Festgedichte.
Und jubelnd UbermaaßenDurchziehet neue Straßen!Wo wir in's Leere schauten,Erscheinen edle BautenUnd Kranz an KränzenDie Reihen entlang.
So äußeres GebäudeVerkündet innre Freude;
Der Schule Raum erheitert/Zu lichtem Saal erweitert,Die Kinder scheuenNicht Moder noch Zwang.
Nun in die luft'gen Räume!Wer Pflanzte diese Bäume,Ihr kinderfrohen Gatten?
Er Pflegte diese Schatten,
Und Wälder umgrünenDie Hügel entlang.
Die Plage zu vergessen,
Das Gute zu ermessen,
So aufgeregt als treulich,
So treusam wie erfreulich,Stimmet zusammenIn herzlichem Sang!
Wie viel Er ausgespendet,Auch weit und breit vollendet,
Die Unzahl sich verbündet,Unsäglich Glück gegründet,Das wiederholetDas Leben entlang!
Dem würdigen Lruderfeste.
Johanni 1SM.
Fünfzig Jahre sind vorüber,
Wie gemischte Tage flehn;
Fünfzig Jahre sind hinüberIn das Ernstvergangne schon.
Doch lebendig, stets auf's neue,Thut sich edles Wirken kund,Frcundesliebe, Männertreue,
Und ein ewig sichrer Bund.
Ausgesä't in weiter Ferne,
Nah, getrennt, ein ernstes Reich,Schimmern sie, bescheidner SterneLeis wohlthätigem Lichte gleich.
So, die Menschheit fort zu ehren,Lasset, freudig überein,
Als wenn wir beisammen wären,Kräftig uns zusammen seyn!
Festgedichte.
Dem Pajfavant- und Schüblerischen Brautpaare.
Die Geschwister des Bräutigamszum 2S. Juli 177t.
Er fliegt hinweg, dich zu umfangen,
Und unsre Seele jauchzt ihm laut!
Mit innig heißerem VerlangenFlog nie der Bräutigam zur Braut.
O Schwester, willst Du länger weilen?
Auf, bring' uns doppelt Ihn zurück!
Wir wollen alles mit Dir theilen,
Und unser Herz und unser Glück.
Die besten Eltern zu verlassen,
Die Freunde, denen Du verschwind'st,
Ist traurig; doch, um Dich zu fassen,
Bedenke, was Du wiederfind'st.
Dein Glück, o Freundin, wird nicht minder,
Und unsers wird durch Dich vermehrt:
Sieh, Dich erwarten muntre Kinder,
Die werthen Eltern Gott bescheert.
Goethe, Werke. I.
Komm zu dem täglich neuen Feste,
Wo warme Liebe sich ergießt,
Ringsum die brüderlichen Gäste,
Da eins des andern Glück genießt.
Im langgehofften SommerregenReicht Gott dem früchtevollen LandErqnickung, tausendfält'gen Segen! —Reich' Du dem Bruder Deine Hand!
Und mit der Hand ein künftig GlückeFür Ihn und Dich und uns zugleich;Dann werden jede AugenblickeAn neuen Lebensfreuden reich.
Ja, es sind wonnevolle Schmerzen,Was aus der Eltern Auge weint!
Sie sehen Dich mit warmem HerzenMit Deiner Schwester neu vereint.
Wie Freud' und Tanz Ihn Dir ergebenUnd Jugendwonne Euch verknüpft:
So seht einst Euer ganzes LebenAm schonen Abend hingeschlüpft!
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