464
Alles an Personen and zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.
Götter an Goethe.
Ich schon bis an den neunten TagAm Röthlein krank darnieder lag,
Wobei von Weiblein jung und zart,
Wie Weißlingen gewartet ward —
Als mir dein Götz zu Händen kam;
Den alsobald ein Mägdlein nahm,
Und mir's, weil selbst nicht lesen sollt',
Mit süßer Stimm' vorlesen wollt'.
Als aber kaum das Werk begann,
Sie wider einen Sch—kerl rann,
Und wurde flugs wie Scharlach roth;
Drob ich mich lachen thät halbtodt.
Sie ließ sich drum nicht schrecken ab,
Marien ein gutes Zeugniß gab,
Auch Götzens Hausfrau liebgewann,
Die ihrem rauhen PanzermannStets unbedingt Gehorsam weist,
Was man an Luther's Käth' nicht Preist.
Die Adelheid nicht konnt' ausstehn,
Doch Georgen gern hätt' leben sehn;
Auch Weisungen ein besser End'
Aus Christenliebe hätt' gegönnt.
Den Götzen nicht genug verstand,
Ihn etwas Donquixotisch fand;
Dafür soll sie verurtheilt seyn,
Des Herrn Jacobi's LiedeleinUnd Köbler's frommes JudenkindStracks herzubeten für ihre Sünd'.
Ob aber nun gleich gesonnen wär',
Den Götz zu spielen zu Deiner Ehr',
Auch einen Bub, der rüstig ist,
Von Schweizerblnt, für Götzen wüßt',
So thut mir's doch im Kopf 'rumgehn,
Wie ich die Thäler und die Höhn,
Die Wälder, Wiesen und Moräst,
Die Warten und die Schlösser fest,
Und Bamberg's Bischofs Zimmer fein,
Und des Thurmwärters Gärtlein klein —Soll nehmen her und so stafsiren,
Das Hocnspocus all' changiern.
Auch mochte wohl wem grau'n, daß nichtDer Reiter seine Noth verricht',
Und Götz, dem Feind zur Schur und Graus,Streck' seinen — zum Fenster 'naus.
Das Weibsvolk hier ganz störrisch ist,
Weil's Tag und Nacht Französisch liest;
Das Mannsvolk, in Paris gewest,
Nur das Theatrum hält sür's best',
Wo alles züchtiglich geschiehtUnd alles in Sentenzen spricht.
Drum laß Dir nur die Lust vergehn,
Bei ihnen in der Gnad' zu stehn.
Nimm dann mit meinem Dank vorlieb.
Was Dich den Götz zu schreiben trieb,
Das zwickt' auch mich so lange, bisIch mich vom Bösen blenden ließ.
Da hast Du die Epistel mein;
Sollt's was für Deine Mädel seyn,
So freute doppelt mich der Spaß.
Ich liebe Dich ohn' Unterlaß.
Du nächstens im MercuriusWirst finden was von meiner Mus',
Und freut' mich recht von Herzens Grund,Wenn Dir der Dreck gefallen kunnt'.Schick' mir dafür den Doctor Faust,Sobald dein Kopf ihn ausgebranst.
An Schlosser,
als dieser in Lateinischen Versen dem Dichter für ein Gemäldegedankt hatte.
1776 .
Du, dem die Musen von den ActenstöckenDie Rosenhände willig strecken,
Der zweener Herren Diener ist,
Die ärger Feinde sind als Mammonas und Christ,
Den Weg zum Richter selbst mit Blumen Dir bestreust,Dem Winter Lieblichkeit und Dichterfreude leihst,
Kein Wunder, daß auch Deine GunstZu meinem Vortheil dießmal schwärmet,
Das flache Denkmal unsrer KunstMit freundlicher Empfindung wärmet.
Laß es an Deiner Seite stehn!
Schenk' ihm, auch unverdient, die Ehre!
Und mögest Du an dem Versuche sehn,
Was ich gern Dir und Deinen Musen wäre!
Käth sei.
Viel Männer sind hoch zu verehren,
' Wohlthätige durch Werk und Lehren:Doch wer uns zu erstatten wagt,
Was die Natur uns ganz versagt,
Den darf ich wohl den größten nennen.Ich denke doch, ihr müßt ihn kennen?
Den Drilliilgsfremiden von Cöln,
mit einem Bildnisse.
Der AbgebildeteVergleicht sich billigHeil'gem Dreikönige,
Dieweil er willigDem Stern, der ostenherWahrhaft erschienen,
Auf allen Wegen warBereit z» dienen.