Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen und ;n festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Und war das Band, das Euch verbunden,Gefühlvoll warm und heilig rein,

So laßt die letzte Eurer StundenWie Eure erste heiter seyn!

Feier der Geburtsstunde

res

Erbprinzen Carl Friedrich,

den 1S, Februar 1783, gegen Morgen,

Vor vierzehn Tagen harrten wirIn dieser uächt'gen Stunde,

Noch zweifelhaft auf unser Glück,

Mit zugeschloßnem Munde.

Nach vierzehn Tagen kommen wir,

Die Stimme zu erheben,

Zu rufen: Endlich ist Er da!

Er lebt und Er wird leben!

Nach vierzehn Jahren wollen wirDieß Ständchen wieder bringen,

Zu Seiner ersten JiinglingszeitEin Segenslied zu singen.

Nach vierzehnhundert Jahren wirdZwar mancher von uns fehlen,

Doch soll man dann Carl Friedrich'« GlückUnd Güte noch erzählen.

Nequiem,

dem srohesten Manne des Jahrhunderts,

dem Fürsten von Ligne.

Gest, den 13, Dec, 1814,(Fragment,)

Chor.

Alle ruhen, die gelitten,

Alle ruhen, die gestritten;

Aber auch, die sich ergötzten,

Heiterkeit im Leben schätzten,

Ruhn in Frieden;

So bist du von uns geschieden.

Genius. Tenor,

Wem hoher Ahnen Geist im alten SängeDas Kinderhaupt durchschwebt,

Wem früh von WaffenklangeDie Erde bebt,

Er wird sich nie Gefahren beugen,

Und Heiterkeit, sie bleibt sein eigen.

Holder Knabe, froh gesinnet,

Alles sey dein Eigenthum!

Zwar die brave Faust gewinnet,

Doch der Geist bewährt den Ruhm,

Erdgeist. Baß.

So soll dem Jüngling denn, vor allen,

Der Schlachten Ruf,

Der Prüfung Ruf erschallen;

Wie die Alten, so die Neuen,

Eifersucht wird sie entzweien.

Nur voran mit Glücksgewalt!

Der Besitzer wird nicht alt.

Das Entsetzen wie das Granen,

Das Zerstören als ein Bauen,

Nur voran mit Geistsgewalt,

Wirbelt Pauke, Trommete schallt.

Im ei Sylphen.

Verklinge, wilder, unwillkommner Ton!

Sylphe des Hofs.

Und sollten wir ihn nicht umgarnen?

Er läßt sich vor Gefahr nicht warnen.

Sylphe der Gesellschaft.

Doch sind wir liebenswürdig Paar,

So liebenswürdig als Gefahr.

Erster Sylphe.

Locke du!

Zweiter Sylphe.

Locke du!

Erster Sylphe.

Zu, nur zu!

Zweiter Sylphe.

Zu, nur zu!

Leide.

Sieh, schon horcht der Kriegsgenosse,

Erster Sylphe.

Auf das Schmeicheln,

Zweiter Sylphe.

Auf die Posse.

Erster Sylphe.

Locke du!

Zweiter Sylphe,

Nur zu, nur zu!

Genius.

Nicht nur leichtsinnig zu, nur zu!

In seinem Wesen ist ein ander Wesen,

Ihn hab' ich mir zum Beispiel auserlesen.

Unglück das sinket, Glück es steigt;

In beiden sey er froh und leicht!

Und was wollt ihr, frohe Seelen?

Sylphen.

Für die Freude nur den Raum.

Genius.

Kann euch das? es kann nicht fehlen,

Sylphen.

Lust'ges Leben, lust'ger Traum.

Genius.

Der Sonne herrlich Licht, des Aethers freier Raum,Dort wohnt das Ewige, das Wahre;

Wie ernst das Leben auch gebahre,

Das Menschcnglück, es ist ein Traum.