Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Maskenzüge.

501

Weil jede Krone, die er dort gewonnen,

Des Gebers Ruhm durch alle Zeiten mehrt —

Das Gute, das geschehend uns ergötzet,

Wird rühmlich, wenn die Zeit es trägt und schätzet —

Hcldendichtcr.

Da sangen wir au jedem Feiertage,

Der eurem Stamm die frische Knospe gab;

Den spatentrißnen Ahnherrn trug die KlageMelodisch groß zum sieggeschmückten Grab;

Dann kündeten wir jede Wundersage,

Das Heldenschwcrt so wie den Zauberstab;

Und jauchzend folgten wir dem jungen Paare,

Dem frohen, schönbekränzten, zum Altare.

Herold.

Nun tritt ein Herold auf zur guten Stunde,

Der treu vor Euch den goldnen Scepter bückt.

Er bringt von jener Zeit gewisse Kunde,

Daß Fürsten selbst mit Liedern sich geschmückt,

Und führet vor Euch her froh in die RundeDer Bilder Schaar, wie sie uns dort entzückt,

Und zweierlei vermag er anzumelden:

Der Liebe Scherz, darauf den Ernst des Helden.

Frühling.

Der Lenz tritt auf. Vom süßen LiebesmundeErtönt durchaus ein holder Zauberschall.

Nun wird der Welt erst recht die frohe Stunde!

So singt und sagt das Lied der Nachtigall.

Ein Seufzer steigt aus regem Herzensgründe,

Und Wonn' und Sehnsucht walten überall.

Und wer nicht liebt, wird sich des schönen Maien,

So gut er kann, doch leider halb nur freuen.

Zommcr.

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,

Und von den Auen dränget uns die Gluth;

Doch dort am Wasserfall, am FelsensitzeErquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.

Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,

Die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,

Dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;Doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.

Minnepaar.

Im goldnen Glanz, im bunten FarbenscheineDer neuen Welt genießen sie den Tag.

Er sagt's ihr klar, wie er es freundlich meine;

Sie sagt's ihm so, daß er es deuten mag.

Er wagt es nun und nennet sie die Seine,

Er wiederholt's mit jeden: Herzensschlag,

Und so beglückt, bald offen bald verstohlen,

Des süßen Wortes ew'ges Wiederholen.

Tanzende.

Ein leichter Sinn erhebt sie von der Erden;

Das muntre Paar, es mag nicht stille stehn;

! An Worte Statt sind liebliche Geberden,

! Die zwar im Tact, jedoch von Herzen gehn,

^ Und Schling' auf Schlinge Kettenzüge werden.

Wie lustig ist's, sich um sich selbst zu drehn!

Mit leichtem Anstand wechseln sie die Glieder;

Doch kehrt zum Auge bald das Auge wieder.

3 agdln st.i g e.

Mit ernstem Gang, zu ernsteren Geschäften,

Zieht nach dem Wald ein frisches Jägerpaar,

Getrost in sich, schlank gleich den edlen Schäften,

Die sich zur Lust ein hoher Wald gebar.

Sie lächeln stolz, vertrauend ihren Kräften;

So trotzen sie der Mühe, der Gefahr,

Und denken nicht der Macht, die uns gebietet,

Wovor Diana selbst nicht schützt, noch hütet.

Herbst.

Den Fleiß belohnend aber tritt Pomone! Mit reicher Gaben Fülle zu uns an.

! Mit Freuden sehen wir den Kranz, die Krone,

Und viel genießt, wer Heuer viel gethan,j Der Vater schafft, er freut sich mit dem Sohne,

Aufs neue Jahr geht schon der neue Plan;l Im Kreis der Gäste waltet frohes Leben:

! Der Edle hat, und will auch andern geben.

!

! Zpiclcndc.

! Besitz ist gut, der jedem Wohl behaget;

. Doch wer ihn hat, wär' ihn gern wieder los.

Und wenn er wagend nun das Glück befraget,

Fällt ihm vielleicht sogar ein doppelt Loos;

Selbst wenn Verlust ihn hin und wieder Plaget,

Ist doch das Glück der Ungewißheit groß.

Mit Leidenschaft genießen sie des Lebens;

Und Amor selbst belauscht sie nur vergebens.

Winter.

Wir dürfen kaum hier noch den Winter nennen:Denn ist wohl Winter, wo die Sonne scheint,

Die Augen glühn, die Herzen alle brennen,

Und jeder spricht und handelt, wie er's meint?

Von allen Jahreszeiten, die wir kennen,

Ist sie's, die Eine, die uns so vereint:

Sie gab uns Dich, belebt nun diese Feste,

Und so erscheint sie uns die allerbeste.

Norden.

Doch wendet nun von diesem BlumengrünenZu nord'schen Himmelsfeuern das Gesicht —

Woher auch uns mit Jugendglanz erschienenDie Majestät in sterndnrchwebtem Licht —

Znm alten Volk unüberwundner Hünen,

Das wandernd sich durch alle Länder ficht.

Mit welcher Kraft die Riesenfäuste schlagen,

Seht ihr am Schwert, vom Zwergenpaar getragen.

örunchild.

Dem Pol entsprießt die herrlichste der Frauen,

Ein Riesenkind, ein kräftig Wunderbild.