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Benvenuto Eellini.
das war aber auch alles, was ich auszustehen hatte: denn als ^er das Werk sah, fing er wieder an heiter zu werden und lobte ^mich, daß ich in kurzer Zeit so viel gethan hätte; alsdann sah er ;mir in's Gesicht und sagte: Da du nun geheilt bist, so sorge jfür dein Leben! Ich verstand ihn und sagte, ich würde nichtfehlen.
Sodann eröffnete ich gleich eine schöne Werkstatt unter denBänken, gerade gegen Raphael del Moro über, und arbeitetean der Vollendung des oftgedachten Werks. Der Papst schicktemir alle Juwelen dazu, außer dem Diamanten, den er wegeneiniger Bedürfnisse an Genueser Wechsler verpfändet und mir §nur einen Abdruck davon gegeben hatte. Durch fünf geschickteGesellen, die ich hielt, ließ ich noch außerdem vieles arbeiten,so daß in meiner Werkstatt ein großer Werth an Juwelen,Gold und Silber sich befand.
Ich war eben nennundzwanzig Jahre alt, und hatte eineMagd zu mir in's Haus genommen, von der größten Schönheitund Anmuth; sie diente mir zum Modell in meiner Kunst, undich brachte die meisten Nächte mit ihr zu; und ob ich gleich sonstden leisesten Schlaf von der Welt hatte, so überfiel er mich dochunter solchen Umständen dergestalt, daß ich nicht zu erweckenwar. Dieses begegnete mir auch eine Nacht, als ein Dieb beimir einbrach, der unter dem Verwand, er sey ein Goldschmied,meine Kostbarkeiten gesehen und den Plan gefaßt hatte, michzu berauben. Er fand zwar verschiedene Gold- und Silber-arbeiten vor sich, doch erbrach er einige Kästchen, um auch zuden Juwelen zu kommen.
Ein Hund, den mir Herzog Alexander geschenkt hatte, undder so brauchbar auf der Jagd als wachsam im Hause war, fielüber den Dieb her, der sich mit dem Degen so gut vertheidigte,als er konnte. Der Hund lies durch das Haus hin und wieder,kam in die Schlafzimmer meiner Arbeiter, deren Thüren beider Sommerhitze offen standen, und weckte die Leute theilsdurch sein Bellen, theils indem er ihre Decken wegzog, ja baldden einen, bald den andern bei dem Arme packte. Dann liefer wieder mit erschrecklichem Bellen weg, als wenn er ihnenden Weg zeigen wollte; sie wurden diesen Unfug müde, undweil sie auf meinen Befehl ein Nachtlicht brannten, so griffensie voll Zorn nach den Stöcken, verjagten den guten Hund undverschlossen ihre Thüren. Der Hund, von diesen Schelmen ohneHülfe gelassen, blieb auf seinen: Vorsätze, und da er den Diebnicht mehr in der Werkstatt fand, verfolgte er ihn auf derStraße, und hatte ihm schon das Kleid vom Leibe gerissen.Der Dieb rief einige Schneider zu Hülfe, die schon auf waren,und bat sie um Gottes willen, sie möchten ihn von dem tollenHund befreien; sie glaubten ihm, erbarmten sich seiner und ver-jagten den Hund mir großer Mühe.
Als es Tag ward, gingen meine Leute in die Werkstatt,und da sie dre Thüre erbrochen und offen und die Schubladenin Stücken fanden, fingen sie an mit lauter Stimme Weheüber den Unfall zu schreien. Ich hörte es, erschrak und kamheraus. Sie riefen mir entgegen: Wir sind bestohlen! alles istfort, die Schubladen sind alle erbrochen. Diese Worte thaten !eine so schreckliche Wirkung auf mich, daß ich nicht im Stande !war, vom Fleck zu gehen und nach der Schublade zu sehen, in !welcher die Juwelen des Papstes waren. Mein Schrecken war !so groß, daß mir fast das Sehen verging; ich sagte, sie sollten ^die Schublade öffnen, um zu erfahren, was von den Juwelen '
des Papstes fehle. Mit großer Freude fanden sie die sämmt-lichen Edelsteine und die Arbeit in Golde dabei; sie riefen aus:Nun ist weiter kein Uebel! genug, daß dieser Schatz unberührtist, ob uns gleich der Schelm nur die Hemden gelassen hat, diewir auf dem Leibe tragen; denn gestern Abend, da es so heißwar, zogen wir uns in der Werkstatt aus und ließen unsereKleider daselbst.
Schnell kam ich wieder zu mir, dankte Gott und sagte:Geht nur und kleidet euch alle an! ich will es bezahlen. Ichkonnte mich nicht genug freuen, daß die Sache so abgelaufenwar; denn was mich so sehr, gegen meine Natur, erschreckte,war, daß die Leute mir gewiß würden Schuld gegeben haben,ich habe die Geschichte mit dem Dieb nur ersonnen, um denPapst um seine Juwelen zu bringen. Gleich in den ersten Au-genblicken erinnerte ich mich, daß der Papst schon vor mir ge-warnt worden war. Seine Vertrautesten hatten zu ihm gesagt:Wie könnt Ihr, heiligster Vater, die Juwelen von so großemWerthe einem Jüngling anvertrauen, der ganz Feuer ist, mehran die Waffen als an die Kunst denkt, und noch nicht dreißigJahre hat. Der Papst fragte ob jemand von mir etwas wisse,das Verdacht erregen könne ? Franz del Nero antwortete: Nein!er hat aber auch noch niemals solche Gelegenheit gehabt. Daraufversetzte der Papst: Ich halte ihn für einen vollkommen ehr-lichen Mann, und wenn ich selbst ein Uebel an ihm sähe, sowürde ich es nicht glauben.
Ich erinnerte mich gleich dieses Gesprächs, brachte, so gutich konnte, die Juwelen an ihre Plätze, und ging mit der Arbeitgeschwind zum Papste, dem Franz del Nero schon etwas vondem Gerüchte, daß meine Werkstatt bestohlen sey, gesagt hatte.Der Papst warf mir einen fürchterlichen Blick zu und sagte mitheftiger Stimme: Was willst du hier? was giebt's? Seht hiereure Juwelen! sagte ich: es fehlt nichts daran. Daraus erhei-terte der Papst sein Gesicht und sagte: So sey willkommen!Und indeß er die Arbeit ansah, erzählte ich ihm die ganze Be-gebenheit, meinen Schrecken, und was mich eigentlich in sogroße Angst gesetzt habe. Der Papst kehrte sich einigemal um,mir in's Gesicht zu sehen, und lachte zuletzt über alle die Um-stände, die ich ihm erzählte. Endlich sprach er: Geh und sey einehrlicher Mann, wie ich dich gekannt habe.
Lilftes Capitel.
Des Autors Feinde bedienen sich der Gelegenheit, daß falscheMünzen zum Aorschcin kommen, um ihn bei dem Papste zu ver-leumden; allein er beweist seine Unschuld zu des Papstes Ueberzeu-gung. — Er eindeckt den Schelm, der seine Werkstatt bestohlen, durchdie SpürkrLfte seines Hundes. — Ueberschwcmmung von Rom. — Ermacht eine Zeichnung zu einem prächtigen Kelche für den Papst. —Mißverstand zwischen ihm und Seiner Heiligkeit. — Cardinal Sal-viati wird Legat von Rom in des Papstes Abwesenheit, beleidigt und»erfolgt den Autor. — Eine Augenkrankheit verhindert diesen, denKelch zu endigen. — Der Papst bet seiner Rückkunft ist über ihn er-zürnt. — Außerordentliche Scene zwischen ihm und Seiner Heiligkeit.— Der Autor leidet an venerischen Uebeln, und wird durch das hei-lige Holz geheilt.
Indessen ich an dem Werke immer fortfuhr, ließen sich inRom einige falsche Münzen sehen, die mit meinem eigenenStempel geprägt waren. Schnell brachte man sie dem Papstund wollte ihnl Verdacht gegen mich einflößen. Er sagte darauf