Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
JPEG-Download
 

An Personen.

Und daß ich mich daran begnügen könnte,

War mir sogar ein Kunstbesitz bereitet,

Erquickend mich durch Anmuth wie durch Stärke.

Doch nichts erschien im größeren Momente,

Voll innern Werths, von so viel Glück begleitet,Als durch Louisen, Bondi, Deine Werke.

Gräfin O'Donell

als Eleonore.'"

Teptitz, 1812.

Wenn's jemand ziemt, zu sprechen mit Vertrauen,So ziemt es mir: ich stelle heut den ChorGebildeter und liebevoller Frauen,

Der sich so gern um Sie versammelt, vor.

Mir ist vergönnt, an Ihr hinaufzuschauen,

Mich zu erquicken an dem frischen Flor,

Der jede Stunde neuen Werth bethätigtUnd Frauenwürde ewiglich bestätigt.

Än Gräfin O'Donell."

Carlsbad. den 6 August 1818.

Ich dachte Dein, und Farben bunt erschienenIm Sonnenglanz mir vor'm Gesicht,

Von Blättern sah ich mancherlei ergrünen,

Da waren Rosen, auch Vergißmeinnicht!

Pfeile dazwischen, golden anzuschauen,

Durchscheinend alles, rings ein goldner Kranz;

Und angestimmt das hohe Lob der Frauen!

Nun, Becher, zu der Freundin! Bleibe klar und ganz.

Än Gräfin O'Lonell."

Carlsbad. den I. Mat 1820.

Hier, wo noch Ihr Platz genannt wird,Hier, wo noch Ihr Becher steht,

Doch nur wenigen bekannt wird,

Was von Ihrem Grabe weht;

Sag' ich: Freundin! halte heilig,

Was dir von der Holden blieb,

Die so groß — ach übereilig! —

Von den Allertreusten schied.

Uns, den Liebenden, den Treuen,

Sey nun weiter nichts begehrt;

Nur ist, wenn wir Sie emeuen,

Unser Leben etwas werth.

Herrn Staatsminifier von Voigt

zu dessen Jubiläumam 27. September 1816.

Von Bergeslust, dem Aether gleich zu achten,Umweht, auf Gipfelfels hochwaldiger Schlünde,Im engsten Stollen, wie in tiefsten SchachtenEin Licht zu suchen, das den Geist entzünde,

War ein gemeinsam köstliches Betrachten,

Ob nicht Natur zuletzt sich doch ergründe?

Und manches Jahr des stillsten ErdelebensWard so zum Zeugen edelsten Bestrebens.

Im Garten auch, wo Dichterblumen sprossen,Den äußern Sinn, den innern Sinn erquicken,Gefahrlos nicht vor luftigen Geschossen,

Wie sie Eroten hin und wieder schicken,

Da haben wir der Stunden viel genossenAn frisch belebter Vorwelt heitern Blicken,Gesellend uns den ewig theuren Geistern,

Den stets beredten, unerreichten Meistern.

Dahin bewegten wir, von dornigen PfadenBerworrnen Lebens, gern die müden Schritte,Dort fanden sich, zu gleicher Lust geladen,

Der Männer Tiefsinn, Frauengeist und Sitte,Und Wissenschaft und Kunst und alle GnadenDes Musengottes, reich, in unsrer Mitte;

Bis endlich, längst umwölkt, der Himmel wettertDas Paradies und seinen Hain zerschmettert.

Nun aber Friede tröstend wiederkehret,

Kehrt unser Sinn sich treulich nach dem Alten,Zu bauen auf, was Kampf und Zug zerstöret,Zu sichern, wie's ein guter Geist erhalten.Verwirrend ist's, wenn man die Menge höret:Denn jeder will nach eignem Willen schalten;Beharren wir zusammt in gleichem Sinne!

Das rechn' ich uns zum köstlichsten Gewinne.

Dem Fürsten Hardenberg.

Zum siebzigsten Geburtstag "

Wer die Körner wollte zählen,

Die dem Stundenglas entrinnen,Würde Zeit und Ziel verfehlen,Solchem Strome nachzusinnen.

Auch vergehn uns die Gedanken,Wenn wir in Dein Leben schauen,Freien Geist in Erdeschranken,Festes Handeln und Vertrauen.