726
Biographische Einzelnheiten,
P. Guardian. ;
Doch will jemand in's Refectorium kommen, i
So ist er mir und dem Kloster willkommen. W. !
Auf die einladenden Verbeugungen des Pater Guardian ^folgten die Herrschaften mit dem Hofe in das kleine Zimmer,wo, um eine Tafel, auf einem reinlichen, aber groben Tisch-tuche , um eine Bierkaltschale, eine Anzahl irdener tiefer Tellerund Blechlöffel zu sehen waren, so daß man, bei der Enge desRaumes und den kümmerlichen Anstalten, nicht wußte, wases heißen solle, auch die Frau Oberhofmeisterin, Gräfin Gia- !nini, sonst eine heitere humoristische Dame, ihr Mißbehagen ^nicht ganz verbergen konnte. .
Hieraus sprach
P. Guardian.
Herr Decorator, der Platz ist sehr enge, !
Und unsre Clausur ist eben nicht strenge: !
Ich dächte, wir sühnen die Damen in's Grüne. !
p. Leeorator.
Ja, wenn die Sonne so warm nur nicht schiene!p. Guardian.
Es wird ja wohl Schatten zu finden seyn.
p. Lüchcnnicther.
Ich meines Orts esse viel lieber im Frei'»!
p. Guardian szum P Decorator).
Es fehlt ihm ja sonst nicht an guten Ideen.
p. Leeorator.
Nun, wenn Sie's befehlen, so wollen wir sehen. (Geht ab.) >p. Guardian. ^
Es ist ein gar vortrefflicher Mann.
p. Liichcnineijicr.
Ich zweifle, daß er uns dießmal helfen kann; i
Die Plätze sind alle mit Wasser verschlemmt
Und noch nicht peignirt.
P. Grator.
Sag' Er doch gekämmt!
Daß Er doch sein Frankreich, wo die Küch' Er studirt, !
Noch immer und ewig im Munde führt! ^
p. Decorator <kor»mt wieder).
Ew. Hochwürden, der Platz ist erseh'n; h
Wenn's Ihnen gefällig ist, wollen wir gehn. (Alle ab.) ^
In diesem Augenblicke eröffnete sich die Hintere Thüre, undes erschien eine gegen den engen Vordergrund abstechende Prächtig-heitere Scene. Bei einer vollständigen symphonischen Musik sah 'man, hoch überwölbt und beschattet von den Aesten des Eschen-rundes, eine lange, wohlgeschmückte fürstliche Tafel, welcheohne weiteres schicklich nach herkömmlicher Weise besetzt wurde, ^da sich denn die eingeladenen übrigen Gäste mit Freuden undglückwünschend eiufanden.
Den Mönchen ward die schuldigst angebotene Aufwartungverwehrt, und ihnen die sonst gewohnten Plätze bei Tafel an- ^gewiesen. Der Tag erzeigte sich vollkommen günstig, die rings .umgebende Grüne voll und reich. Ein über Felsen herabstürzen- ider Wasserfall, welcher durch einen kräftigen Zubringer unab- ^lässig unterhalten wurde, und malerisch genug angelegt war, iertheilte dem Ganzen ein frisches romantisches Wesen, welches .besonders dadurch erhöht wurde, daß man eine Scene der Art, 'in solcher Nähe, an so wüster Stelle keineswegs hatte vermuthen
können. Das Ganze war künstlerisch abgeschlossen, alles Ge-meine durchaus beseitigt; man fühlte sich so nah und fern vornHause, daß es fast einem Mährchen glich. Genug, der Zustandthat eine durchaus glückliche Wirkung, welche folgereich ward.Man liebte an den Ort wiederzukehren; der junge Fürst mochtesogar daselbst übernachten, für dessen Bequemlichkeit man diescheinbare Ruine und dvs simulirte Glockenthürmchen einrichtete.Ferner und schließlich aber verdient dieser Lcbenspnnkt unserefortdauernde Aufmerksamkeit, indem die sämmtlichen Wege andem Abhänge nach Oberweimar zu von hieraus ihren Fortganggewannen; wobei man die Epoche der übrigen Parkanlagen aufder obern Fläche bis zur Bclvedereschen Chaussee von diesemglücklich bestandenen Feste an zu rechnen billig befugt ist.
Besuch von Iffland,
auf meiner Reise über Mannheim nach der Schweiz, im Jabre 1779.
Ich hatte lebhaft gewünscht, Jfsland zu sehen, und erhatte die Freundlichkeit, mich zu besuchen; seine Gegenwart setztemich in ein angenehmes Erstaunen. Er war etwas über zwanzigJahre alt, von mittlerer Größe, wohl proportionirtem Körper-bau, behaglich, ohne weich zu sein; so war auch sein Gesichtrund und voll, heiter ohne gerade zuvorkommender Miene.Dabei ein paar Augen, ganz einzige! Ich konnte ihm meineVerwunderung nicht verbergen, daß er, mit solchen äußernVorzügen, sich als ein Alter zu maskiren beliebte, und Jahresich anlöge, die noch weit genug von ihm entfernt seyen. Ersolle der Vorzüge seiner Jugend genießen; im Fache jungerLiebhaber, junger Helden müsse er lange Zeit das Publicumentzücken, und verdienten, unablässigen Beifall sich zueignen.Ob er gleich nicht meiner Meinung schien, und sie als allzugünstig von sich ablehnte, so konnten ihm meine Zudringlich-keiten doch nur schmeichelhaft seyn; darauf im sinnigen Hin-und Wiederreden überfein Talent, seine Denkweise, seine Vor-sätze, verschlang sich das Gespräch bis zum Ende, da wir dennbeide, wohlzufrieden mit einander, für dießmal Abschied nahmen.
Än Mösers Tochter, Frau von Voigts zuOsnabrück.
-König Friedrich II. von Preußen äußerte sich in seinerSchrift: vs la iiteraturs ^Hemmnis folgendermaaßcn überGoethe: Voll«, un 6c>etr äs Lerlicliinbsn, gui xaroit ü Inseene, Imitation ä^tsstadls äs css mauvaises pieees eLnß'-loioes. Der berühmte Möser zu Osnabrück vertheidigte hier-auf Goethe mit Wärme in einem Aussatze: „Schreiben überdie deutsche Sprache und Literatur," den er durch seine Tochter,Frau von Voigts, Goethen zusandte.
Des letztem Antwort war folgende:
Ihr Brief ist mir wie viele Stimmen gewesen, und hatmir gar einen angenehmen Eindruck gemacht. Denn wennman in einer stillen Geschäftigkeit fortlebt, und nur mildemNächsten und Alltäglichen zu thun hat, so verliert man dieEmpfindung des Abwesenden; man kann sich kaum überreden,daß im Fernen unser Andenken noch fortwährt, und daß gewisseTöne voriger Zeit nachklingen. Ihr Brief und die Schrift Ihres