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Zur Farbenlehre.
Fixation.
545.
So beweglich wir bisher die Farbe, selbst bei ihrer körper-lichen Erscheinung, gesehen haben, so fixirt sie sich doch zuletztunter gewissen Umständen.
546.
Es giebt Körper, welche fähig sind, ganz in Farbestoffverwandelt zu werden, und hier kann man sagen, die Farbefixire sich in sich selbst, beharre auf einer gewissen Stufe, undspecificire sich. So entstehen Färbematerialien aus allenReichen, deren besonders das vegetabilische eine große Mengedarbietet, worunter doch einige sich besonders auszeichnen,und als die Stellvertreter der andern angesehen werden können;wie auf der acüven Seite der Krapp, auf der passiven derIndiz.
547.
Um diese Materialien bedeutend und zum Gebrauch Vortheil-haft zu machen, gehört, daß die färbende Eigenschaft in ihneninnig zusammengedrängt, und der färbende Stoff zu einer un-endlichen empirischen Theildarkeit erhoben werde, welches aufallerlei Weise, und besonders bei den genannten durch Wäh-rung und Fäulniß hervorgebracht wird.
548.
Diese materiellen Farbenstoffe fixiren sich nun wieder anandern Körpern. So werfen sie sich im Mineralreich an Erdenund Metallkalke, sie verbinden sich durch Schmelzung mitGläsern, und erhalten hier bei durchscheinendem Licht diehöchste Schönheit, so wie man ihnen eine ewige Dauer zu-schreiben kann.
549.
Vegetabilische und animalische Körper ergreifen sie mit mehroder weniger Gewalt, und halten daran mehr oder weniger fest,theils ihrer Natur nach, wie denn Gelb vergänglicher ist alsBlau, oder nach der Natur der Unterlagen. An vegetabilischendauern sie weniger als an animalischen, und selbst innerhalbdieser Reiche giebt es abermals Verschiedenheit. Flachs- oderbaumwollenes Garn, Seide oder Wolle zeigen gar verschiedeneVerhältnisse zu den Färbestoffen.
550.
Hier tritt nun die wichtige Lehre von den Beizen hervor,welche als Vermittler zwischen der Farbe und dem Körper an-gesehen werden können. Die Färbebücher sprechen hiervonumständlich. Uns sey genug, dahin gedeutet zu haben, daßdurch diese Operationen die Farbe eine nur mit dem Körper zuverwüstende Dauer erhält, ja sogar durch den Gebrauch anKlarheit und Schönheit wachsen kann.
Xlliv.
Mischung.
Wirkliche.
55t.
Eine jede Mischung setzt eine Specification voraus, undwir sind daher, wenn wir von Mischung reden, im «touristi-schen Felde. Man muß erst gewisse Körper auf irgend einem
Punkte des Farbenkreises specificirt vor sich sehen, ehe mandurch Mischung derselben neue Schattirungen hervorbringenwill.
552.
Man nehme im allgemeinen Gelb, Blau und Roth alsreine, als Grundfarben fertig an. Roth und Blau wird Violett,Roth und Gelb Orange, Gelb und Blau Grün hervorbringen.
553.
Man hat sich sehr bemüht, durch Zahl-, Maaß- und Ge-wichtsverhältnisse diese Mischungen näher zu bestimmen, hataber dadurch wenig Ersprießliches geleistet.
554.
Die Malerei beruht eigentlich auf der Mischung solcherspecificirten, ja individualisirten Farbenkörper und ihrer un-endlichen möglichen Verbindungen, welche allein durch daszarteste, geübteste Auge empfunden und unter dessen Urtheilbewirkt werden können.
555.
Die innige Verbindung dieser Mischungen geschieht durchdie reinste Theilung der Körper durch Reiben, Schlemmenu. s. w., nicht weniger durch Säfte, welche das Staubartigezusammenhalten, und das Unorganische gleichsam organisch ver-binden; dergleichen sind die Oele, Harze u. s. w.
556.
Sämmtliche Farben, zusammengemischt, behalten ihrenallgemeinen Charakter als und da sie nicht mehr
neben einander gesehen werden, wird keine Totalität, keineHarmonie empfunden, und so entsteht das Grau, das, wie diesichtbare Farbe, immer etwas dunkler als Weiß, und immeretwas Heller als Schwarz erscheint.
557.
Dieses Grau kann auf verschiedene Weise hervorgebrachtwerden. Einmal, wenn man aus Gelb und Blau ein Smaragd-grün mischt, und alsdann so viel reines Roth hinzubringt, bissich alle drei gleichsam uentralisirt haben. Ferner entsteht gleich-falls ein Grau, wenn man eine Scala der ursprünglichen undabgeleiteten Farben in einer gewissen Proportion zusammen-stellt und hernach vermischt.
558.
Daß alle Farben, zusammengemischt, Weiß machen, isteine Absurdität, die man nebst andern Absurditäten schon einJahrhundert gläubig und dem Augenschein entgegen zu wieder-holen gewohnt ist.
559.
Die zusammengemischten Farben tragen ihr Dunkles in dieMischung über. Je dunkler die Farben sind, desto dunkler wirddas entstehende Grau, welches zuletzt sich dem Schwarzennähert. Je Heller die Farben sind, desto Heller wird das Grau,welches zuletzt sich dem Weißen nähert.
XI-V.
Mischung.
Scheinbare.
560.
Die scheinbare Mischung wird hier um so mehr gleich mitabgehandelt, als sie in manchem Sinne von großer Bedeutung