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32. A b c: 3 a o e ä 6 6 ä k k.
Beispiel: Lob der Frauen von Fr. Scblegel. (Werke 8. 121. 6 Str.)
33. nxxxxxxxxxxnx. (Schefers Liebesstrophe.)Beispiel:
Alles schön ist in der Liebe,
In der Lieb' ist alles süß,
Süß das Schauen, süß das Glühen,
Süß ist Wünschen, süß ist Hoffen,
Das Erwerben, das Erreichen.
Das Erinnern, o wie lächelnd;
Das Verlieren, noch wie rührend —
Aber über alles selig
Ist das liebliche Verweigern!
Darin flammt das UnerreichteSchon noch himmlischer erreicht!
Alles süß ist in der Liebe,
In der Lieb ist alles schön. (1 Strophe.)
(Leop. Schefer.)
(Der n-Reim ist jedenfalls nicht beabsichtigt, somit diese Strophe reimlos.)
211. Die vierzehnMige Strophe.
Die deutsche 14zeilige Strophe ist bei den Minnesingern in16 Formen vertreten. In der neueren poetischen Litteratur findet siesich häufiger als die IZzeilige. Kopisch, Sallet, Goethe, Rückert,Gottschall, Karl Beck, Hoffinann von Fallersleben und Bodenstedtsind ihre hauptsächlichsten Bearbeiter.
Goethe, der in „Rastlose Liebe" mit Jamben beginnt, um inAnapäste und Daktylen überzugehen, schließt eine freundliche Vierzehn-zeile im Zauberlehrling durch einen 6zeiligen Refrain. Rückert, derin seiner einreimigen Lobstrophe eine der originellsten Vierzehnzeilenbildet, weiß im Guckkasten sehr geschickt den Rhythmus zu wechseln;seine alle Gebiete berührende, im beweglichen Jambus einherschreitendeSchilderung erhält in den letzten 4 Zeilen jeder Strophe durch denTrochäus einen Halt, der jedesmal die Rückkehr zum Guckkasten beginnt.
Freundliche, an die Rückertschen selbständig auftretenden Achtzeilenerinnernde Gebilde sind die Goetheschen Vierzehnzeilen(Bd. II. 199) und ^Versus Einoriales" (Bd. II. 238). Die Rückert-schen Vierzehnzeilen zeichnen sich vor den Goetheschen aus durch strophischschönen Abschluß, z. B. Das Lob, und Der Stern des Lebens (RückertsGes. Ausg. VII. 131 u. 433) wie durch architektonische Gliederung,,z. B. Zwölf Freier (Ges. Ausg. I. 534). Zwar liebt die Architektonikder Strophe im allgemeinen keine allzugroßen Gruppen; doch hat Rückertdie Monotonie durch den Wechsel im Reimgeschlecht, durch Verschieden-heit in der Zeilenlänge und im Rhythmus zu beseitigen verstanden.