462
Alles an Personen und zu festliche» Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.
Ich weiß doch, Du verzeihst es mir:
Die Lieder, die ich Dir gegeben, die gehörenAls wahres Eigenthum dem schönen Ort und Dir.
Wenn mich mein böses Mädchen Plagte,
Wenn der Verdruß mich aus den Mauern jagte,
War ich verwegen g'nug und wagteDich aufzusuchen, eh' es tagte,
Auf Deinen Feldern, die Du liebst,
Die Du mir oft so schön beschriebst.
Da ging ich nun in Deinem Paradiese,
In jedem Holz, auf jeder Wiese,
Am Fluß, am Bach, das hoffende Gesicht
Vom Morgenstrahlgeschmückt, und sucht' und — fand Dich nicht.
Dann schlug ich, angereizt von launischem Verdrusse,
Den armen Frosch am sonnbestrahlten Flusse,
Dann jagt' ich rings umher und fingBald einen Reim, bald einen Schmetterling.
Und mancher Reim und mancher SchmetterlingEntging
Der ausgestreckten Hand, die mittenIn ihrem Haschen stille stand,
Wenn aus dem Wald von Stimmen oder TrittenDen Schall mein lauschend Ohr empfand.
Am Tage sang ich diese Lieder,
Am Abend ging ich wieder heim,
Nahm meine Feder, schrieb sie nieder,
Den guten und den schlechten Reim.
Oft kehrt' ich noch mit immer schlechterm GlückeAuf die fatale Flur zurücke,
Bis mir zuletzt das günstige GeschickeNoch einen Tag, den ich nicht hoffte, gab.
Doch ich genoß sie kaum, die süßen letzten Stunden,
Sie waren gar zu nah am Grab.
Ich sage nicht, was ich empfunden;
Denn mein prosaisches Gedicht
Stimmt diesesmal sehr zur Empfindung nicht.
Du hast die Lieder nun und, zur BelohnungFür alles, was ich für Dich litt,
Besuchst Du Deine sel'ge Wohnung,
So nimm sie mit,
Und sing' sie manchmal an den OrtenMit Lust, wo ich aus Schmerz sie sang;
Dann denk' an mich und sage: DortenAm Flusse wartete er lang,
Der Arme, der so oft mit ungewogncm GlückeDie schönen Felder fühllos sah!
Kam' er in diesem Augenblicke —
Eh' nun, jetzt wär' ich da.
Jetzt, dacht' ich nun, wär's hohe Zeit zum Schließet!;
Denn wenn man so zwei Bogen Reime schreibt,
Da wollen sie zuletzt nicht fließen.
Doch warte nur, wenn mich die Laune treibt,
Und Deine Gunst mir sonst versichert bleibt,
So schreib' ich Dir noch manchen Brief wie diesen.
Willst Du mir die Geschwister grüßen,
So schließe Richtern auch mit ein.
Leb' wohl! Und wird das Glück Dein Freund beständig seyn,Wie ich, so wirst Du stets des schönsten Glücks genießen.
F»s einen Saum
in dem Wäldchen bei Sesenhcim.
Dem Himmel wachs' entgegenDer Baum, der Erde Stolz!
Ihr Wetter, Stürm' und Regen,Verschont das heil'ge Holz!
Und soll ein Name verderben,
So nehmt die obern in Acht!
Es mag der Dichter sterben,
Der diesen Reim gemacht.
Friederike.
Jetzt fühlt der Engel, was ich fühle,Ihr Herz gewann ich mir beim Spiele,lind sie ist nun von Herzen mein.
Du gabst mir, Schicksal, diese Freude,Nun laß mich morgen seyn wie heute,Und lehr' mich, ihrer würdig seyn!
Räch Sesenhcim.
Ich komme bald, ihr goldnen Kinder!Vergebens sperret uns der WinterIn unsre warmen Stuben ein.
Wir wollen uns znm Feuer setzen^Und tausendfältig uns ergötzen,
Uns lieben wie die Engelein.
Wir wollen kleine Kränzchen winden,Wir wollen kleine Sträußchen binden,Wir wollen kleine Kinder seyn.
Ueber Tisch.
Nun sitzt der Ritter an dein Ort,
Den ihr ihm nanntet, lieben Kinder.Sein Pferd ging ziemlich langsam fort,Und seine Seele nicht geschwinder.