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D. Joh. Georg Zimmermann, Königl. Großbrittannischer Leibmedicus in Hannover, von der Erfahrung in der Arzneykunst
Entstehung
Seite
72
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7S Zweytes Buch,

Schriften waren erlogene Triumphe über die Na.lur , vergötterte Denkmale der unverschämtesten Un-wissenheit. Auch sind die Galenisten, die Chimi-sien, und die meisten folgenden Aerzte in ihrenVerordnungen so abgeschmackt, daß es unbegreif-lich wäre, wie sie noch in unsern Zeiten Nachfolgerfinden können, wenn man nicht wüßte, daß dieunvernünftigsten Meynungen in der Welt die dauer-haftesten sind.

Diese Leute können uns eher verführen als unter-richten , eher von der Wahrheit entfernen, als derWahrheit nähern, wenn wir den wahren Gebrauchihrer Schriften nicht verstehen. Man kann wissen,was andere gedacht haben, ohne selbst denken zu kön-nen. Die meisten Verfasser lehren uns zwar, wassie gedacht haben, aber nicht was wir denken sol-len Nur der Mangel festgesetzter und lichtvoller Be-griffe ist es, nach dem Herrn d'Alembert, welcherdie Begierde in uns erwecket, anderer Gedanken zuwissen; man bemüht sich durch diesen wahren oderfalschen Schein der Gelehrsamkeit bestmöglichst denMangel der wahren Gelehrsamkeit zu ersetzen, wirdürfen nicht so wohl suchen, was die Menschen inallen Jahrhunderten gedacht haben, als was sie wah-res dachten. Darum sagte schon der vortrefliche Arz-neygelehrte Daniel le Clerc, man habe zwar inverschiedenen Ländern von Europa Gesellschaften zuvAufnahme der Arzneykunst; die Absicht sey schönund groß; aber er wisse nicht, durch was für einUnglück zuweilen diese Absicht so schlecht ausgefüh-ret werde, noch warum die Schriften dieser Gesell-schaften oft mehr eine Sammlung von dem seyen,was man über eine Sache gesagt hat, als von dem,was man darüber hätte sagen sollen. Man siehetsogar, setzt dieser grosse Schweizerische Arzt hinzu,