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Die Schweizer im Dienste der holländisch- ostindischen Compagnie / Adolf Bürkli. Chronologische Aufzählung der für die schweizerische Artillerie wichtigeren Momente (1862-1875) / Hermann Bleuler
Entstehung
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Ländergier in Europa verwickelt wurde, ließen es nicht zu dauernden Erfolgen im Colonisiren und zu gehörigerEntwicklung seiner Handelsmarine gelangen.

Bei solchen friedlichen Verhältnissen in den Colonien während eines Jahrhunderts gelangte die holländisch-ostindische Compagnie allmälig dazu, ihre Streitmittel über Gebühr zu vernachlässigen und die erforderlichen finan-ziellen Opfer in dieser Richtung zu scheuen. Ob der reichen Gewinn bringenden Kauffahrtei vergaß man dieErhaltung einer tüchtigen Kriegsmarine; die in Holland geworbenen Söldner in sogenannte National-Bataillone formirt waren in den Colonien auf eine Weise verzettelt, welche die Möglichkeit eines Zusammen-wirkens kaum gedenkbar erscheinen ließ; höchstens in Batavia selbst, dem Sitze des Gcneralgouverneurs, vielleichtmit Mühe auch noch in der Capstadt, Hütte man mit einiger Aussicht aus Erfolg einer feindlichen Landung entgegentreten können.

Die enge Verbindung der Generalstaaten mit England, in der traditionellen Politik des Erbstatthalters ausdem Hause Oranien liegend, hatte bisher die Folgen solcher Mißstände ferne zu halten vermocht. Um so heftigerwar deren Rückwirkung, als sich im Jahre 1780 die holländische Republik dem Kriege mit England nicht zuentziehen vermochte. Holland hatte versucht, sich durch den Beitritt zur Seencutralität der nordischen Mächte vondem Kriege ferne halten zu können, der in Folge des notdamerikanischen Frciheitskampfes zwischen England undFrankreich ausgcbrochen war; als aber dessen ungeachtet die Kriegserklärung von Seiten Englands erfolgte, dabrach ein Sturm über die einst so streitbaren Gencralstaaten herein, dem sie nun in keiner Weise mehr gewachsenwaren, der ihnen ungeheuere Verluste verursachte und der auch für die holländisch-ostindische Compagnie verhäng-nißvoll wurde. Zwar hatte diese nicht erst das Zustandekommen der Allianz zwischen Holland und Frankreich abge-wartet; die Gefahr, die ihren indischen Besitzungen und dem Cap drohte, erschien so groß, daß die Compagnie vonsich aus im Sommer 1781 einen Vertrag mit Frankreich zum Schutze ihrer Colonien abschloß. In der Zwischen-zeit aber stürzten sich die Engländer mit ihrer ganzen Ueberlegenheit auf die Kauffahrtei der Niederlande; unzähligeHandelsschiffe wurden aufgebracht; kaum, daß das eine oder andere Kriegsschiff der Republik sich in See zu zeigenwagte! Hunderte von Kauffahrcrn lagen segelfertig in den Häfen oder harrten in der Fremde einer schützendenFlotte, um sie heimzugeleiten; die Versendungen nach allen Richtungen hin stockten!

Mit dem am 20. Januar 1783 zu Versailles abgeschlossenen Frieden erreichte der Krieg zwar seinEnde; durch die enormen Verluste an ihrer Kauffahrtei, durch die mehrjährige, fast gänzliche Stockung des Ver-kehres, endlich durch die kolossalen Kriegsausgabcn war aber die Compagnie finanziell ruinirt, so zwar, daß sie miteiner Schuldenlast von 107 Millionen Gulden insolvent wurde. Eine Folge hierin war, daß, sowie sich anno 1795die Revolutionspartei in Holland mit Hülfe der Franzosen unter General Pichegruc der Regierung bemächtigte, dieSequestration der Besitzungen der Compagnie durch den Staat erfolgte. Ihre Schuldenlast wurde der Staatsschuldeinverleibt, der Handel mit Ostindien ward freigegeben.

Der zum Eigenthum der Nation erklärten Besitzungen konnte sich die letztere nun allerdings nicht langeerfreuen. England, der alte Feind Frankreichs, ward nun auch wieder Feind der mit Frankreich verbündetenBatavischen Republik; und zwar gelang es den Engländern gleich bei Beginn der Feindseligkeiten, also im nämlichenJahre 1795, sich in den Besitz der Capcolonie zu setzen und so an ein lange ersehntes Ziel zu gelangen. Siegaben sie zwar ungerne genug im Frieden von Amiens, 25. März 1802, an die Holländer zurück, beeiltensich aber nach Wiederausbruch des Krieges 1806 sie diesen neuerdings und zwar für immer abzunehmen. AuchCeylon und ihre Colonien an der Westküste Vorderindiens, Malacca mit dem wichtigen Singapore und nochAnderes verloren die Holländer an das mächtige England. E? blieb ihnen schließlich nur der indische Archipel imstillen Ocean mit der Perle Java, immerhin noch ein weites und ausgedehntes Reich im Verhältniß zur Größedes Mutterlandes. Wie der Phönix aus der Asche, so ist in der Gegenwart aus der ostindischen Compagnie dieholländische Handels-Maatschappy erstanden! Ist auch diese Societät großer Kaufleute nicht mehr Beherrscherineines großen Reiches noch Besitzerin des Handelsmonopols für Indien wie ihre Vorgängerin, so hat sie dennochihre wichtige Bedeutung für den Verkehr Hollands mit seinen Colonien und mit den weiten, von diesen Colonien