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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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c. Siebenzei lige glykv nische Strophe.

Frühling ward es und wieder blüht,

Vom sanftströmenden Bach getränkt,

Der Kydonische Apfelbaum,

Wo jungfräulicher Nymphen ScharTief im Dunkel des Haines spieltUnd die Blüte der Rebe schwilltUnter schüttendem Weinlaub.

(Jbykos. Aus Geibcls klaff. Liederbuch S. 44.)

6. Die phaläkische Strophe.

Sie hat ihren Namen von dem griechischen Lyriker Phaläkos.Sie entsteht durch Verbindung von 2 phaläkischen Versen mit Ana-pästjambus und Choriambus, endlich dem logaödischen Teil des großensapphischen Verses und einem abschließenden Anapästjambus. Sie istein trikolisches Tetrastichon und wurde am häufigsten von Catull an-gewandt.

Schema:

Beispiele:

a. Tragen will ich das Schwert verhüllt in Myrten,

Wie Harmodios und Aristogiton,

Da von ihrer Hand fiel der Tyrann

Und sie dem Volk Athens Freiheit und Recht erkämpft.

(Aus Geibels klaff. Liederbuch S. 61. Vgl. auch S. 53.)

t>. Tausendstimmiges Lob mag euch vergötternMit laut krachendem Lärm Kanonen MachtrufUnd Posaunenschall weit in das LandDonnern der Helden Siegsruhm, in der Schlacht erkämpft.

Dasselbe Beispiel geben wir gereimt:

Tausendstimmiges Lob mag Ruhm euch bringenUnd Kanonengebrüll weit tönend dringen,

Und Posaunenschall weit in das Land

Steigern der Helden Siegsdurst in der Schlacht entbrannt.

L. Antikisierende Strophen.

ß 162 . Aus antiken Metren und Versen zusammengesetzteStrophen neuer deutscher Erfindung.

Es kann dem denkenden Dichter nicht schwer fallen, die in denW 103 und 159 aufgeführten antiken Metren und Verse zu neuenStrophenformen zusammenzusetzen. In der That wurde unsere Litte-ratur durch Klopstock, Voß, Ramler, Hölty, Hölderlin, Platen,