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tugiesen in rascher Folge die Molukkcn, Malacca, Ceylon, Celebes und die wichtigsten Punkte an der Küste vonMalabar. Wenig half es den Portugiesen, daß sie sich 1640 der Spanischen Herrschaft wieder zu entziehen ver-mochten; in Indien waren sie den Holländern längst nicht mehr gewachsen. Im Jahr 1653 erfolgte von Seitedieser letzteren die Ansiedlung auf dem Cap der guten Hoffnung und die Gründung der Capcoloniedurch Errichtung eines Blockhauses an der Stelle der heutigen Capstadt. Diese Colonie ward neben Java zumwichtigsten Besitzthum der Compagnie; daher wurde von letzterer auch Vieles zu ihrer Hebung gethan. So ver-pflanzte das Mutterland im Jahre 1688 auf 1689 achtzig protestantische Familien dahin, welche sich mit so vielenUngliicksgesährten nach Aufhebung des Ediktes von Nantes aus Frankreich nach den Niederlanden geflüchtet hatten.Die achtzig Emigrantenfamilien trugen sehr zum Gedeihen ihrer neuen Heimat bei; sie bildeten für sich eine blühendeNiederlassung in einiger Entfernung von der Capstadt. Der zu seiner Zeit berühmte Afrika-Reisende Le Vaillant,welcher diese Niederlassung im Jahr 1781 besuchte, erzählt, er habe dort das schmackhafteste Brod gegessen, dasihm in Afrika vorgekommen sei, nicht etwa besonderer Qualität des Getreides wegen, sondern lediglich in Folgeder französischen Manier des Brodbackens, welche hier noch ganz die nämliche sei wie zur Zeit der erstenEmigranten. Im klebrigen habe er nur nur noch einen einzigen Greis gefunden, der noch französisch mit ihm zusprechen im Stande gewesen sei, die Familiennamen wären dagegen alle noch die alten französischen.*)
Die Capcolonie und die Capstadt selbst gediehen ungemein rasch, Dank ihrer günstigen Lage in Bezug aufden Verkehr Europas mit Ostindien. Die Stadt war von den Holländern unmittelbar am Fuße des Tafel-berges am sanft ansteigenden Strande der Tafelb ay angelegt worden. Am Eingänge der Bay errichteten sieein fünfstelliges Werk von bedeutender Stärke als Citadelle zur Beherrschung von Stadt und Hafen. In dieseCitadelle verlegte die Compagnie den Sitz des Gouverneurs, alle öffentlichen Bureaux und die Kasernen. Mehrerekleine Forts und Strandbatterien deckten den Eingang des Hafens.
Die Capcolonie trug mächtig zum Flor der holländisch-ostindischen Compagnie bei und verhalf den Holländerngegen die Mitte des sicbenzehnten Jahrhunderts zur unbestrittenen, wenn auch kurzen Suprematie im IndischenOcean. Kein Wunder, daß die Engländer, welche bald genug als gefährliche Nebenbuhler des aufblühendenholländischen Freistaates auftraten, stets nach der Capcolonie als nach einem Kleinode lüstern waren und sich je und jemit den Holländern zur See um den Besitz der Colonie herumschlugen. Mit der Suprematie im Indischen Oceanwar für die Holländer der Alleinhandel mit Gewürzen verbunden, eine Quelle großer Reichthümer, die früher nachSpanien und nach Portugal geflossen waren. Nirgends ließen die unternehmenden Holländer die Portugiesen inRuhe; nach dem Vorgang dieser letztem suchten sie auch in China und Japan Niederlassungen zu gründen.Schon 1601 war der Handel mit China eingeleitet worden, 1608 kam zum ersten Mal ein holländisches Schiff nachJapan, wo bereits die Portugiesen festen Fuß gefaßt hatten. In China vermochten sich indessen die Holländernicht zu behaupten, sondern mußten den Engländern das Feld räumen; dagegen gelang es ihnen, ihre Factoreiauf der kleinen Insel Decima bei Nangasaki in Japan durch alle Wechselfälle zweier Jahrhunderte hindurch zuerhalten. Wie unwürdig auch die Behandlung war, der sie sich von Seite der Japanesen unterwerfen mußten, sobildete das kleine Eiland Decima mit seiner Factorei während jenen zwei Jahrhunderten die einzige Thüre zu demmächtigen Jnselrciche, woraus den Niederlanden überaus reicher Gewinn zufloß, und zwar fast ohne daß das übrigeEuropa eine Ahnung davon hatte. Der große Verkehr Holland's mit Batavia, der Hauptstadt Javas, maskirtenämlich die weitere Bestimmung und den Absatzort einer Menge von Manufacturwaaren, unter denen auch mancheschweizerische Jndustrieproduktc inbegriffen waren. Ursprünglich, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts,waren die Europäer mit großer Bereitwilligkeit in Japan aufgenommen worden; die Erfolge der Jesuiten, welchebald nachher aus Spanien und Portugal als Missionare anlangten, setzten die christliche Welt in Erstaunen. Baldjedoch schlug die Sache um; blutige Verfolgungen rotteten im Beginn des siebenzehnten Jahrhunderts die christlicheReligion bis auf die letzte Spur aus und machten fortan das Betreten japanesischen Bodens, ja selbst den Verkehrmit Japan jedem Europäer unmöglich. Nur die schlauen Holländer fanden Mittel, dem allgemeinen Gerichte zuentgehen. Die Behauptung der protestantischen Holländer, daß ihre Religion ^eine andere sei, als diejenige,