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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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b. Ein König ist der Wein!

Mit Segen reich beladenIst er von Gottes GnadenUnd mancher Pnrpur sein,

Ein König ist der Wein!

(Franz von Kobells Königslied.)

Vgl. auch Rückerts Gedicht Die Heilwege.

13. u u 5 5 u.

Hier gesellt sich der Abgesang u zu zwei Reimpaaren.

a. Schlaf', Kindlein, schlaf',

Der Vater hüt't die Schaf,

Die Mutter schüttelt's Bäumelein,

Da fällt herab ein Träumelein.

Schlaf', Kindlein, schlaf!

(Wiegenlied, Volksweise. Aus des Knaben Wunderhorn.)

l>. Der Tag ist kalt und trüb und traurig;

Es regnet, und der Wind weht schaurig;

Noch hält sich die Reb' an der Mauer mit Not,

Doch am Boden schon liegen die Blätter tot,

Und der Dag ist trüb und traurig.

(Longfellows Regentag, übers. v. Freiligrath.)

Vgl. noch Rückerts Ges. Ausg. II. 367 und 466, sowie VII. 10.

14. u 6 d 6 u. (Rückerts Duftstrophe.)

Eine nur von Rückert angewandte 5zeilige Strophenform.

Beispiel: Es kam das zarte Fräulein Luft

Bom Himmel her entstiegen,

Und sah in BlumenwiegenDen zarten Knaben liegen,

Den zarten Knaben Duft. (Rückerts Ges. Ausg. III- 63.)

15. u u 5 o u.

Beispiel: Schön bist du, allein

Noch bist du nicht mein;

O küß mich,

So sollst du

Die schönste mir sein. (Rückerts Ges. Ausg. I. 519.)

16. u d a u o.

Beispiel:

Und als die Schneider revoltiert,

Courage! Courage!

So haben gar grausam sie massakriertUnd stolz am Ende parlamentiert:

Herr König, das sollst du uns schwören.

(Chamisso, Kleidermachermut.)