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Die Schweizer im Dienste der holländisch- ostindischen Compagnie / Adolf Bürkli. Chronologische Aufzählung der für die schweizerische Artillerie wichtigeren Momente (1862-1875) / Hermann Bleuler
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sind, den ehrlichen Soldatentod als Sühne mancher im Leben begangener Unbill anzusehen, so wird uns auch dastragische Schicksal des jungen Mannes, von dem jene Geschichte berichtet, zu milderem Urtheil über seine Jugend-fünden stimmen, vielleicht auch heute noch unsere Theilnahme erregen.

Hans Conrad Meyer, am 19. November 1758 gebore», war ein Sohn des Herrn Melchior Meyer zumSteig und der Frau Anna Barbara, geborene Fjnsler. Der Großvater, Melchior Meyer der altere, ein in Zürichhoch angesehener Handelsherr, stand ;eit dem Jahre 1730 an der Spitze einer Seidenstofffabrik, die unter seinerLeitung rasch emporblühte, bald zu den bedeutendsten Handelsfirmen Zürich's zählte und der Familie Meyer zumStäg zu hohem Wohlstände verhalf. Für einen anderen seiner Söhne, den nachherigen Quartier-HauptmannHeinrich Meyer, kaufte der ältere Herr Melchior die Besitzung in Stadelhosen.

Hans Conrad verlor schon als sechsjähriger Knabe seinen Vater, den Rittmeister Melchior Meyer den jüngern,welcher von allen, die ihn kannten, als ein trefflicher Mann geschildert wird. Er starb eines plötzlichen Todes am12. Mai 1764 zu Frankfurt a. M. auf der Messe, wohin er wie üblich in Geschäften seiner Firma gereist war.Die Erziehung Hans Conrad's und seiner drei Geschwister fiel nun der Mutter allein zu. Wenn auch der Groß-vater mit Rath und That zur Seite stand, gelang es doch nicht, den Knaben gut ausfallen zu machen. Auch alsjunger Offizier im holländischen Regimente von Escher muß er sich eine Insubordination zu Schulden haben kommenlassen, in Folge deren er seinen Austritt aus dem Regimente nehmen und sich der holländisch-ostindischen Com-pagnieverkaufen" lassen mußte. Unsere Chronik thut der Sache lediglich in folgenden einleitenden WortenErwähnung:Es ist der Familie bekannt, welcher Gestalten und aus was Beweggründen Herr Hans ConradMeyer für sieben Jahre in die Dienste der holländisch-ostindischen Compagnie getreten und Ende Octobcr 1776 inQualität eines Cadetten oder Corporals zu Vlissingen in Zeeland sich auf das Schiff Overduyn, Capitän Kozenach dem äo bonns Lloxsranoo eingeschiffet hat, und zwar offiziersmäßig equipirt, mit allen Bedürfnissenund Erfrischungen geziemend ausgestattet, deren Anschaffung laut den Conti von Herrn Haubtmann Wirtz ^) gegendie tausend holländische Gulden kostete." Meyer trug ein Empfehlungsschreiben des Regimentsgeistlichen HansCaspar Meyers von Holland aus nach den Colonien mit sich, das als Circular an sämmtliche evangelische Predigerin den holländischen Colonien gerichtet war. Nach der Anschauung der damaligen Zeit wird in diesem Schreibenmit besonderem Nachdruck hervorgehoben, daß der Empfohlene in der reformirten Confession auferzogen und unter-richtet worden sei, daß er auch bisanhin seine Anhänglichkeit an diese Confession dargelegt habe. An diese Er-fahrung wird die Hoffnung geknüpft, er werde sich durch reine Sitten und durch anständiges Benehmen fernerhinals aufrichtiges Glied der reformirten Kirche legitimiren. In dieser Voraussetzung bittet der Regimentsgeistlichealle seine Amtsbrüder in den Colonien, Hans Conrad Meyer, auf seine Meldung hin, in ihre kirchliche Gemein-schaft aufzunehmen und ihm ihren Schutz angedeihen zu lassen.

Mit wenigen Zeilen von: 13. April 1777 berichtete Hans Conrad Meyer seiner Mutter seine glück-liche Ankunft auf dem Cap der guten Hoffnung und theilte ihr mit, daß er in Folge erhaltener Erlaubniß miteinem Kameraden getauscht habe und nun auf dem Cap verbleiben werde, anstatt seine Reise nach Batavia fortzu-setzen, wohin er anfangs bestimmt gewesen sei. Von diesem Zeitpunkte an trafen keinerlei Nachrichten vonMeyer mehr in Zürich ein; erst zwei Jahre später, am 24. August 1779, schrieb der Schiffschirnrg Lavater^) vonAmsterdam aus an seine Frau nach Zürich, er habe bei seiner Landung am Cap von den dortigen, den Schweizernstets freundlich gesinnten Herren Gebrüder Guy vernommen, daß Herr Meyer einige Zeit als Corporal in der Cita-delle der Capstadt gedient habe, aber bereits seit zwei Jahren unsichtbar geworden sei; Niemand wisse, wo erhingekommen, ^nno 1781 erkundigte man sich von Zürich aus nach Meyer bei den Directoren der holländisch-ostindischen Compagnie in Zeeland. Von diesen ging der Bericht ein, Meyer's Name finde sich seit 3. November1777 nicht mehr auf der Liste der im Solde der Compagnie stehenden Mannschaft, daß man daher sein Schicksalnicht wissen könne.

Jahre verstrichen, ohne daß irgend eine Kunde von dem Verschollenen einging; einzig berichtete anno 1785ein gewisserJacob Egg ab der obern Straß", welcher 1784 eine Weile auf dem Cap krank gelegen, er habe