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Benvenuto Eellinl.
Namens Friedrich Gmori, gleichfalls eine Medaille. Er warvon erhabenem Geiste, war viele Jahre in Neapel gewesen,und hatte sich daselbst, als ein Mann von schöner Gestalt undGegenwart, in eine Prinzessin verliebt. Er wollte den Atlasmit der Himmelskugel auf dem Rücken vorgestellt haben, undbat den göttlichsten Michel Agnolo, ihm eine kleine Zeichnungzu machen. Dieser sagte: Geht zu einem gewissen jungen Gold-schmied, der Benvenuto heißt, der euch gut bedienen wird, undeiner Zeichnung nicht bedarf! Damit ihr aber nicht denkt, daßich in einer solchen Kleinigkeit ungefällig seyn könne, will icheuch eine Zeichnung machen; Benvenuto mag indessen ein Mo-dell bossircn, und das Beste kann man alsdann in's Werk setzen.
Friedrich Ginori kam zu mir und sagte mir seinen Willen,zugleich auch, wie sehr Michel Agnolo mich gelobt hatte. Daich nun vernahm, daß ich ein Wachsmodell machen sollte, in-dessen der treffliche Mann zeichnete, gab mir daS einen solchenTrieb, daß ich mit der größten Sorgfalt mich an die Arbeitmachte. Da sie geendigt war, brachte mir ein genauer Freunddes Michel Agnolo, der Maler Bugiardini, die Zeichnung desAtlas, alsdann wies ich ihm und Julian mein Modell, dasganz verschieden von der Zeichnung des großen Mannes war,und beide beschlossen, daß das Werk nach meinem Modell ge-macht werden sollte. So fing ich es an, Michel Aguolo sah esund ertheilte mir und meinem Werk das größte Lob. Die Figurwar aus Goldblech getrieben, und hatte den Himmel als eineKrystallkugel auf dem Rücken, auf welche der Thierkreis einge-schnitten war. Beides hatte einen Grund von Lapis Lazuli undnahm sich äußerst reizend aus. Unten standen die Worte:Luiniuum tulisso juvst. Ginori war sehr zufrieden, bezahltemich auf's freigebigste, und machte mir die Bekanntschaft vonHerrn Ludwig Alamanni, der sich eben in Florenz aufhielt,brachte ihn oft in mein Haus und war Ursache, daß ich mirdieses trefflichen Mannes Freundschaft erwarb.
Indessen hatte der Papst Clemens der Stadt Florenz denKrieg angekündigt. Man bereitete sich zur Vertheidigung, undin jedem Quartier richtete man die Bürgermiliz ein. Ich equi-pirte mich reichlich und ging mit den größten Florentinischenvon Adel um, die sich sehr bereit und einig zur Vertheidigungder Stadt zeigten. Nun fanden sich die jungen Leute mehr alsgewöhnlich zusammen, und man sprach von nichts als von diesenAnstalten. Einmal um die Mittagsstunde stand eine MengeMenschen, worunter sich die ersten jungen Edelleute befanden,um meine Werkstatt, als ich einen Brief von Rom bekam. Esschrieb mir ihn ein Mann, der Meister Jacob von Kahn ge-nannt wurde, weil er zwischen Ponte Sisto und St. Angelodie Leute übersetzte. Dieser Meister Jacob war ein sehr geschick-ter Mann und führte die gefälligsten und geistreichsten Reden.Er war ehemals in Florenz ein Verleger beim Tuchmacher-handwerk gewesen; Papst Clemens war ihm sehr günstig undhörte ihn gerne reden. Als er sich eines Tags mit ihm unter-hielt, kamen sie auch auf die Belagerung der Engelsburg zusprechen; der Papst sagte viel Gutes von mir, und fügte hinzu,wenn er wüßte, wo ich wäre, möchte er mich wohl wiederhaben. Meister Jacob sagte, ich sey in Florenz. Der Papst trugihm aus, mich einzuladen, und nun schrieb er mir, ich solltewieder Dienste beim Papst nehmen, es würde mein Glück seyn.
Die jungen Leute wollten wissen, was der Brief enthalte;ich aber verbarg ihn, so gut ich konnte, schrieb an Meister
, Jacob und bat ihn, er möchte mir weder im Bösen noch im Gutenl schreiben, und mich mit seinen Briefen verschonen. Daraufward seine Begierde nur noch größer, und er schrieb mir einenandern Brief, der so ganz und gar das Maaß überschritt,daß es mir übel bekommen wäre, wenn ihn jemand gesehenhätte. Es ward mir darin im Namen des Papstes gesagt, daßich sogleich kommen solle. Meister Jacob meinte dabei, ich thätewohl, wenn ich alles stehen und liegen ließe und mich nicht mü! den rasenden Narren gegen den Papst auflehnte.
Der Anblick dieses Briefes erregte in mir eine solche Furckt,daß ich schnell meinen lieben Freund Landi aufzusuchen eilte.Er sah mich mit Verwunderung an und fragte, was ich hebe,da ich ihm so sehr in Bewegung schien. Ich sagte, daß ich ihmmein Anliegen nicht eröffnen könne; ich bat ihn nur die Schlüs-sel zu nehmen, die ich ihm überreichte, und daß er Edelsteineund Gold diesem und jenem, den er auf meinem Buch würdegeschrieben finden, zurückgeben sollte. Dann möchte er meineSachen zu sich nehmen, und sie nach seiner gewöhnlicher liebe-vollen Art verwahren; in wenig Tagen wollte ich ihm melden,wo ich mich befände.
Vielleicht stellte er sich selbst die Sache ungefähr vor und sagte:Lieber Bruder, eile nur jetzt, dann schreibe mir; uid wegendeiner Sachen sey völlig unbesorgt. So that ich denn auch undhatte Recht, mich ihm zu vertrauen; denn er war der treueste,weiseste, redlichste, verschwiegenste, liebevollste Freund, denich jemals gehabt habe.
i Neuntes Capitel.
Der Autor kehrt nach Rom zurück und wird dem Papst vorge-^ stellt. Unterredung zwischen ihm und Seiner Heiligkei:. Der Papstl überträgt ihm eine vortreffliche Goldschmied- und Juwelierarbeit,j Nach des Papstes Wunsch wird er als Stempelschneider bei der Münze! angestellt, ungeachtet sich die Hofleute und besonders Pompes vonl Mailand, des Papstes Günstling, dagegen setzen. — Schöne Medaille, nach seiner Erfindung. — Streit zwischen ihm und Bendinelli, dem! Bildhauer.
Von Rom aus gab ich ihm sogleich Nachricht. Ich hatte da-selbst einen Theil meiner alten Freunde gefunden, von denen^ ich auf's beste aufgenommen ward. Ein alter Goldschmied, Ra-phael del Moro genannt, berühmt in seiner Kunst, und übri-gens ein braver Mann, lud mich ein, in seiner Werkstatt zuarbeiten und ihm an einigen wichtigen Werken zu helfen, wozuich mich gern entschloß und einen guten Verdienst fand.
Schon über zehn Tage war ich in Rom und hatte mich nochnicht bei Meister Jacob sehen lassen; er begegnete mir von un-gefähr, empfing mich sehr gut und fragte, wie lange ich inRomsey? Als ich ihm sagte, ungefähr vierzehn Tage, nahmer es sehr übel und sagte mir, es schiene, daß ich mir auseinem Papste wenig mache, der mir schon dreimal habe an-gelegentlich schreiben lassen. Eben diese verwünschten Briefehatten mich in Verdruß und Verlegenheit gesetzt; ich war bösel darüber und gab ihm keine Antwort. Dieser Mann war uner-schöpflich in Worten, es strömte nur so aus dem Munde; ichwartete daher, bis er müde war, und sagte dann ganz kurz, ermöchte mich nur gelegentlich zum Papste führen. Darauf ant-! wertete er, es sey immer Zeit, und ich versicherte ihn, daß ichl immer bereit sey. So gingen wir nach dem Palaste — es war