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Cap's der guten Hoffnung. Wir lassen einen kurzen Abriß der Geschichte der holländisch-ostindischen Com-pagnie vorangehen, soweit ein solcher zum Verständniß der Sache wünschbar erscheint und fügen zum Schlüsse dieAufzeichnungen aus verschiedener Hand bei, die wir über das Regiment Meuron im Dienste jener Compagniehaben sammeln können. Wenn dieses Regiment auch nicht eine spezielle Schweizerische Truppe war, sondern einvon Frankreich für den Dienst in den holländischen Colonien geworbenes Fremdenregiment, so paßt eine kurzeSchilderung seiner Erlebnisse dennoch in den Rahmen unserer Arbeit. Die Offiziere des Regimentes waren mitwenigen Ausnahmen Schweizer d. i. von NeuchLtel; die Mannschaft war zu gutem Theil im Jura geworbenworden, zählte daneben allerdings zahlreiche Bestandtheile aus aller Herren Länder. Die Geschichte des Regimentesliefert uns selbst in den wenigen Bruchstücken, die aus derselben zu unserer Kunde gelangt sind, einen wettern,nicht uninteressanten Beitrag zur Kenntniß der Zustände bei den ehemaligen Schweizer-Regimentern in fremdem Dienste.
I. Die hottändisch-ostindische Kompagnie.
Von den Niederlanden aus, welche zu Anfang des 16. Jahrhunderts in hoher Blüthe standen, wurde unterKaiser Karl V. ein lebhafter Scehandel nach Lissabon getrieben, wohin die Potugiesen die kostbaren Gewürze,Spezereicn und anderen Erzeugnisse Jndien's brachten. Die Zwistigkeiten Philipps II. von Spanien mit seinenniederländischen Unterthanen machten den Verkehr mit Lissabon unmöglich, seit Portugal 1580 unter spanischeHerrschaft gefallen war. Wollten die Niederländer ihres einträglichen Seehandels nicht ganz verlustig gehen, soblieb ihnen nichts anderes übrig, als direkt nach Indien zu fahren, mn die Produkte zu holen, welche sie bisherals Zwischenhändler von Lissabon bezogen hatten. Ohne Philipp's strenge gehandhabtes Verbot alles Verkehrs mitLissabon hätten die Niederländer kaum die Energie gehabt, nach Ostindien zu gehen und dort der SpanischenMacht zu trotzen. Sie versuchten es zuerst, eine nördliche Durchfahrt nach Indien zu finden, überzeugten sich aberbald von der Erfolglosigkeit dieses Unternehmens; so ging denn am 2. April 1595 unter der Führung von Cor-nelius Houtmann das erste aus vier Schiffen bestehende holländische Geschwader von Amsterdam aus unterSegel, um aus dem gewöhnlichen Wege um die Südspitze von Afrika herum Ostindien zu erreichen. Eine privateHandelsgesellschaft hatte diese Expedition veranstaltet, durch welche zum ersten Mal das Banner Holland's auf derInsel Java aufgepflanzt wurde. Der Erfolg der Fahrt, die bis 1597 dauerte, ermunterte zu weiteren Unter-nehmungen. Neben der ersten Gesellschaft bildeten sich noch andere, so daß Jahr um Jahr mehr niederländischeSchiffe nach Ostindien abgingen. Von 1599 datirt der Gewürzhandel mit den molukkischen Inseln, 1601 holtendie Niederländer zum ersten Mal Zimmet auf Ceylon; 1602 sandte ein indischer König auf Sumatra eine Gesandt-schaft an den Statthalter Moritz von Oranien, welche in den Niederlanden großes Aufsehen erregte und dazubeitrug, das Interesse der Generalstaaten an dem aufblühenden Verkehr mit Indien zu erhöhen. Bei der fort-währenden Feindseligkeit gegenüber der vereinigten spanisch-portugiesischen Macht, also noch vor dem Abschlüsse desBefreiungskampfes, fanden sich die Generalstaaten 1602 bewogen, die bisher bestandenen Privat-Handelsgcsellschaftenin eine einzige Gesellschaft zu vereinigen, welcher sie eine bedeutende Macht in die Hände legten. Nicht nur erhieltdurch Urkunde vorn 20. März 1602 die neugebildete Ostindische Compagnie das Monopol für den Handel mitIndien, sondern auch die Hoheitsrechte über alle dort zu machenden Eroberungen und zu gründenden Colonien.Die Oberhoheit, welche sich die Generalstaaten vorbehielten, lies in Wirklichkeit auf eine bloße Form hinaus. Aller-dings blieb die zwangsweise Verwendung der niederländischen Armee in den Colonien gesetzlich verboten. — DieCompagnie kräftigte sich so rasch, daß sie in wenigen Jahrzehnten dem Handel der Spanier und der Portugiesenin Indien großen Abbruch that, besonders auch die ostindischen Colonien der letzteren gefährdete. Nicht zufriedenmit dem Besitze Java's entriß die Compagnie mit Hülfe der Seemacht des Mutterlandes von 1621 an den Por-