Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen und ;u festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Der liebenden Vergeßlichen,

zum Gebuitittige.

Dem schönen Tag sey es geschrieben!Oft glänze Dir sein heitres Licht!

Und hörest Du nicht auf zu lieben,Doch bitten wir: Vergiß uns nicht!

Mit Wahrheit und Dichtung.

Ein alter Freund erscheint maskirt,

Und das, was er im Schilde führt,Gesteht er wohl nicht allen;

Doch Du entdeckst sogleich den ReimUnd sprichst ihn aus ganz insgeheim:Er wünscht Dir zu.

An den Prinzen von Eigne.

In früher Zeit, noch froh und frei,

Spielt' ich und sang zu meinen Spielen;Dann fing's im Herzen an zu wühlen,

Ich fragte nicht, ob ich ein Dichter sey:

Doch daß ich liebte, konnt' ich fühlen.

So bleibt es noch. Ich weiß nicht vielVon eignen dichterischen Thaten.

Man sagt, mir sey als Ernst und SpielNicht übel dieß und jen's gerathen.

Gern hör' ich Gutes von der Kunst,

Der ich mein Leben treu geblieben;

Doch mich in meinen Freunden lieben,

Dieß, edler Mann, dieß ist die schönste Gunst.

An Schiller.

Mit einer kleinen mineralogischen Sammlung.

Dem Herren in der Wüste bracht'

Der Satan einen Stein,

Und sagte: Herr, durch deine MachtLaß es ein Brödchen seyn!

Von vielen Steinen sendet DirDer Freund ein Musterstück;

Ideen giebst Du bald dafürIhm tausendfach zurück.

An Madame Wolff.

Zum 1ü. December 18t2.

Erlaubt sey Dir, in mancherlei Gestalten,Das junge Volk und die ehrwnrd'gen AltenZum Besten, wie es Dir beliebt, zu halten:

Und Phädra, wüthend, leidenschaftlich groß;Elisabeth, so lieb- als schonungslos;

Messina's Fürstin, fest, wenn das Geschick bricht;Jungfrau, gestählt, nur gegen Liebesblick nicht;Clärchen zuletzt, die jeden so verführt,

Daß er den Kopf wie Belgien's Held verliert.

Der Wechsel bilde Dein beglücktes Reich,

Bleibst du nur uns, den Freunden, immer gleich.

An Zürnen.

Wenn die Zweige Wurzeln schlagen,Wachsen, grünen, Früchte tragen,Möchtest Du dem AngedenkenDeines Freunds ein Lächeln schenken !

Derselben.

Und wenn sie zuletzt erfrieren,

Weil man sie nicht Wohl verschanzet,Will sich's alsobald gebühren,

Daß man hoffend neue pflanzet.

Derselben,

zum einuudzwanzigst e» Juni.

Curlsbad 1808.

Nicht am Susqnehanna, der durch Wüsten stießt,

Wo zum ird'schen Manna geist'ges man genießt;

Nicht vom Gnadenthale, nicht nach Herrenhut,

Wo beim Liebesmahle Thee man trinkt für Blut:

Nein! am Tepelstrande, von der großen Bruck,

Wo die Mohrenbande schaut Sanct Nepomuck,

Zu dem weißen Hirschen, der beständig rennt,

Ohne daß ein Pirschen seine Straße hemmt,

Eile dieses Blättchen, munter und geschwind,

Wo im kurzen Bettchen ruht das längste Kind.

Nennet mir bei Zeiten gleich den schönsten Tag,

So daß niemand streiten, niemand zweifeln mag.

„Meinst Du den, wo's Krippchen frömmlich bunt geschmückt,„Den, wo sich am Püppchen Püppchen hoch entzückt?

„Den vielleicht vor Fasten, wo's am tollsten geht,

„Wo man ohne Rasten sich mit Liebchen dreht?

„Ist es Ostern? Pfingsten? Oorxns vornioi?

„Freundchen! du besingst'en; frisch zur Melodie!"

Keiner ist der meine, der sich rücken läßt;

Einer ist's, der Eine, dieser steht so fest.

Läßt er nach sich blicken, wünscht man ihn heran;

Hat man ihn im Rücken, gleich fängt's Trauern an.

Bruder nicht noch Schwester hat er für und für,

Und man glaubt, Sylvester steh' schon vor der Thür.