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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860 / von G. v. Escher
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hängt hatten, bemerkte man doch auf dem Festplatz kaum eine Abnahme der Volksmasse. Einenprächtigen Anblick gewährte die hellerleuchtete Festhütte, und vielleicht wurde noch bei keinemSchützenfeste ein so buntes und fröhliches Leben und Treiben bis in die Nacht hinein beobachtet.

8. Juli (Freitag).

Heute verabschiedeten sich Thurgau und Solothurn, dagegen erschien die Fahne von Freiburg und von Wädensweil, sowie eine Schützengesellschast von Solothurn. Beim Mittagessen Toastevon vr. Zehnder, l)r. Oertli, Nationalrathspräsident Peyer im Hof, Nationalrath Joller, der vor-erst den Unterwaldner in alter Schweizertracht auftreten und das Harsthorn blasen ließ, dannHr. Landolt, der mit seiner schönen Stimme das Lied »O mein Heimatland" sang, und FürsprechHuber von Uri.

Nachmittag zogen die Waldstätte mit Musik ab, begleitet von dem Abschiedsruf der Volks-menge. Später wurden auch die Appenzeller und die Unterhallauer und die von Pfäffikon ver-abschiedet.

Abends ließen sich die Sängervereine Zürichs (Harmonie, Stadtverein und Sängerbund) inder Festhütte hören, und trugen viel zur Gemüthlichkeit bei.

Bereits waren bis zum Freitag Abend 300 Saum Schützenwein und über 6600 FlaschenFestwein verbraucht.

9. Juli (Samstag, Gedenktag der Schlacht bei Sempach 1387).

Am Vormittag rückten die Walliser Schützen ein. Mittags Toaste von vr. Häuser, AugustinKeller, Papa Fuog, Pros. Karl Keller, Stud. Manzinoja (aus Graubünden ) und Pfr. Kälin. —Nachmittags gegen 3 Uhr Aufmarsch und Empfang der Schützen von Baselstadt mit trefflicherMusik und einer prachtvollen gestickten Fahne und dem wackern Veteranen, Rathsherr Minder, derseit 1827 die Basier Schützensahne zu Ehrenfesten begleitete. Beim Abschied der Berner Kantonal-fahne und ihren 3 anwesenden Lokalfahnen wurden einige Mißhelligkeiten erörtert und beseitigt,weil ein Theil der Berner sich bekagt hatte, daß ihnen von Seite des Fest leitenden Komite's nichtdie nöthige Aufmerksamkeit erwiesen worden sei! — Hierauf verabschiedeten sich auch die St. Galler Schützen.

10. Juli (Sonntag).

In sonntäglicher Stille wanderte heute vom frühesten Morgengrauen an Trupp um Truppkräftiger Dorfbewohner von nah und fern, durch die bewimpelten Straßen Zürichs dem Festplatzezu, und als auch die Dampfschiffe und die langgestreckten Züge der Nordostbahn ihr buntes Kontingentausgeschifft, da wogte bald eine ungeheure Landsgemeinde um den Gabentempel, an dessen Balustradedie Kanzel für den Festprediger errichtet war. — Um halb 10 Uhr verkündete dann ein Kanonen-schuß den Beginn des Gottesdienstes, den Musik und Gesang mit dem herrlichen Choral

Ein' feste Burg ist unser GottEin' gute Wehr und Waffen rc.

und Hr. Pfarrer Hiestand mit einem kurzen, innigen Gebet eröffnete. In beredtem, von warmerVaterlandsliebe durchdrungenem Vortrage über die Worte des 127. Psalms Vers 1