Buch 
Die Schweizer im Dienste der holländisch- ostindischen Compagnie / Adolf Bürkli. Chronologische Aufzählung der für die schweizerische Artillerie wichtigeren Momente (1862-1875) / Hermann Bleuler
Entstehung
JPEG-Download
 

4

welche in Japan verkündet worden war, konnten allerdings die katholischen Missionare nicht Lügen strafen, betriebdoch gerade damals Rom im ganzen westlichen Europa die Ausrottung des Protestantismus als arger Ketzerei mitFeuer und Schwert; nichts dcstowcniger vernimmt man ungerne aus dem Munde verschiedener Berichterstatter, daßvon den niederländischen Kaufleuten die holländische Religion der katholischen Kirche gegenübergestellt wurde,und daß sie den mißtrauischen Japanesen gegenüber sich selbst dazu hergegeben haben sollen, das Cruzifir mit Füßenzu treten, als Belege ihrer Behauptung. Nur auf diese Art wurde es möglich die Factorei in Decima als einzigeeuropäische Niederlassung in Japan der gerade damals gegründeten nationalen Handelsgesellschaft zu erhalten.Wir sehen, daß wenige Jahrzehnte nach ihrer Gründung das Wirkungsfcld dieser Gesellschaft bereits ein sehr aus-gedehntes war, es reichte von der Südspitze Afrikas bis an das große Jnselreich im fernen Osten. Zur Sicherungihrer Colonien gegen äußere Feinde schuf sich die Compagnie unabhängig von den Truppen des Mutterlandes ausgeworbenen Söldern eine bewaffnete Macht. Die Aufrcchthaltung der inneren Ruhe und die Handhabung derPolizei lag den Colonisten selbst ob; sie waren zu diesem Ende hin überall als Bürgcrmilitär organisirt undbewaffnet.

Die Compagnie stand unter einem Rathe von siebcnzehn Directoren und dreiundvierzig Mitgliedern mitSitz in Amsterdam; die Civil- und Militärgewalt in Indien lag in den Händen eines Generalgouverneurs, demder Rath von Indien zur Seite stand und der seine Residenz in Batavia hatte.

Batavia war 1619 an der Stelle der eroberten und zerstörten einheimischen Königsstadt Jacatra gegründetund statt des früherenBantam" zum Sitz des Gcneralgouverneurs und des Rathes von Indien bestimmtworden. Zu Ende des siebenzehnten Jahrhunderts soll die Stadt nicht weniger als 160,000 Einwohner gezählthaben. Anfänglich war das Klima nicht eben ungesund, der Ausbruch eines benachbarten Vulkanes in Folge einesfurchtbaren Erdbebens 1699 führte zur theilweisen Verstopfung der Mündungen der benachbarten Bäche und Flüsseund dadurch zur Bildung von Morästen. Diese wurden durch das allmälige Zurückdrängen des Meeres, durchdie Masse von Sand und Schlamm, welche die Flüsse dem ohnehin untiefen Gestade zuführten, im Laufe desachtzehnten Jahrhunderts noch vermehrt. Die nachteiligen Folgen dieser Ereignisse auf die Gesundheit derBewohner trugen der Stadt den ominösen NamenGrab der Europäer" ein.'ch

Das siebenzehnte Jahrhundert war die Zeit der höchsten Blüthe der holländisch-ostindischen Compagnie. DieseBlüthezeit fällt mit derjenigen des Mutterlandes und seiner Handelsmarine zusammen. Im Jahre 1660 besaß das kleineHolland allein die Hälfte des Tonnengehaltes aller Seeschiffe Europas, d. h. ca. eine Million Tonnen 20 Zentnervon den überhaupt vorhandenen zwei Millionen. Während des achtzehnten Jahrhunderts sanken die Macht undder Glanz der holländisch-ostindischen Handelsgesellschaft allmälig unter der Nebenbuhlerschaft der Englisch-Ostindischen Compagnie. Der Grund zu dieser letztem war schon 1599 inLondon gelegt worden; ihre großeBedeutung erhielt sie indessen erst 1662, als England die Insel Bombay an der Westküste Vordcr-Jndicnsgewann und zum Hauptsitz seiner Herrschaft in Indien machte. In zwei großen Seekriegen, unter Cromwell 1652und unter Carl II. 1670 ö. 1673, büßten die Holländer ihre Suprematie zur See an die Engländer ein;glücklicherweise wirkten von da an die Europäischen Kriege wenig mehr auf das Gedeihen der Colonien ein. Derspanische Erbfolgekrieg, 1701 ü 1712, den Holland als Alliirter England's gegen Frankreich durchfechten half,gefährdete dieselben nicht; auch der österreichische Erbfolgckrieg, 1740 ü 1748, in welchen die Niederlande widerihren Willen verwickelt wurden, erforderte keine großen Schutzmaßregeln für die holländischen Colonien. Wie drohendund mächtig Frankreich auch zu Lande als Feind war, erschien es^dagegen auf dem Meere noch nicht als gefürchtetcrGegner. Wohl hatten auch die Franzosen im vorangegangenen, d. i. dem siebenzehnten Jahrhundert nicht hinterden europäischen Küstenstaaten zurück bleiben wollen und überseeische Colonien zu erwerben gesucht. Zu diesemEnde hin war 1664 von dem bekannten Minister Colbert unter der Regierung Ludwigs XIV. nach dem Vor-gänge Englands und Hollands eine französisch-ostindische Compagnie gegründet worden; 1672 entstand inFolge "dessen die erste französische Niederlassung an der Ostküste Vorderindiens zu Pondichery. Die steten Macht-ansprüche jedoch, welche Frankreich auf dem Continent erhob, und die unaufhörlichen Kriege, worin es durch seine