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Zur Farbenlehre.
ihren Anfängen auch nur apparent, machen den Uebergang zuden chemischen Farben.
142.
Wenn wir also unsern Vortrug stetig nach Anleitung derNatur fortführen wollten, so dürften wir nur in der jetzt ebenbezeichneten Ordnung auch fernerhin verfahren; weil aber beididaktischen Vortragen es nicht sowohl darauf ankommt, das-jenige, wovon die Rede ist, an einander zu knüpfen, vielmehrsolches wohl aus einander zu sondern, damit erst zuletzt, wennalles einzelne vor die Seele gebracht ist, eine große Einheitdas Besondere verschlinge, so wollen wir uns gleich zu dendioptrischen Farben wenden, um den Leser alsobald in dieMitte der physischen Farben zu versetzen, und ihm ihre Eigen-schaften auffallender zu machen.
IX.
Dioptrische Farben.
143.
Man nennt dioptrische Farben diejenigen, zu deren Ent-stehung ein farbloses Mittel gefordert wird, dergestalt daß Lichtund Finsterniß hindurchwirken, entweder auf's Auge oder aufentgegenstehende Flächen. Es wird also gefordert, daß dasMittel durchsichtig oder wenigstens bis auf einen gewissen Graddurchscheinend sey.
144.
Nach diesen Bedingungen theilen wir die dioptrischen Er-scheinungen in zwei Classen, und setzen in die erste diejenigen,welche bei durchscheinenden trüben Mitteln entstehen, in diezweite aber solche, die sich alsdann zeigen, wenn das Mittelin dem höchst möglichen Grade durchsichtig ist.
X.
Dioptrische Farben der ersten Elaste.
145.
Der Raum, den wir uns leer denken, hätte durchaus füruns die Eigenschaft der Durchsichtigkeit. Wenn sich nun der-selbe dergestalt füllt, daß unser Auge die Ausfüllung nicht ge-wahr wird, so entsteht ein materielles, mehr oder wenigerkörperliches, durchsichtiges Mittel, das luft- und gasartig,flüssig oder auch fest seyn kann.
146.
Die reine durchscheinende Trübe leitet sich aus dem Durch-sichtigen her. Sie kann sich uns also auch auf gedachte dreifacheWeise darstellen.
147.
Die vollendete Trübe ist das Weiße, die gleichgültigste,hellste, erste undurchsichtige Raumerfüllung.
148.
Das Durchsichtige selbst, empirisch betrachtet, ist schon dererste Grad des Trüben. Die fernern Grade des Trüben biszum undurchsichtigen Weißen sind unendlich.
149.
Auf welcher Stufe wir auch das Trübe vor seiner Un«durchsichtigkeit festhalten, gewährt es uns, wenn wir es in
Verhältniß zum Hellen und Dunkeln setzen, einfache und be-deutende Phänomene.
150.
Das höchstenergische Licht, wie das der Sonne, des Phos-phors , in Lebenslust verbrennend, ist blendend und farblos.So kommt auch das Licht der Fixsterne meistens farblos zuuns. Dieses Licht aber, durch ein auch nur wenig trübesMittel gesehen, erscheint uns gelb. Nimmt die Trübe einessolchen Mittels zu, oder wird seine Tiefe vermehrt, so sehenwir das Licht nach und nach eine gelbrothe Farbe annehmen,die sich endlich bis zum Rubinrothen steigert.
151.
Wird hingegen durch ein trübes, von einem daranffallcndenLichte erleuchtetes Mittel die Finsterniß gesehen, so erscheintuns eine blaue Farbe, welche immer Heller und blässer wird,jemehr sich die Trübe des Mittels vermehrt, hingegen immerdunkler und satter sich zeigt, je durchsichtiger das Trübe werdenkann, ja bei dem mindesten Grad der reinsten Trübe als dasschönste Violett dem Auge fühlbar wird.
! 152.
! Wenn diese Wirkung auf die beschriebene Weise in unserm
! Auge vorgeht und also subjectiv genannt werden kann, so habenwir uns auch durch objective Erscheinungen von derselben nochmehr zu vergewissern. Denn ein so gemäßigtes und getrübtesLicht wirft auch auf die Gegenstände einen gelben, gelbrothenoder purpurnen Schein; und ob sich gleich die Wirkung derFinsterniß durch das Trübe nicht eben so mächtig äußert, sozeigt sich doch der blaue Himmel in der Camera obscura ganzdeutlich auf dem weißen Papier neben jeder andern körper-lichen Farbe.
153.
Wenn wir die Fälle durchgehen, unter welchen uns dieseswichtige Grundphänomen erscheint, so erwähnen wir billigzuerst der atmosphärischen Farben, deren meiste hierher ge-ordnet werden können.
154.
Die Sonne, durch einen gewissen Grad von Dünsten ge-sehen, zeigt sich mit einer gelblichen Scheibe. Oft ist die Mittenoch blendend gelb, wenn sich die Ränder schon roth zeigen.Beim Heerrauch (wie 1794 auch im Norden der Fall war) undnoch mehr bei der Disposition der Atmosphäre, wenn in süd-lichen Gegenden der Scirocco herrscht, erscheint die Sonnerubinroth mit allen sie im letzten Falle gewöhnlich umgebendenWolken, die alsdann jene Farbe im Widerschein zurückwerfen.
Morgen- und Abendröthe entsteht aus derselben Ursache.Die Sonne wird durch eine Rothe verkündigt, indem sie durcheine größere Masse von Dünsten zu uns strahlt. Je weiter sieherauskommt, desto Heller und gelber wird der Schein.
155.
Wird die Finsterniß des unendlichen Raums durch atmo-sphärische, vorn Tageslicht erleuchtete Dünste hindurch ange-sehen, so erscheint die blaue Farbe. Auf hohen Gebirgen siehtman am Tage den Himmel königsblau, weil nur wenig feineDünste vor dem unendlichen finstern Raum schweben; sobaldnian in die Thäler herabsteigt, wird das Blaue Heller, bis esendlich, in gewissen Regionen und bei zunehmenden Dünsten,ganz in ein Weißblau übergeht.