von den Gebrüdern Gny erfahren, daß der junge Meyer von Zürich auf ein französisches Schiff desertirt sei,welches Schiff dann aber das Unglück gehabt habe, unweit des Caps mit seiner ganzen Equipage im Meere zuversinken. Dieser abenteuerliche Bericht ließ Meyer's Familie um so mehr wünschen, von den ihnen nun schonmehrfach genannten Gebrüdern Gny direct etwas über den Vermißten zu erfahren, allein es ging von diesen wederAntwort auf die gestellte Anfrage, noch irgend welcher Bericht ein. Es mußte dies die Anverwandten Meyer'sbefremden; nach dem, was früher Lavater ausgesagt, hatten sie gehofft, bei erster Gelegenheit auf die Briefe, diesie von Zürich aus in der Sache an die Gebrüder Guy geschrieben hatten, von diesen eigenhändige Antwort zuerhalten. Wie es sich nachher ergab, thaten die Gebrüder Guy ihr Bestes in der Angelegenheit. Wir haben abergehört, daß gerade in dieser Epoche die englischen Caperschiffe mehrere Jahre hindurch den Verkehr zur See äußersterschwerten, ja fast unmöglich machten, und werden uns also nicht wundern, daß die Correspondenz vom Cap nichtan ihre Adresse in Zürich gelangte.
Noch fehlte also jede sichere Kunde über Hans Conrad Meyer's Schicksal znr Zeit, als sein Großvater,Melchior Meyer der ältere, 86 Jahre alt, am 19. Januar 1787 starb. In dem bei diesem Anlasse aufgesetztenFamliendokumente wird aus allen bisher eingelaufenen Berichten der Schluß gezogen, Hans Conrad Meyer seischon vor Bcrfluß des Jahres 1777 mit Tod abgegangen; es sei aber nichts Sicheres mehr über seinen Hinschiedin Erfahrung zu bringen. Dennoch sollte der Mutter Meyer's vor ihrem am 15. April 1792 erfolgten Todenoch etwas bestimmtere Kunde über das Schicksal ihres armen Sohnes werden.
Ein Freund der Familie Meyer machte auf seiner Rückreise von Straßburg nach Zürich im September1790 die Bekanntschaft eines im Urlaub befindlichen Offiziers der holländisch-ostindischen Compagnie, mit NamenThomas Schuhmacher aus dem Canton Basel, der sein schweizerisches Vaterland zu besuchen kam. DerZürcher horchte hoch auf, als ihm Schuhmacher unter Anderem erzählte, er habe während seines Aufenthaltes amCap zu Ende der siebenziger Jahre einen gewissen Conrad Meyer von Zürich wohl gekannt und oft persönlich mitihm verkehrt, sei überhaupt mit ihm befreundet gewesen; sie seien beide beim National-Bataillon von Oberst Gordongestanden, das in der Citadelle der Capstadt den Dienst zu verrichten hatte. Eines Tages gegen Ende November1777 seien sie am User des Meeres in einiger Entfernung von der Capstadt zusammen spazieren gegangen. Eshabe sehr heiß gemacht, weßhalb Meyer den Wunsch geäußert, ein Bad im Meere zu nehmen. Seine dringendenGegenvorstellungen und seine Warnung vor dem gefährlichen Elemente hätten leider nichts gefruchtet und so sei esdenn, wie er gefürchtet habe, gekommen. Schuhmacher mochte wohl wissen, daß das Meer um das Vorgebirgeder guten Hoffnung herum sehr reich an Klippen und die Brandung eine sehr starke ist. Meyer, als kühnerSchwimmer, hatte sich kaum etwas zu weit in's Meer hinausgewagt, als er der Gewalt der Wellen erlag. Vondiesen gegen einen Felsenriff geworfen, fand der neunzehnjährige Mann jählings seinen frühen Tod. Erst amfolgenden Tage trug die wiederkehrende Fluth die nackte Leiche irgendwo an die Küste; Fischer fanden sie auf undbegruben den Unbekannten - am Gestade des Meeres.
Begreiflich hatte der Zürcher nach seiner Ankunft zu Hause nichts Eiligeres zu thun, als Meyer's Muttervon Allem in Kenntniß zu setzen, was er von Schuhmacher erfahren hatte. Letzterer hatte sich in Basel von seinemBegleiter verabschiedet, um sich nach Mönchenstein in der Nähe von Muttenz zu begeben und dem dortigen PfarrerHyeronimus Kyburt Nachrichten von seinem in der Capstadt niedergelassenen Sohne zu bringen. Er fand inMönchenstein natürlich freundliche Aufnahme und brachte dort einen Theil seines Urlaubes zu.
Des verunglückten Conrad Meyer's Anverwandte mußten nun Werth darauf setzen, eine von den Behördender Capcolonie beglaubigte Urkunde über den von Schuhmacher erzählten Vorfall zu erhalten und es nahm diesfallsPfarrer Kyburt dem Schuhmacher das bestimmte Versprechen ab, nach seiner Rückkehr an's Cap hiefür die nöthigenSchritte thun zu wollen. Die Familie Meyer, so meinte Pfarrer Kyburt, solle sich zwar nicht allzugroße Hoffnungmachen; denn von dem Lieutenant Schuhmacher obiges Versprechen zu erhalten habe ihn und seine Frau schonviele Mühe gekostet; der ungehobelte, vom Bauer entsprossene Soldat sei schlechterdings zu nichts zu bringen. Mehr