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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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Fortan veranlaßte die Forderung von Transport- und Verpflegungsgebühren aufgegriffener Bettlerunangenehme Korrespondenzen und Reklamationen. Die Zahl der im Bezirk Zürich im Jahr 1854aufgegriffenen Bettler und Vaganten betrug 1675.

1855.

Nach den Berichten der meisten Statthalterämter hat der Bettel im Vergleich mit den letztenJahren abgenommen, was namentlich dem Verhalten des Publikums gegenüber den Bettlern zuge-schrieben wird. (Im Bezirk Zürich wurden dieß Jahr 1133 Bettler aufgegriffen.) Dagegen scheintsich die Zahl fremder, namentlich würtembergischer Vaganten zu mehren, die unter dem Titel vonHandwerksburschcn und Eisenbahnarbeitern mit Wanderbüchern versehen meistens auf Nebenwegen indie Schweiz kommen. Gegen diese, namentlich gegen die Rückfälligen wurde mit geschärftem Ver-haft eingeschritten. Auch wurde verschärfte Aufsicht an den Grenzen angeordnet und auch den Polizei-behörden von Schaffhausen und Thurgau anempfohlen. Die gegenseitige Verrechnung der Transport-und Verpflegungsgebühren für aufgegriffene Bettler wurde als zu lästig und dem Zwecke nicht ent-sprechend zwischen dem Kanton Zürich und den meisten Kantonen in Folge Uebereinkunft aufge-hoben. Den Polizeisoldaten wurde für den Transport fremder Angehöriger 15 Rp. per Stunde ver-gütet (statt der früher zu ihren Handen bezogenen Transportgebühr), was eine jährliche Ausgabevon circa 1000 Fr. verursachen dürfte. Für die im Kanton selbst transportirten Angehörigen werdendie Gebühren den betreffenden Gemeinden verrechnet.

1856.

Alle Berichte der Statthalterämter mit Ausnahme desjenigen von Zürich lauten dahin, daßder Bettel abgenommen habe. Im Bezirke Zürich dagegen wurden in diesem Jahrr 1201 Bettlerund Vaganten aufgegriffen (wobei indessen einzelne mehrere Male gezählt sind) und in die Heimatabgeliefert; auch dieses Jahr befanden sich darunter eine große Zahl Angehörige zweier würtem-bergischer Oberämter, weshalb endlich bei den betreffenden Stellen Vorstellungen gemacht wurden.— Für den polizeilichen Transport wird nun die Eisenbahn benutzt, wodurch die Transportkostenvermindert und den Polizeisoldaten mehr Zeit übrig bleibt, sich dem eigentlichen Polizeidienste zuwidmen.

1857.

Dießmal kann auch aus dem Bezirk Zürich betreffend die Abnahme des Bettels Erfreulichesberichtet werden, indem inr Laufe dieses Jahres nur noch 571 Bettler in diesem Bezirke aufge-griffen wurden. Die würtembergischen Oberämter, an welche die Polizeidirektion sich gewendet hatte,um Abhülfe der auf dem Bettel herumreisenden angeblichen Müller- und Bäckerknechte, entsprachendem Ansuchen bereitwillig.

1858.

Nach den übereinstimmenden Berichten aller Statthalterämter hat der Bettel überall abge-nommen und ist in einigen Bezirken beinahe ganz verschwunden; auch kommt es gegenüber frühernJahren nur selten mehr vor, daß reisende Handwerker am Bettel betroffen werden.

1859.

Als ein Zeichen, daß der Bettel im Kanton bedeutend abgenommen hat, dürste auch ange-sehen werden, daß selbst während des eidgenössischen Schützen- und Turnfestes der Zudrang vonVaganten und überhaupt verdächtigen Individuen nicht besonders bemerkbar war.