spätern Katastrophe die Bewohner der-selben später auf dem festen Lande ihre Wohnsitze aufgeschlagen haben möchten.

Im Februar 1858 entdeckte Herr Messikomer circa 2000 Fuß von dem Pfahlbau bei Roben-hausen einen zweiten bei Himmeri nahe am Ufer des Psäffikersees etwa von 40000 QuadratfußFlächeninhalt. Was diese Entdeckung noch interessanter macht, ist ein zwischen dem Pfahlbau unddem See sich hinziehender etwa 2 Fuß über der Kulturschicht sich erhebender Damm von 600' Länge,in der Mitte 3'/z' und gegen das Ende hin etwa 1' hoher durchweg 15' breiter aus Kies be-stehender Damm — der zwar vielleicht in keiner Beziehung zu der Pfahlbaute steht, sondern wahr-scheinlich mit der römischen Ansiedelung in Jrgenhausen zusammenhängt, da in dem Material des-selben Bruchstücke römischer Kultur sich vorfinden.

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