Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Du zählst mit Heiterkeit uns zu den Deinen,Verzeihest mild das Lunte Maskenspiel.

O sey beglückt! so wie Du uns entzückest,Im Kreise, den Du schaffest und beglückest.

Maskenzug.

Zum 3l>. Januar 1806.

Herzlich und freudevollBringe der Treue Zoll,Singendes Chor!

Rasch wie der HändeklangTöne des Liedes Drang,Steige der FestgesangZu Dir empor!

Zum 30. Januar 1802.

Wenn, von der Nuhmverkünderin begleitet,Heroischer Gesang den Geist entzündet,

Auf Thatenseldern hin und wieder schreitet,

Mit Lorbeer sich das eigne Haupt umwindet,

Ein Denkmal über Wolken sich bereitet,

Auf Schwindendes die schönste Dauer gründet,

Von Göttern und von Menschen unbezwungen:

So scheint's, er hab' ein höchstes Ziel errungen.

Doch hat uns erst der Muse Blick getroffen,

Die dem Gefährlichsten sich zugesellt,

Dann stehet uns ein andrer Himmel offen,

Dann leuchtet uns die neue schön're Welt.

Hier lernet man verlangen, lernet hoffen,

Wo uns das Glück am zarten Faden hält,

Und wo man mehr und immer mehr genießet,

Je enger sich der Kreis im Kreise schließet.

Bald fühlst Du Dich von jener eingeladen,

Der Holden, die mit Unschuld sich verband,Und Fels und Baum, auf allen Deinen Pfaden,Erscheint belebt durch ihre Götterhand;

Dich grüßen kindlich des Gebirgs Najaden,

Des Meeres Nymphen grüßen Dich am Strand.Wer einsam durch ein stilles Tempe schreitet,

Der fühlt sich recht umgeben und begleitet.

Mitten in unsre ReihnStürmet der Krieg herein,Umstellt uns hier;

Doch der nur Wildes denkt,Schreckend sich vorwärts drängt,Selten die Fahne senkt,

Er neigt sich Dir.

Hören beim FriedensfestAuch sich Trommete läßt,

Schon ist es nah.

Herr Gott, dich loben wir!

Herr Gott, wir danken dir!Segnest uns für und für!

So klingt es da.

Wunden schon heilen sich,

Wolken schon theilen sich,

Dein Tag erscheint.

Ehrfurcht uns all durchdringt,Abschied der Krieger bringt,

Heil Dir der Bürger singt,

Alle vereint.

Die romantische Poesie.

Doch sollen wir nicht allzuweichlich fühlen,

Da trifft uns denn gar oft ein leichter Schlag:

Wir fahren auf! Wer wagt's mit uns zu spielen?Bald heimlich neckend, bald am offnen Tag!

Jst's Momus, der in städtischen Gewühlen,

Ein Satyr, der im Feld sich üben mag?

Was uns geschmerzt, sind allgemeine Possen;

Wir lachen bald, wo es uns erst verdrossen.

Sie kommen an, vom wilden Schwärm umgeben,Den Phantasie in ihrem Reiche hegt.

Die Woge schwillt, die im verworrnen StrebenSich ungewiß nach allen Seiten trägt.

Doch allen wird ein einzig Ziel gegeben,

Und jeder fühlt und neigt sich, froh bewegt,

Der Sonne, die das bunte Fest verguldet,

Die alles schaut und kennt, belebt und duldet.

Stanzen

zu Erklärung eines Maskenzugs,aufgeführt den 30. Januar 181Ü.

Der Geburtstag der regierenden Herzogin von Weimar. der jedesmalals ein ausgezeichnetes Jahrcsfest begangen wird, rief in diesem Jahre,bei den glücklichsten Familienereigniffen in der Gegenwart hoher ver-ehrter Gäste. zu besonders lebhaften Feierlichkeiten auf. Für die dem-selben gewidmete Maskenlust schien es ein angemessener Schmuck, dieverschiedenen Dichtungen, denen unsere Vorfahren und auch dieAhnherr» jenes hohen Fürstenhauses eine vorzügliche Neigung schenk-ten. in bedeutenden mannichfaltigen Gestalten darzustellen. EinHerold zeigte sich daher, anführend einen Minnesinger und Helden-dichter. welche, vor die hohen Herrschaften zu beiden Seiten gestellt,durch nachfolgende Strophen die vorüberziehenden, theils allegorischen,theils individuellen Gestalten der modernen Poesie ankündigten underklärten.

Minnesinger.

Von Wartburg's Höh'n, wo vor so manchen SonnenUns Eure Väter freundlich angehört,

Wohin, noch froh gedenk der alten Wonnen,

Der ewig rege Bardengeist sich kehrt,