Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen Und z» restlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Empfindet, wie so schön es seyIm frischen Gottesreich;

Er fühlt sich mit dem Wackern frei,Und sich dem Besten gleich.

Scharfsichtig Land und Städte soWeiß er sich zu beschaun;

Gesellig auch, im Tanze froh,Willkommen schönen Fraun;

Den Kriegern ist er zugewöhnt,

Mit Schlacht und Sieg vertraut;Und ernst und ehrenvoll ertöntKanonendonner laut.

Er fühlt des edlen Landes Glück,Ihm eignet er sich an,

Und hat bis heute manchen BlickHinüberwärts gethan.

Dem aber sey nun, wie's auch sey,Er wohnt in unserm Schooß! —Die Erde wird durch Liebe frei,Durch Thaten wird sie groß.

Die ersten Erzeugnisse der Stotternheimer Saline,

begleitet von

dichterischem Dialog

zwischen

dem Gnomen, der Geognosie nnd der Technik,

überreicht zum 3Ü. Januar 18Mmit getrostem Glück aus!

C. Glenck, Salinendirector,

unterthänigst.

Snome.

In brauner Kapp' und Kutte tret' ich an,

Wo Prunk im Licht erhellt den weiten Plan,

Unwillig, doch genöthigt, bin ich hier:

Denn das, was triumphirt, gehörte mir;

Ich barg es tief in schwerer Nächte Schooß,

Nun liegt es klar am hellen Tage bloß,

Und da es mir zu hindern nicht gelingt,

So bin ich einer, der es festlich bringt.

Den Menschen will ich wohl, allein betrübt,

Daß sie mißbrauchen, was man Gutes giebt,

Versteck' ich Gold an schmaler Klüfte Wand,

Als Staub zerstreu' ich's breit in Fluß nnd Sand;

Und wenn sie's dann mit Müh' und Fleiß erhäscht,

Wird es sogleich vergeudet und vernascht,

Mit vollen Händen wird es ausgestreut,

Und niemand häuft den Schatz für kllnft'ge Zeit.

Doch heute bringt ein kühn gewandter Mann,

Der gegen mich so manche List ersann,

Als Gabe dar, was, selbst an diesem Tag,Schneeweiß gekörnt, dem Fürsten gnügen mag.

So thut sie denn dem Bürger auch genug,

Dem Reisenden, dem Landmann hinter'm Pflug;Und wenn sie euch das Schönste hoffen läßt,

So feiert froh das allgemeine Fest!

Geognosie.

Hast du auch edle Schätze tief versteckt,

Dem Menschengeist sind sie bereits entdeckt.

Ist doch Natur in ihrem weiten ReichSich stets gemäß und folgerecht und gleich;

Und wer des Knäuels zartes Ende hält,

Der schlingt sich wohl durch's Labyrinth der Welt.So schreit' ich fort durch Feld und Bergeshöhn,

Ich zaudre nicht — aus einmal bleib' ich stehn:

Tief unten fühl' ich das ersehnte Gute,

Erfahrung bleibt die beste Wüiffchelruthe.

Bedeckt der Kalkstein hier die Region,

So ahn' ich unten Thon und Gyps und Thon,Sodann auch Sandstein; laßt ihn mächtig ruhn!Wir gehen durch, wir wissen, was wir thun.

Nur immer tiefer! unten strömt es hell,

Als unser Schönheits-, unser Jugendquell;

Es strömt Gewürz, das lieblicher erquickt,

Als was uns Banda's Inselgruppe schickt.Schmackhaft durchdringt es unser täglich Brod,

Es thut dem Menschen, thut dem Thiere Noth:Gesundes Volk erkranket im Entbehren;

Welch ein Verdienst, es reichlich zu gewähren!

Bezeichnet nun den weitgevierten Schacht,

Und wagt euch kühn zum Abgrund tiefster Nacht:Vertraut mir, daß ich Schatz zu Schätzen häufe!Nun frisch an's Werk und muthig in die Teufe!

Technik.

Nur nicht so rasch und unbedacht gethan! —

Mit Hack' und Spaten kommt ihr kühnlich au;

Wie könnt ihr euch so wunderlich behaben,

Als wolltet ihr des Nachbarn Weinberg graben?Doch wenn dein Blick in solche Tiefen drang,

So nutze schnell, was unsrer Kunst gelang!

Nicht meinem Witz ward solche Gunst Lescheert,Zwei Götterschwestern haben mich belehrt:

Physik voran, die jedes ElementVerbinden lehrt, wie sie es erst getrennt;

Das Unwägbare hat für sie Gewicht,

Und aus dem Wasser lockt sie Flammenlicht,

Läßt Unbegreifliches dann sichtbar seyn,

Durch Zauberei im Sondern, im Verein.

Doch erst zur That erregt den tiefsten SinnGeometrie, die Allbeherrscherin:

Sie schaut das All durch Ein Gesetz belebt,

Sie mißt den Raum, und was im Raume schwebt;