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Die Schweizer im Dienste der holländisch- ostindischen Compagnie / Adolf Bürkli. Chronologische Aufzählung der für die schweizerische Artillerie wichtigeren Momente (1862-1875) / Hermann Bleuler
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Uebermuth der Retter des Caps, als welche sich die französischen Offiziere ausgaben, ward den Colonistcn um sounerträglicher, je mehr die Damenwelt an diesen Rettern Gefallen fand, ja, wie ein Bericht sagt, Tag und Nachtfranzösisch lernte, um sich mit ihnen zu unterhalten.

Es war unter diesen Umständen gewiß gut, daß zunächst wenigstens die Hälfte des Regimentes Mcuronrasch aus der Capstadt wegcommandirt wurde. Mit andern Truppen erhielt diese Hälfte Befehl, sich nach Ceyloneinzuschiffen. Die Compagnien der beiden Hauptleute Vork und de Sandol-Roy nahmen an der Expedition Theil.Der Oberst des Regimentes dagegen mit dem Rest seiner Truppen verblieb in der Capstadt. Die Expedition hatteden Zweck, dem Admiral Suffren Truppen zuzuführen, bot daher den Offizieren Meurons die erwünschte Gelegenheit,mit einem der tüchtigsten Führer der französischen Marine zusammenzukommen, der damals die Suprematie derEngländer im indischen Ocean gewaltig bedrohte und sich von ihnen gefürchtet zu machen wußte.

Die Truppentheile, welche die Expedition bildeten, fanden Anlaß, sich in den Tagen vom 13. bis20. Juni 1783 zu Lande wie zur See tüchtig mit dem Feinde herumzuschlagen. Die holländische FestungCuddalore auf Ceylon wurde bereits zu Lande von den Engländern bedroht, während achtzehn englische Kriegs"schiffe der Rhede der Festung zu segelten, um weitere Truppen an's Land zu werfen und jeden Entsatz unmöglichzu machen. Diese Schiffe trafen am 8. Juni vor Cuddalore ein und setzten sofort zwei Regimenter an's Land,die sich mit dem Cernirungscorps vereinigten. Schon am Tage darauf erschien aber auch Admiral Suffren mitdem französischen Geschwader. Obschon um drei Schiffe schwächer als der Gegner, wußte er doch so geschickt undkühn zu manöveriren, daß dieser, ohne den Kampf zu wagen, das Weite suchte. Schleunigst warf jetzt Suffrenein Regiment in die bedrohte Festung; es kam zur rechten Zeit, denn wenige Tage später, d. i. am 13. Junibegannen die Engländer, bei denen auch zwei Regimenter Hannoveraner standen, ihren Angriff von der Landseiteaus mit großer Energie. Es gelang ihnen indessen blos, nach mörderischem Kampfe und mit großem Verlustedie Belagerten zur Räumung zweier vorgeschobenen Batterien zu nöthigen, während letztere sich in der Festung selbstbehaupteten.

Admiral Suffren hatte dem Kampfe von der Rhede aus zugeschaut; da er es hauptsächlich auf die feindlicheFlotte abgesehen hatte, nahm er nach Beendigung desselben die ausgeschifften Truppen wieder an Bord und lichteteam 17. Juni die Anker, um jene Flotte aufzusuchen. Am 20. Juni Nachmittags fand er sie; vergebens suchteder feindliche Admiral dem Gefechte auszuweichen. Nach dreistündiger Dauer dieses letzteren setzten die Engländeralle Segel auf, um nach Madras zurück zu eilen und dort ihren Schaden auszubessern. Der Biograph Aork'serzählt, letzterer sei in dieser Seeschlacht verwundet worden, über Deck gestürzt, glücklicherweise aber an einerAnkerspitze hängen geblieben und so vom Tode in den Wellen errettet worden..

Die am 25. Juni 1783 in Madras eingctroffene Nachricht vom Abschluß des Friedens zu Versailleshemmte die weitere Belästigung der englischen Flotte durch den französischen Admiral. Bevor sich dieser auf denHeimweg nach Europa begab, setzte er die holländischen Truppen auf Ceylon wieder aus Land.

Nork's Compagnie hatte vorerst die Besatzung von Trincomale zu bilden. Dank guter Pflege genasder^Hauptmann in einigen Wochen von seiner Wunde. Der an und für sich wenig Abwechselung bietendeGarnisonsdienst war immerhin an diesen fernen Gestaden mit reichlichen Mühen für die Offiziere verbunden. Schondie^Bcschaffenheit ihrer Truppen bot den Offizieren große Schwierigkeiten. Von Hause aus mehrentheils zuchtlos,waren die Soldaten in dem warmen Clima Jndien's um so schwerer im Zaume zu halten.

Der Aufenthalt auf dem Cap war zunächst für den Hauptmann Vork zu kurz gewesen, um seine Compagnieso zurecht zu machen, wie es ihm nothwendig schien. Jetzt begann er, sie nach seiner Weise zu dressiren. Trotzige,übermüthige, verwilderte Kerle nennt Vork seine Schweizer, denen es ganz sonderbar vorgekommen sei,Ordnung, Gehorsam und Zucht zu lernen, strenge den Dienst zu üben, auf der Wache zu bleiben und sich zurbestimmten Stunde im Quartier einzufinden. Wilde Scenen habe es da gegeben, ja mit Degen und Pistole seier unter sie zu fahren genöthigt gewesen, um der Meuterei zu wehren. Dennoch sei es ihm schließlich gelungen,