Minckwitz u. A. mit antikisierenden, willkürlich gebildeten Strophen-formen stark bereichert, die aber nicht — wie die im Z 161 auf-geführten — die Namen ihrer Erfinder angenommen haben, wennauch bei einigen einheitliche Gestaltung und schöne Abrundung anzu-erkennen ist. Wir beschränken uns darauf, aus den Reihen der antiki-sierenden Strophenbildner, (welche im Ersinnen antikisierender fremderStrophen erfinderischer waren, als die Minnesinger im Ausklügelnvon deutsch-nationalen Tönen,) die Namen Klopstock, Platen, Schiller,Geibel, Minckwitz herauszugreifen, da dieselben für die von einerdeutschen Poetik mit Recht zu fordernden Gesichtspunkte ausreichendsein dürften.
1. Äopstocksche antiWerende Strophen.
Klopstock (vgl. Werke, Stuttg. 1876) hat alle möglichen antiki-sierenden Strophenformen geschaffen. Er hat in antiken Strophen-sormen gedichtet und antikisierende gebildet. Er hat einzelne Versewillkürlich aneinandergereiht, z. B. 2 phaläkische, 1 pherekratischen und1 archilochischen Vers. Er hat ferner alle in ß 103 erwähnten Vers-tatte nach eigenem Ermessen untereinander gewürfelt und auf dieseWeise einzelne freundliche Schemata gebildet, von denen wir ein einzigesals Probe geben. (Vgl. hierzu auch als Probe S. 507 d. B.)
Willkommen, o silberner Mond,
Schöner, stiller Gefährt' der Nacht!
Du entfliehst? Eile nicht, bleib', Gedankenfreund!
Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin.
(Klopstocks Werke I. 160.)
2. ptatens antikisierende Strophen.
Platen hat ganz nach Klopstocks Vorgang alle möglichen antikenMetren zu Strophen verbunden und auf diese Weise eine Reihe leichtaufzufassender Strophen neben anderen, von denen das Gegenteil be-hauptet werden muß, gebildet. Z. B.:
Wenn du, Natur, eine Gestalt bilden willst,
Bor den Augen der Welt, wie viel du vermagst, darzuthun,Ja, dann trage der LieblingDeiner unendlichen Milde Spur.