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Das Bündner Oberland oder der Vorderrhein mit seinen Seitenthälern / von G. Theobald
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brücke hin. Aber nach Süden zu steigt aus der Thalfläcbe der Weg nachHospital und Realp und von da über den St. Gotthard, wo er sich hinab-senkt nach südlichen Ländern.

Wir lassen aber den Bergpfad über die Oberalp zunächst liegen undsetzen unsere Reise dem Rhein entlang fort. Nachdem wir die Felsen vonSursassi umgangen, öffnet sich uns eine andere Aussicht. An der Haldehinauf liegen Crispausa und Carmichut, zerstreute Wohnungen, nahe am Wegeine Capelle, weiterhin die Dörfer Selva und Tschiamut, die letzten desRheinthals und in ernster Majestät lagern dort hinten die Gebirgsmassenwelche dieses schliessen.

Selva liegt etwa eine Stunde von Ruäras 1538 M. hoch am Ende einersumpfigen Ebene, die ehemals stärker bewaldet war als jetzt, denn die sonstansehnlichen Waldungen im Thal und an den Berghalden, von denen dasDorf seinen Namen hat, sind grösstentheils zerstört. Der Ort ist klein undhat wenig Merkwürdiges, die hölzernen Häuser, woraus er besteht, sindschon mehrmals abgebrannt. Ausserdem ist er noch mehr als Rüeras denLawinen ausgesetzt, die in zwei Zügen von Nord und Süd her den Ort be-drohen. Die nördliche haben die Bewohner sich selbst zu verdanken, weilsie den Wald an den steilen Halden von Milez ausrotteten; die andere weitgefährlichere vom südlich gelegenen Abhang Runnatsch kommt fast jedesJahr in verschiedener Stärke herab, verschüttet das Rheinbett, beschädigtDächer, Fenster u. s. w. und richtet fast jedesmal erheblichen Schaden an;das ganze Thal zittert unter den stürzenden Schneemassen, die oft bis inden Sommer liegen bleiben und Brücken über den Rhein bilden. Aber dabeiist es nicht immer geblieben; 1808 erreichte die Lawine das Dorf, zer-schmetterte die Gebäude und begrub 42 Menschen und 237 Stück Vieh,welche alle umkamen. In dem kalten Winter 1812 auf 13 wiederholte sichdieses Unglück, 27 Menschen kamen um. Wegen der beständig drohendenGefahr und sonst ungünstiger Lage, wollten die Einwohner den Ort späterverlassen und kamen 1853 bei dem Bundesrath um Unterstützung ein. Dieseerhielten sie nicht und sind daher geblieben.

Aus dem sumpfigen Boden bei Selva entspringt eine Schwefelquelle, dienicht benutzt wird. Botanikern, besonders Bryologen, ist diese Gegend zuempfehlen.

In nicht ganz einer halben Stunde erreicht man das letzte Dorf desRheinthals, Chiamut (Tschiamut, Camot etc.) 1640 M. hoch in einem weitenThalkessel, zwischen kleineren Anhöhen gelegen. Es besteht aus einer sehralten Kirche, 8-10 Häusern und einer Anzahl Ställe. Man baut hier nochSommerroggen, Gerste, Flachs, Erbsen, Rüben und einige andere Gemüse-pflanzen auf einer Höhe, wo man sonst nicht gewohnt ist, dergleichen an-