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Die Welt ist, o Freund, ein Gedicht,
Drum klagt der befangene Mensch umsonst der Vorsicht Launen an:
Er sieht des Unrechts Triumphbogen aufbaun,
Und liegen im Staube der Edlen Haupt;
Er gewahrt des Kriegs unermeßliches Ungetüm, und in seinemGefolge der Seuchen Heer, und der Krankheiten zahllose Brüt.
Sodann, mit dürftigem Maßstabe, meistert erDie großartigen Bruchstücke des Heldenlieds.
3. Schillers gereimte Griechenstrophe.
Eine wirklich deutsch gewordene, lebensfähige, aus antiken Metrengebildete Strophe hat uns Schiller in seinem Gedichte „die Größeder Welt" hinterlassen.
Der Parallelismus der Bewegung prädestiniert in je zwei gleichen Versenden Reim von vorneherein als verbindendes Schöuheitsmoment. Der erstenasklepiadeischen Verszelle entspricht eine zweite; der dritten, nur aus zwei Taktenbestehenden Kurzzeile entspricht die vierte, welche ihre beiden Arsen mit mehrerenmalenden Thesen umgiebt. Den Schluß bilden Zwei glykonische, sich entsprechendeVerse. So schuf Schiller eine charakteristische, ebenso durch den eigenartigenwelligen Rhythmus wie durch den parallelen Reim gut gebundene Strophe vongroßer Schönheit.
Beispiele:
Die der schaffende Geist einst aus dem Chaos schlug,
Durch die schwebende Welt stieg' ich des Windes Flug,
Bis am StrandeIhrer Wogen ich lande,
Anker werf', wo kein Hauch mehr weht,
Und der Markstein der Schöpfung steht.
Sterne sah ich bereits jugendlich anferstehn,
Tausendjährigen Gangs durchs Firmament zu gehn,
Sah sie spielen
Nach den lockenden Zielen;
Irrend suchte mein Blick umher,
Sah die Räume schon — sternenleer. u. s. w.
4. Geibets antikisierende Strophen.
In seinen Nachbildungen der klassischen griechischen und römischenDichtungen bietet Geibel ebenso gefällige Strophen als die obigeSchilkersche. Z. B.:
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