Didaktischer Theil. 163
530 .
Kein Fall einer Culmination von der Minusseite ist mir immineralischen und vegetabilischen Reiche bekannt. In dem ani-malischen ist der Saft der Pnrpnrschnecke merkwürdig, vondessen Steigerung und Culmination von der Minusseite herwir künftig sprechen werden.
XL.
Balanciren.
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Die Beweglichkeit der Farbe ist so groß, daß selbst die-jenigen Pigmente, welche man glaubt specificirt zu haben, sichwieder hin und her wenden lassen. Sie ist in der Nähe desLulminationspunktes am merkwürdigsten, und wird hier durchwechsclsweise Anwendung der Säuren und Alkalien ani auffal-lendsten bewirkt.
532 .
Die Franzosen bedienen sich, um diese Erscheinung beider Färberei auszudrücken, des Wortes virer, welches voneiner Seite nach der andern wenden heißt, und drücken da-durch aus eine sehr geschickte Weise dasjenige aus, was mansonst durch Mischungsverhältnisse zu bezeichnen und an-zugeben versucht.
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Hiervon ist diejenige Operation, die wir mit dem Lackmuszu machen Pflegen, eine der bekanntesten und auffallendsten.Lackmus ist ein Farbenmaterial, das durch Alkalien zum Roth-blauen specificirt worden. Es wird dieses sehr leicht durchSäuren in's Rothgelbe hinüber und durch Alkalien wiederherüber gezogen. In wiefern in diesem Fall durch zarte Ver-suche ein Culminationspunkt zu entdecken und festzuhalten sey,wird denen, die in dieser Kunst geübt sind, überlassen, so wiedie Färbeknnst, besonders die Scharlachfärberei, von diesem ,Hin- und Herwenden mannichfaltigc Beispiele zu liefern im !Stande ist.
Xll.
. Durchwandern des Kreises.
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Die Erregung und Steigerung kommt mehr auf der Plus-als auf der Minusseite vor. So geht auch die Farbe, beiDurchwanderung des ganzen Wegs, meist von der Plus-seite aus.
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Eine stetige in die Augen fallende Durchwanderung desWegs vom Gelben durch's Rothe zum Blauen zeigt sich beimAnlaufen des Stahls.
536 .
Die Metalle lassen sich durch verschiedene Stufen und Artender Oxydation aus verschiedenen Punkten des Farbenkreisesspecificiren.
537 .
Da sie auch grün erscheinen, so ist die Frage, ob man einestetige Durchwanderung aus dem Gelben durch's Grüne in'sBlaue und umgekehrt in dem Mineralreiche kennt. Eisenkalk,
mit Glas zusammengeschmolzen, bringt erst eine grüne, beiverstärktem Feuer eine blaue Farbe hervor.
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Es ist wohl hier am Platz, von dem Grünen überhaupt zusprechen. Es entsteht vor uns vorzüglich im atomistischenSinne, und zwar völlig rein, wenn wir Gelb und Blau zu-sammenbringen; allein auch schon ein unreines, beschmutztesGelb bringt uns den Eindruck des Grünlichen hervor. Gelbmit Schwarz macht schon Grün; aber auch dieses leitet sich davonab, daß Schwarz mit dem Blauen verwandt ist. Ein unvoll-kommenes Gelb, wie das Schwefelgelb, giebt uns den Eindruckvon einem Grünlichen. Eben so werden wir ein unvollkom-menes Blau als Grün gewahr. Das Grüne der Weinflaschenentsteht, so scheint es, durch eine unvollkommene Verbindungdes Eisenkalks mit dem Glase. Bringt man durch größere Hitzeeine vollkommenere Verbindung hervor, so entsteht ein schönesblaues Glas.
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Aus allem diesem scheint so viel hervorzugehen, daß einegewisse Kluft zwischen Gelb und Blau in der Natur sich findet,welche zwar durch Verschränkung und Vermischung «touristischgehoben und zum Grünen verknüpft werden kann, daß abereigentlich die wahre Vermittlung vom Gelben und Blauen nurdurch das Rothe geschieht.
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Was jedoch dem Unorganischen nicht gemäß zu seyn scheint,das werden wir, wenn von organischen Naturen die Rede ist,möglich finden, indem in diesem letzten Reiche eine solche Durch-wanderung des Kreises vom Gelben durch's Grüne und Blauebis znm Purpur wirklich vorkommt.
XUI.
Unikehrimg.
541 .
Auch eine unmittelbare Umkehrung in den gefordertenGegensatz zeigt sich als eine sehr merkwürdige Erscheinung,wovon wir gegenwärtig nur folgendes anzugeben wissen.
542 .
DaS mineralische Chamäleon, welches eigentlich ein Braun-steinoxyd enthält, kann inan in seinem ganz trockenen Zustande! als ein grünes Pulver ansehen. Streut man es in Wasser, so^ zeigt sich in deni ersten Augenblick der Auflösung die grüne! Farbe sehr schön; aber sie verwandelt sich sogleich in die dem, Grünen entgegengesetzte Purpurfarbe, ohne daß irgend eine; Zwischenstufe bemerklich wäre.
! 543 . *
! Derselbe Fall ist mit der sympathetischen Dritte, welche auch! als ein röthlicher Liquor angesehen werden kann, dessen Aus-trocknung durch Wärme die grüne Farbe auf dem Papiere zeigt.
544 .
Eigentlich scheint hier der Conflict zwischen Trockene undFeuchtigkeit dieses Phänomen hervorzubringen, wie , wenn wiruns nicht irren, auch schon von den Scheidekünstlern angegebenworden. Was sich weiter daraus ableiten, woran sich diesePhänomene anknüpfen lassen, darüber können wir von der Zeithinlängliche Belehrung erwarten.