Benvenuto Eellini.
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am grünen Donnerstage — und wir wurden in die Zimmerdes Papstes, er als bekannt und ich als erwartet, sogleich ein-gelassen.
Der Papst, nicht ganz wohl, lag im Bette: Herr JacobSalviati und der Erzbischof von Capua waren bei ihm. Erfreute sich außerordentlich, mich wieder zu sehen; ich küßte ihmdie Füße, und so bescheiden als möglich trat ich etwas näherund gab ihm zu verstehen, daß ich etwas von Wichtigkeit ihmzu eröffnen hätte. Er winkte mit der Hand und die beidenHerren traten weit hinweg. Sogleich fing ich an: HeiligsterVater, seit der Plünderung habe ich weder beichten, noch com-municiren können; denn man will mir die Absolution nichtertheilen. Der Fall ist der. Als ich das Gold schmolz und dieMühe übernahm, die Edelsteine auszubrechen, befahl Ew. Hei-ligkeit dem Cavalier, daß er mir etwas weniges für meineMühe reichen solle; ich erhielt aber nichts von ihm, vielmehrhat er mir unfreundliche Worte gegeben. Ich ging hinauf, woich das Gold geschmolzen hatte, durchsuchte die Asche und fandungefähr anderthalb Pfund Gold, in Körnern, so groß wieHirsen. Nun hatte ich nicht so viel Geld, um mit Ehren nachHause zu kommen; ich dachte mich dieses Goldes zu bedienenund den Werth zurückzugeben, sobald ich im Stande wäre.Nun bin ich hier zu den Füßen Ew. Heiligkeit, des wahrenBeichtigers: erzeigen Sie mir die Gnade, mich frei zu sprechen,damit ich beichten und communiciren könne und durch die GnadeEw. Heiligkeit auch die Gnade Gottes wieder erlangen möge.
Darauf versetzte der Papst, mit einem stillen Seufzer —vielleicht daß er dabei seiner vergangenen Noth gedachte —:Benvenuto, ich bin gewiß, daß du die Wahrheit redest; ichkann dich von allem, was du irgend begangen hast, freisprechen,und ich will es auch; deßwegen bekenne mir frei und offenherzigalles, was du auf dem Herzen hast, und wenn es den Wertheiner meiner Kronen ausmachte, so bin ich ganz bereit, dir zuverzeihen.
Darauf antwortete ich: Mehr betrug es nicht, als was ichgesagt habe: denn es war nicht gar der Werth von I50Ducaten;so viel zahlte man mir in der Münze von Perugia dafür, undich ging damit meinen armen Vater zu trösten.
Der Papst antwortete: Dein Vater war ein geschickterguter und braver Mann, und du wirst auch nicht ausarten; esthut mir leid, daß es nicht mehr war; aber das, was du an-giebst, schenke ich dir und verzeihe dir. Sage das deinem Beicht-vater, und wenn er Bedenken hat, so soll er sich an mich selbstwenden! Hast du gebeichtet und communicirt, so laß dich wiedersehen! es soll dein Schade nicht seyn.
Da ich mich vom Papste zurückzog, traten Meister Jacobund der Erzbischof von Capua herbei. Der Papst sagte sehr vielGutes von mir und erzählte, daß er mich Beichte gehört undlosgesprochen habe; dann sagte er dem Erzbischof, er solle nachmir schicken und hören, ob ich sonst noch etwas auf dem Herzenhabe, auch mich in allem absolviren, wozu er ihm vollkommeneGewalt gebe, und solle mir überhaupt so freundlich seyn alsmöglich.
Indem wir weggingen, fragte mich Meister Jacob sehrneugierig, was für Geheimnisse und für lange Unterhaltungich mit dem Papst gehabt hätte? worauf ich ihm antwortete,daß ich es weder sagen wollte noch könnte, und daß er michnicht weiter fragen sollte.
Ich that alles, was mir der Papst besohlen hatte, und alsdie beiden Festtage vorbei waren, ging ich ihn zu besuchen. Erwar noch freundlicher als das erstemal und sagte: Wenn du einwenig früher nach Rom kämest, so ließ ich dich die zwei Kronenmachen, die wir im Castell ausgebrochen haben; aber außer derFassung der Juwelen gehört wenig Geschicklichkeit dazu, und ichwill dich zu einer andern Arbeit brauchen, wo du zeigen kannst,was du verstehst. Es ist der Kopf von dem Pluvial, der, inGestalt eines mäßigen Tellers, von einer halben, auch einerDrittelelle im Durchschnitt, gemacht wird; darauf will ich einenGott Vater in halberhobener Arbeit sehen, und in der Mittedes Werks soll ein schöner Diamant mit vielen andern kostbarenEdelsteinen angebracht werden. Caradosso hat schon einen an-gefangen und wird niemals fertig: den deinigen mußt du baldenden; denn ich will auch noch einige Freude daran haben.So gehe nun und mache ein schönes Modell! Er ließ mirdarauf die Juwelen zeigen, und ich ging ganz vergnügt hinweg.
Indessen daß Florenz belagert ward, starb Friedrich Ginori,dem ich die Medaille des Atlas gemacht hatte, an der Schwind-sucht, und das Werk kam in die Hände des Herrn LudwigAlamanni, der kurze Zeit darauf nach Frankreich ging unddasselbe, mit einigen seiner Schriften, dem Könige Franz I.verehrte. Die Medaille gefiel dem König außerordentlich, undder treffliche Herr Alamanni sprach mit Seiner Majestät sogünstig von mir, daß der König den Wunsch bezeigte, michkennen zu lernen.
Indessen arbeitete ich mit größter Sorgfalt an dem Modell,das ich so groß machte, wie das Werk selbst werden sollte.Nun rührten sich bei dieser Gelegenheit viele unter den Gold-schmieden, die sich für geschickt hielten, ein solches Werk zuunternehmen. Es war auch ein gewisser Micheletto nach Romgekommen, sehr geschickt im Steinschneiden und Goldarbeiten;er war ein alter Mann, hatte großen Ruf und war der Mittels-mann bei der Arbeit der zwei päpstlichen Kronen geworden.Als ich nun gedachtes Modell verfertigte, wunderte er sich sehr,daß ich ihn darum nicht begrüßte, da er doch die Sache verstandund bei dem Papst viel zu gelten sich bewußt war. Zuletzt, daer sah, daß ich nicht zu ihm kam, besuchte er mich und fragte,was ich mache? Was mir der Papst befohlen hat, antworteteich. iltun versetzte er: Der Papst hat mir befohlen, alles anzu-sehen, was für seine Heiligkeit gemacht wird. Dagegen sagteich, ich würde den Papst darüber fragen und von ihm selbsterfahren, wem ich Red' und Antwort zu geben hätte. Er sagte,es werde mich reuen, ging erzürnt weg und berief die ganzeGilde zusammen. Sie wurden eins, daß er die Sache einleitensolle. Darauf ließ er, als ein kluger Mann, von geschicktenZeichnern über dreißig Zeichnungen machen, alle denselbenGegenstand, jedesmal mit Veränderungen darstellend.
Weil er nun von seiner Seite das Ohr des Papstes hatte,verband er sich noch mit einem andern, der Pompes hieß, einemVerwandten des Herrn Trajano, des ersten und sehr begün-stigten Kämmerers des Papstes. Beide fingen an mit demPapst zu sprechen. Sie hätten, sagten sie, mein Modell ge-sehen; aber es schiene ihnen nicht, daß ich zu so einer wichtigenUnternehmung der Mann sey. Darauf antwortete der Papst,er wolle es auch sehen, und wenn ich nicht fähig sey, wolle ersich nach einem Bessern umthun. Sie sagten, daß sie schöneZeichnungen von demselbigen Gegenstände besäßen. Der Papst