Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Didaktischer Theil. 165

ist, und man sogar die von uns als. wirklich angegebene Mi- !schung für scheinbar halten könnte. Denn die Elemente, wor-aus die zusammengesetzte Farbe entsprungen ist, sind nur zuklein, um einzeln gesehen zu werden. Gelbes und blaues Pul-ver, zusammengerieben, erscheint dem nackten Auge grün,wenn man durch ein Vergrößerungsglas noch Gelb und Blauvon einander abgesondert bemerken kann. So machen auchgelbe und blaue Streifen in der Entfernung eine grüne Fläche,welches alles auch von der Vermischung der übrigen specificir-ten Farben gilt.

561.

Unter dem Apparat wird künftig auch das Schwungradabgehandelt werden, auf welchem die scheinbare Mischung durchSchnelligkeit hervorgebracht wird. Auf einer Scheibe bringtman verschiedene Farben im Kreise neben einander an, drehtdieselben durch die Gewalt des Schwunges mit größter Schnellig-keit herum, und kann so, wenn man mehrere Scheiben zube-reitet, alle möglichen Mischungen vor Augen stellen, so wiezuletzt auch die Mischung aller Farben zum Grau naturgemäßauf oben angezeigte Weise.

562.

Physiologische Farben nehmen gleichfalls Mischungen an.Wenn man z. B. den blauen Schatten (65) auf einem leicht-gelben Papiere hervorbringt, so erscheint derselbe grün. Eingleiches gilt von den übrigen Farben, wenn man die Vorrich-tung danach zu machen weiß.

563.

Wenn man die im Auge verweilenden farbigen Schein-bilder (39 ff.) auf farbige Flächen führt, so entsteht auch eineMischung und Determination des Bildes zu einer andernFarbe, die sich aus beiden herschreibt.

564.

Physische Farben stellen gleichfalls eine Mischung dar.Hierher gehören die Versuche, wenn man bunte Bilder durch'sPrisma sieht, wie wir solches oben (258284) umständlichangegeben haben.

565.

Am meisten aber machten sich die Physiker mit jenen Er-scheinungen zu thun, welche entstehen, wenn man die prisma-tischen Farben auf gefärbte Flächen wirft.

566.

Das, was man dabei gewahr wird, ist sehr einfach. Erst-lich muß man bedenken, daß die prismatischen Farben viel leb-hafter sind als die Farben der Fläche, worauf man sie fallenläßt. Zweitens kommt in Betracht, daß die prismatische Farbeentweder homogen mit der Fläche oder heterogen seyn kann.Im ersten Fall erhöht und verherrlicht sie solche, und wirddadurch verherrlicht, wie der farbige Stein durch eine gleich-gefärbte Folie; im entgegengesetzten Falle beschmutzt, stört undzerstört eine die andere.

567.

Man kann diese Versuche durch farbige Gläser wiederholen,und das Sonnenlicht durch dieselben auf farbige Flächen fallenlassen, und durchaus werden ähnliche Resultate erscheinen.

568.

Ein gleiches wird bewirkt, wenn der Beobachter durchfarbige Gläser nach gefärbten Gegenständen hinsieht, deren

i Farben sodann nach Beschaffenheit erhöht, erniedrigt oder auf-gehoben werden.

569.

Läßt man die prismatischen Farben durch farbige Gläserdurchgehen, so treten die Erscheinungen völlig analog hervor;wobei mehr oder weniger Energie, mehr oder weniger Helleund Dunkle, Klarheit und Reinheit des Glases in Betrachtkommt, und manchen zarten Unterschied hervorbringt, wiejeder genaue Beobachter wird bemerken können, der diesePhänomene durchzuarbeiten Lust und Geduld hat.

570.

So ist es auch wohl kaum nöthig zu erwähnen, daß mehrerefarbige Gläser über einander, nicht weniger ölgetränkte, durch-scheinende Papiere, alle und jede Arten von Mischung hervor-bringen, und dem Auge, nach Belieben des Experimentirenden,darstellen.

571.

Schließlich gehören hierher die Lasuren der Maler, wodurcheine viel geistigere Mischung entsteht, als durch die mechanischatomistische, deren sie sich gewöhnlich bedienen, hervorgebrachtwerden kann.

XI-VI.

Mittheilung.

Wirkliche.

572.

Wenn wir nunmehr auf gedachte Weise uns Farbemateria-lien verschafft haben, so entsteht ferner die Frage, wie wirsolche farblosen Körpern mittheilen können, deren Beantwor-tung für das Leben, den Gebrauch, die Benutzung, die Technikvon der größten Bedeutung ist.

573.

Hier kommt abermals die dunkle Eigenschaft einer jedenFarbe zur Sprache. Von dem Gelben, das ganz nahe amWeißen liegt, durch's Orange und Mennigfarbe zum Rein-rothen und Larmin, durch alle Abstufungen des Violetten bisin das satteste Blau, das ganz am Schwarzen liegt, nimmt dieFarbe immer an Dunkelheit zu. Das Blaue, einmal specificirt,läßt sich verdünnen, erhellen, mit dem Gelben verbinden, wo-durch es grün wird, und sich nach der Lichtseite hinzieht. Keines-wegs geschieht dieß aber seiner Natur nach.

574.

Bei den physiologischen Farben haben wir schon gesehen,daß sie ein Minus sind als das Licht, indem sie beim Abklingendes Lichteindrucks entstehen, ja zuletzt diesen Eindruck ganz alsein Dunkles zurücklassen. Bei physischen Versuchen belehrt unsschon der Gebrauch trüber Mittel, die Wirkung trüber Neben-bilder, daß hier von einem gedämpften Lichte, von einemUebergang in's Dunkle die Rede sey.

575.

Bei der chemischen Entstehung der Pigmente werden wirdasselbe bei der ersten Erregung gewahr. Der gelbe Hauch, dersich über den Stahl zieht, verdunkelt schon die glänzende Ober-fläche. Bei der Verwandlung des Bleiweißes in Massicot istes deutlich, daß das Gelbe dunkler als Weiß sey.

576.

Diese Operation ist von der größten Zartheit, und so auch