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Die Schweizer im Dienste der holländisch- ostindischen Compagnie / Adolf Bürkli. Chronologische Aufzählung der für die schweizerische Artillerie wichtigeren Momente (1862-1875) / Hermann Bleuler
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ihrer Meister zu werden und sie zu bändigen; die anfängliche Furcht habe sich allmälig sogar in Verehrung undin Wetteifer um seine Zufriedenheit verwandelt.

An kleinen kriegerischen Raufereien mit den Truppen eines benachbarten inländischen Fürsten fehlte es derGarnison auf Ceylon nicht; sie gaben Gelegenheit, das moralische und factische Uebcrgewicht weniger wohlgeübterund wohlgeleiteter Truppen über wüste Massen zu erproben, und jene Art des Dienstes, jene Beweglichkeit. Selbst,gewißheit und umsichtige Keckheit zu erlangen, die für leichte Truppen das Wesentliche ist.

Auf Ceylon war es, wo sich der sonst schwer zugängliche, eher abstoßende Nork an Sandol-Roy enge anschloß,als an den einzigen der Offiziere des Regiments, mit dem er intimen Umgang pflegte. Im Herbste 1783 kehrtendie Truppen Meurons wieder nach dem Cap zurück- Die Verhältnisse hatten sich hier nicht zum Bessern gewendet;die französischen Truppen waren, Dank der engen Allianz Hollands mit Frankreich, immer noch auf dem Cap; aberdas Mißtrauen der Colonisten in die Absichten der Franzosen hatte den höchsten Grad erreicht, und schon berechneteman, ob die Besatzung der Citadelle mit den bewaffneten Bürgern und Hottentotten wohl im Stande sein werde,sich eines Handstreiches der französischen Regimenter zu erwehren. Außerdem hatten die Verkehrsverhältnisse nocheinen schweren Stoß erlitten. In ihrer Finanznoth hatte die Compagnie ein Papiergeld geschaffen und ihreTruppen mit demselben zu bezahlen begonnen; die Colonisten jedoch verweigerten dessen Annahme, so daß bald dieLebensmittel auszubleiben begannen. Daneben waren die holländischen Kaufleute nichts weniger als geneigt, denfranzösischen Offizieren Geld zu borgen oder sich sonst mit ihnen einzulassen.

Für den Hauptmann Nork knüpfte sich neben diesen äußeren ungünstigen Verhältnissen, wie uns seinBiograph erzählt, noch ein besonders bemühender Umstand an diesen zweiten Aufenthalt in der Capstadt. Er hattevor seinem Abgänge nach Ceylon ein schönes aber unbegütertes Mädchen aus den Kreisen der dortigen Colonistenkennen gelernt und eine Neigung zu demselben gefaßt, die nicht unerwiedert blieb. Während Nork's Abwesenheitvom Cap hatte sich ein reicher junger Mann aus der Capstadt um die Hand des Mädchens beworben. Dieseswies aus Rücksicht für seine Eltern den Antrag nicht bestimmt zurück, machte aber seine Einwilligung von derZustimmung Nork's abhängig. Der neue Bewerber glaubte sich am Sichersten an diesen selbst zu wenden; offenschilderte er ihm die Lage des Mädchens und diejenige seiner Eltern. Nork, tief ergriffen, vertraute sich seinemFreunde Sandol an; dieser vermochte ihn, in besonnener Würdigung der Sachlage seiner Neigung zu entsagen.Noch wohnte Nork der Trauung bei, dann aber nahm er seinen Abschied, verkaufte nach damaliger Sitte seineCompagnie und kehrte mit dem ersten Schiffe nach Europa zurück. Die überwundene Leidenschaft ist ein edlerZug in dem scheinbar rauhen Character des nachherigen Feldherrn; seiner Erlebnisse im Regimente Meuron undseines Verhältnisses zu Sandol-Roy hat er sich stets gerne erinnert.

Auf dem Cap kamen durch den Abzug der französischen Truppen die Sachen allmälig wieder in ihr früheresruhiges Geleise; das Regiment Meuron, seiner Zeit speciell für den Dienst der ostindischen Compagnie geworben,verrichtete während mehrerer Jahre auf dem Cap den Garnisonsdienst, nachher kam es wieder nach Ceylon, währendder Regimentscommandant auf dem Cap verblieb. Nach dem Ausbruche der Revolution im Mutterlande, demSturze der Regierung des Erbstatthalters und dem Einmärsche der Franzosen unter Pichegrue im Jahre 1795wurde die Lage der Colonien eine sehr schwierige, und schwer war es nach dem Untergänge der Compagnie zusagen, wer nun eigentlich in den Colonien Herr und Meister sei. Die Batavische Republik, welche dafür angesehensein wollte, ließ die Colonien ohne allen Schutz, so daß es den Engländern leicht wurde, sich eines Theiles derselbenzu bemächtigen, als erster Frucht des wieder ausgebrochcnen Krieges.

Die Stellung des Regimentes Meuron erschien zu dieser Zeit als eine eigenthümliche; die holländisch,ostindische Compagnie, der es gedient hatte, war vom Schauplätze abgetreten; das Regiment konnte sich ^somitseiner Dienstpflicht entbunden erachten; da es jedoch die Möglichkeit der Rückkehr nach der Heimat abgeschnittenfand, blieb ihm kaum etwas anderes übrig, als das Anerbieten Englands anzunehmen, in seinen Dienst zu treten.So scheint der Regimentscommandant die Sache aufgefaßt zu haben, als er 1795 auf dem Cap nach dessenEinnahme durch die Engländer mit letzteren den Handel um sein Regiment abschloß. Anstoß erregend war hierbei