X.
Die Occupation Kurhesseus bis zum Friedenvon Tilsit.
Die gewaltsame Occupation Kuchcssens, Folge der Ver-letzung des zwischen Frankreich und Hessen bestandenenNeutralitätsvertrages, wird ewig ein Flecken in der fran-zösischen Politik unter Napoleon bleiben. Dies Ereign ißbildet den wichtigsten und verhangnißvollsten Abschnitt inder hessischen Geschichte, und wird auch in diesem Werkenähere Erörterung finden, da Ochs, durch seine Dienst-verhältnisse berufen, eine Hauptrolle in diesem Zeitraumeübernehmen mußte.
Der Kurfürst von Hessen hatte zwar niemals dem Sy-steme Napoleons gehuldigt, noch sich unter seinen Ein-fluß gebeugt, auch von der Theilnahme am Rheinbünde,aller Aufforderungen ungeachtet, sich losgesagt, doch ge-bot ihm Politik und Rücksicht für die Erhaltung seinerStaaten, sich leidend zu verhalten. Als im Herbste 1896der Krieg zwischen Frankreich und Preußen unvermeidlichschien, wollte der Kurfürst, um feinem Lande die Drang-sale des Krieges zu ersparen, eine bewaffnete Neutralitätbehaupten und knüpfte deshalb mit beiden kriegführendenMächten Unterhandlungen an. OchS hatte durch Füh-rung der militairischen Eorrespondcnz des Kurfürsten Ge-legenheit, oft die politische Lage der Dinge zu durchblic-ken, auch Veranlassung, mehrmals aus Patriotismus undaus gut gemeintem deutschen Herzen sich offen darüber zuäussern. Wenn gleich eine Vereinigung der kurhessischenTruppen mit der preußischen Armee von ihm gewünschtwurde, da die allmahlige Unterjochung des deutschen Va-