Benvenuto Eelltni.
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Wenn auch alles wahr wäre, was ihr sagt, so ist dabei nichtdie geringste Gefahr für mich, daß ich etwa am Körper gestraftwerden sollte; denn in jener Zeit hatte das Gesetz alle seineKraft verloren, und ich konnte mich daher entschuldigen undsagen, daß ich, als Diener, diesen Schatz dem heiligen aposto-lischen Sitz aufgehoben habe, mit der Absicht, solche Kostbar--keilen einem guten Papste wieder zuzustellen, oder demjenigen,der mir sie wieder abfordern ließe, wie es nun durch euch ge-schähe, wenn sich die Sache so verhielte.
Hierauf ließ mich der rasende Pistojeser keine weitemGründe vorbringen, und versetzte wüthend: Verziere du dieSache, wie du willst, Benvenuto! Uns ist genug, das Unserewieder gefunden zu haben, und mache nur geschwind, wennwir nicht auf andere Weise als mit Worten verfahren sollen.Zugleich wollten sie ausstehen und weggehen, worauf ich zuihnen sagte: Meine Herren! mein Verhör ist nicht geendet;deßwegen hört mich an, und dann geht, wohin es euch gefällt!Sogleich nahmen sie wieder in völligem Zorne Platz, als wennsie entschieden wären, nichts zu hören, was ich vorbringenkönnte, ja sie verbargen eine Art von Zufriedenheit nicht; dennsie glaubten alles schon gefunden zu haben, was sie zu wissenverlangten.
Ich fing daher auf folgende Weise zu reden an: Wißt, meineHerren, daß ich ungefähr zwanzig Jahre in Rom wohne, unddaß ich weder hier noch anderswo jemals eingekerkert worden bin.Darauf sagte der Häscher von Gouverneur: Und du hast hierdoch Menschen umgebracht! Darauf versetzte ich: Das sagt ihr,und ich nicht! Denn wenn einer käme, euch umzubringen, sowürdet ihr euch schnell genug vertheidigen, und wenn ihr ihnerschlügt, würden es die heiligen Gesetze euch nachsehen. Undnun laßt mich auch meine Gründe vorbringen, wenn ihr demPapst die Sache gehörig vorzutragen und ein gerechtes Urtheilüber mich zu sprechen gedenkt. Ich sage euch von neuem, essind ungefähr zwanzig Jahre, daß ich das wundersame Rombewohnt, und hier die größten Arbeiten meiner Professionvollendet habe; und weil ich weiß, daß Christus hier wohntund regiert, so hätte ich mich darauf mit der größten Sicherheitverlassen, ja wenn ein weltlicher Fürst versucht hätte, mireinigen Schaden zuzufügen, so würde ich meine Zuflucht zudem heiligen Stuhle und zu dem Statthalter Christi genommenhaben, damit er mich beschützt hätte. Wehe mir, wo soll ichnun jetzt hingehen? Zu welchem Fürsten soll ich mich wenden,der mich vor diesen schändlichen Absichten rette? Hättet ihrnicht, ehe ihr mich gefangen nahmt, untersuchen sollen, wo ichdenn auch diese 80000 Scudi verwahren könnte? Hättet ihrnicht das Berzeichniß der Juwelen durchsehen sollen, das manbei unserer apostolischen Kammer seit fünfhundert Jahren fleißigfortsetzt? Hätte sich dann irgend eine Lücke gefunden, so hättetihr meine Bücher und mich nehmen, und die Vergleichung an-stellen sollen. Ich muß euch nur sagen, die Bücher, in welchendie Juwelen des Papstes und der Kronen verzeichnet stehen,sind noch alle vorhanden, und ihr werdet finden, daß alles,was Papst Clemens besessen hat, sorgfältig aufgeschrieben ist.Das einzige könnte seyn: als der arme Mann, Papst Clemens,sich mit jenen kaiserlichen Freibeutern vergleichen wollte, die inRom geplündert und die Kirche geschmäht hatten, da kam einerzu dieser Vergleichshandlung, der, wenn ich mich recht erinnere,Cäsar Jscatinaro hieß. Man hatte sich beinahe über alle Punkte
mit dem bedrängten Papste vereinigt, der doch dem Abgeord-neten auch etwas Angenehmes erzeigen wollte, und einen Dia-manten vorn Finger fallen ließ, der ungefähr 4000 Scudiwerth seyn konnte. Jscatinaro bückte sich, ihn aufzuheben,worauf der Papst sagte: er möchte sich des Rings aus Liebe zuihm bedienen. Bei diesem war ich gegenwärtig, und wenndieser Diamant fehlen sollte, so sage ich euch, wo er hin ist, obich gleich überzeugt bin, auch dieses wird bemerkt seyn. Undnun könnt ihr an eurer Stelle euch schämen, einen Mann mei-nes Gleichen so behandelt zu haben, der so vieles ehrenvoll fürdiesen apostolischen Sitz unternommen hat. Denn wißt nur,war ich jenen Morgen, als die Kaiserlichen in den Borgodrangen, nicht so thätig, so überrumpelten sie ohne Hindernißdas Castell. Niemand hatte mich dazu gedungen, und ich machtemich wacker an die Artillerie, welche von den Bombardierenund Soldaten ganz verlassen da stand. Ich sprach noch dabeieinem meiner Bekannten Muth ein, der Raphael da Montelupohieß und ein Bildhauer war; auch er hatte seinen Posten ver-lassen und sich ganz erschrocken in eine Ecke verkrochen; ichweckte ihn aus seiner Unthätigkeit, und wir beide allein tödtetenvon oben herunter so viele Feinde, daß die Truppen einenandern Weg nahmen. Auch ich war es selbst, der nach demJscatinaro schoß, weil er in der Conserenz mit dem Papsteohne die mindeste Ehrfurcht sprach, und, als ein Lutheranerund Ketzer, wie er war, gegen Seine Heiligkeit eine grobeVerachtung zeigte. Papst Clemens ließ darauf eine Untersuchunganstellen, und wollte den Thäter hängen lassen. Auch ich wares, der den Prinzen von Oranien an den Kopf traf, als er dieLaufgräben visitiren wollte. Dann habe ich der heiligen Kircheso viel Schmuck und Zierde von Silber, Gold und Juwelenund so viel schöne und treffliche Medaillen und Münzen gear-beitet. Und das soll nun die freche pfäffische Belohnung seyn,die man einem Manne zudenkt, der euch mit so viel Treue undAnstrengung gedient und geliebt hat? Und geht nur, hinter-bringt, was ich gesagt habe, alles dem Papste, sagt ihm, daßer seine sämmtlichen Juwelen besitzt, und daß ich zur Zeit jenerVerheerung von der Kirche nichts anders erhalten habe als hundertWunden und Beulen. Ich habe immer auf eine kleine Vergel-tung gehofft, die Papst Paul mir versprochen hatte: nun bin ichaber ganz klar über Seine Heiligkeit und über euch, seine Diener.
Indessen ich so redete, hörten sie mir mit Erstaunen zu,sahen einander in's Gesicht und verließen mich mit Verwunde-rung. Alle drei zusammen gingen dem Papste alles zu hinter-bringen, was ich gesagt hatte. Der Papst schämte sich undbefahl eiligst, man solle die sämmtlichen Rechnungen der Ju-welen durchsehen. Es fand sich, daß nichts fehlte, aber sie ließenmich im Castell sitzen, ohne etwas weiter zu fragen. Herr PeterLudwig besonders, als er sah, daß er so übel gehandelt hatte,suchte meinen Tod zu beschleunigen.
Diese Unruhe und Verwirrung dauerte nicht lange, als derKönig Franz schon mit allen Umständen vernommen hatte, daßder Papst mich so widerrechtlich gefangen hielt, und er gabseinem Gesandten an diesem Hofe, Herrn de Montluc, ineinem Schreiben den Auftrag, er solle mich, als einen DienerSeiner Majestät, vom Papste zurückfordern. Der Papst, dersonst ein verständiger und außerordentlicher Mann war, betrugsich doch in dieser meiner Sache sehr unüberlegt und albern.Er antwortete dem Gesandten: Seine Majestät möchten sich doch