Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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An Personen.

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Drum mit Wohlbedachte grüßt ihn ehrenvoll, '

Weil er, was er brachte, wohl uns lassen soll.

Wird er gleich entweichen, wie nun Tage sind,

Läßt er seines Gleichen uns, das längste Kind.

Froh am schönen Feste soll's in Tarlsbad seyn!

Ein paar hundert Gäste stellten schon sich ein.

Gleich soll jeder haben, was ihm convenirt;

Früh mit Wassergaben jeder wird tractirt,

Freuet sich nicht minder als beim größten Schmaus;Denn er geht gesünder, als er kam, nach Haus.

Liebliches Gedudel tönte gestern Nacht;

Lust'ger ist der Sprudel heut schon ausgemacht.

Frischlich angefeuchtet steht der Fels umlaubt;

Kreuzes Panner leuchtet um das kahle Haupt.

Herzlich grüßt der Biedre dieses Tages Stern,

Hoch wird alles Niedre, Hohes neigt sich gern.

Der verschloßne Stolze grüßet heiter, mild;

Thät'ger wird Gras Bolze, Herr vom goldnen Schild.

Doch sie kömmt geschritten! Schaut nur, wie sie steigt,Wo sich auf Graniten manche Blume zeigt.

In den bunten Höhen eil' ihr nachzugehn,

Wo die Orchideen und Dianthen stehn,

Und Ornithogalen weiß und schlank wie sie.

Ihr zu Liebe strahlen Lenz und Sommer hie.

Doch die Wetterkenuer, zweifelnd stehn sie dort,Wohlbedächt'ge Männer! Und Du schreitest fort,

Pflückest junge Rosen, lächelst leichtem Stich;

Wie im Lande Gosen sonnt es rings um Dich.

Reich an Strauß- und Kränzen, trotz dem Wolkengraus,Bringst die Excellenzen ungenetzt nach Haus.

Folge so Dir immer, wie sich's wölken mag,

Heitrer Sonnenschimmer, Dir zum eignen Tag!

Trotz dem Wetterbübchen geh's Dir jungem Blut,Tochter, Freundin, Liebchen, wie Du's werth bist, gut!

In das Stammbuch

der Gräfin Tina Stähl.

Carlsbad, deu 24. Juli 178ö.

Warum siehst du Tina verdammt, den Sprudel zu trinken?Wohl hat sie es verdient an allen, die sie beschädigt,

Und zu heilen vergessen, die an der Quelle des LetheBecher auf Becher nun schlürfen, die gichtischen Schmerzen der LiebeAus den Gliedern zu spülen, und, will es ja nicht gelingen,Bis zum Rheumatismus der Freundschaft sich zu curiren.

Än Gräfin Constanze von Misch.

Weimar, den 30. November 1813.

Die Freundin war hinausgegangen,

Um in der Welt sich umzuthun,

Doch wird sie bald nach Haus gelangen,Und auf gewohnte Weise ruhn.

Und neigt sich dann das artige Köpfchen,Umwunden reich von Zopf und Zäpfchen,Nach einem kissenweichen Sitzchen,

So bietet freundlich Ihr das Mützchen.

Än dieselbe.

Bei Uebersendung eines Pensöeb o u quetsWeimar, den 27. Februar 1814.

Die deutsche Sprache wird nun rein,Pens6e darf künftig nicht mehr gelten;

Doch wenn man sagt: Gedenke mein!So hoff' ich, soll uns niemand schelten.

Än dieselbe.

Bei ihrer Reise nach Petersburg.Weimar, den 12. November 181S

Blumenkelche, BlumenglockenFolgen Deinem Reiselauf;

Unter SchneegestöberflockenSuchst Du mir was Liebes auf.

Derselben.

Den 6. December 18IK.

Dein Ostgeschenk weiß ich zu schätzen,Von Westen sey Dir dieß gebracht.

An Dank hab' ich schon viel gedacht,Doch will sich's nicht in's Gleiche setzen.

Mystische Erwiederung.

Aus düstern Klosterhallen schallenVerhaltne Seufzer und verhallenAn unsres Herzens Bebewand;

Dann soll auch unter Purpurthronen,Safrangehängen Prächtig wohnen,Dem Du ein Auge zugewandt.

Allda empfangen uns begeistetGeschmacksgerüche; wer erdreistetDes Doppelpaares hohen Preis?

Doch Kutt' und Purpur sind ergötzlich,Gerüche, Schmücke überschätzlichDem, der sich Deine Gnade weiß.