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Das Bündner Oberland oder der Vorderrhein mit seinen Seitenthälern / von G. Theobald
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Mehrere im Sommer 1860 gemachten Entwürfe der Ersteigung musstender ungünstigen Witterung wegen aufgegeben werden.

Es wäre jedenfalls von Interesse, die Ersteigung noch einmal von derBündner Seite und zwar von der Russeinalp ans zu versuchen, denn dieLücke zwischen den steilen Wänden des Russein und Stockgron ist jeden-falls gangbar, w'enn auch schwierig, aber weit kürzer als der von der Sand-alp, würde dieser Weg, wenn er sich bew'ährte, einen bedeutenden Zeit-gewinn bieten, welcher bei wissenschaftlichen Ersteigungen nicht hoch genugangeschlagen werden kann.

9. Disentis .

— — — Da liegt die Alpenwelt,

Die wunderbare, grosse, vor ihnen aufgehellt.Gesunkne Nebel zeigen der Tbäler reiche Lust,

Mit Hütten in den Armen, mit Herden an der Brust,Dazwischen Riesenbäche, darunter Kluft an Kluft,Darüber Wälderkronen, darüber freie Luft,

Und sichtbar nicht, doch fühlbar, von Gottes Ruh umkreist,In Hütten und in Herzen der alten Treue Geist.

Wir kehren zurück die Russeinbrücke und den brausenden Bergstrom,dessen Quellen wir hervorsprudeln sahen aus den ewigen Gletschern und demzerrissenen Gestein der Felsenwände. Sein kurzer, wilder Lauf geht baldzu Ende, doch besitzt er die Kraft, den Yorderrhein um ein Bedeutendesauf die andere Thalseite hinüberzuwerfen, obgleich von dieser drei starkeBäche ihm ebenfalls ihre Schuttkegel Zufuhren.

Wir treten jenseits aus dem Walde hervor und sind überrascht über denganz neuen Anblick, welchen wir gewinnen. Dort abwärts liegt das DörfchenDisla und einige andere Höfe und senkt sich gegen das Dreieck zwischenden beiden Flüssen. Weiterhin breitet sich eine weit ausgedehnte Hoch-ebene aus; abwärts fällt sie steil gegen den Rhein ab, nördlich erheben sichstufenweise bewaldete Berge, Terrassen mit Alpenweiden bedeckt, und diesestossen an steil aufsteigende, langgestreckte Gräte, über w’elche sich die nochhöheren, Gletscher tragende Massen des Brunnigrates und Oberalpstockes er-heben. Jenseits auf der rechten Rheinseite steigt der gewaltige MedelserGletscher anscheinend unmittelbar aus dem dunklen Tannenwald auf mithoch gewölbten, blauschimmernden Eismassen und blanken Firnfeldern, ausdenen schwarze Felsengräte und hohe Zacken hervorstehen, dann öffnet sichdas Medelser Thal und jenseits desselben steigen mehrere Bergreihen eineüber die andere empor, hohe, schlanke, spitzige Gipfel, durchzogen von