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Das Bündner Oberland oder der Vorderrhein mit seinen Seitenthälern / von G. Theobald
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Bären bewohnt, oder wenigstens besucht, welche jetzt so wie der Luchsvertilgt zu sein scheinen. Dagegen weiden zahlreiche, schöne Herden hierauf den kräftigen Weiden, und gastfreundlich öffnet sich die Thür der Senn-hütte dem Besuchenden.

Aus Mangel an Zeit und wegen Unsicherheit des Wetters ist es mir,als ich jene Gegenden besuchte, nicht möglich gewesen, die Spitzen zu er-steigen, welche die Thäler umgeben. Es wird aber unseren Lesern nichtunangenehm sein, die Beschreibungen eines Mannes hier zu finden, welcherseiner Zeit sich um die Erforschung dieses Gebietes, so wie überhaupt desOberlandes, nicht genug anerkannte Verdienste erwarb, nämlich Pater Pla-cidus a Spescha , von dem später ausführlicher die Rede sein soll.

Ersteigung des Stoekgron. Anstatt des leichteren Wegesdurch Bariums, wählte Spescha von Qisentis aus den schwierigeren überdas Gebirg, stieg den Val Acleta hinauf, durch das Seitenthälchen Laisereinüber den Brunnigletscher, hinter dem Piz Cavardiras weg in das gleichnamigeThal und übernachtete in Alp Cavrein. Er hatte zu seiner Begleitung einenalten Bergsteiger C. M. Huonder aus Montpe Tawetsch, und nahm auf derAlp noch einen zweiten Begleiter mit.

Sie überstiegen eine grasige Halde und kamen in das Russcinlhal, inwelchem sie bis zu Endhütte hinauf gingen. Von da stiegen sie östlicheinen ebenfalls bewachsenen, aber steilen und felsigen Abhang hinauf undkamen in etwa 2 Stunden auf einen Gletscher, an welchem sie links vor-übergingen, dann über eine Schlucht setzten und auf dem nun folgendenSchneefeld einen See fanden. Der Berggiebel lag vor ihnen, aber auch einsehr zerrissener Gletscherarm, über den sie steigen mussten, um eine Schluchtzu erreichen, welche östlich von Stoekgron zwischen diesem und der nächstenFelsenecke (Porphyr?) hinaufführte. Sie verbanden sich mit einem Strick undüberkletterten den Gletscher, wo eine Querspalte das Vordringen beinaheunmöglich gemacht hätte, dann überstiegen sie eine sehr steile Halde vonhartem Schnee, in welchen sie sich Tritte einhauen mussten. Die Kälte warso gross, dass ihnen die Tropfen an der Käse froren und die Gesichtshautangegriffen vftrde. Sie waren auf die Höhe des Schneefeldes gekommenund wandten sich nun westlich gegen den Gipfel, der ohne grosse Schwie-rigkeiten erreicht wurde. Auf dem Schnee fanden sie Bienen und Schmet-terlinge, welche mit dem Tode kämpften. Der Gipfel, 3478 M , war schnee-frei, eine kleine, abgerundete Fläche, mit grauem, dichtem Marmor (Jurakalk)wie gepflastert, welcher cubische Schwefelkiese enthielt. Westlich war derBergkopf so steil abgebrochen, dass Spescha fest glaubte, den Russeinbachmit einem Sleinwurf erreichen zu können und bei schnellem Umdrehen eineAuwandlung von Schwindel empfand. Die Kälte hatte schon auf dem oberen

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