Didaktischer Theil,
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Dienste leistet. Hier sind die Vorbilder der sogenannten Reflexe,die in der Geschichte der Kunst erst später bemerkt werden, unddie man seltener als billig in ihrer ganzen Mannichsaltigkeitanzuwenden gewußt hat.
592.
Die Scholastiker nannten diese Farben oolores nnrionslesund intsntivn«1s8; wie uns denn überhaupt die Geschichtezeigen wird, daß jene Schule die Phänomene schon gut genugbeachtete, auch sie gehörig zu sondern wußte, wenn schon dieganze Behandlungsart solcher Gegenstände von der unseligensehr verschieden ist.
XUVIII.
Entziehung.
593.
Den Körpern werden auf mancherlei Weise die Farbenentzogen, sie mögen dieselben von Natur besitzen oder wirmögen ihnen solche mitgetheilt haben. Wir sind daher imStande, ihnen zu unserm Vortheil zweckmäßig die Farbe zunehmen; aber sie entflieht auch oft zu unserm Nachtheil gegenunsern Willen.
594.
597.
Aber nicht allein das Licht, fernern auch die Luft und ve-sonders das Wäger wirken gewaltig auf die Entziehung derFarbe. Man will sogar bemerkt haben, daß wohl befeuchtete,bei Nacht auf dem Rasen ausgebreitete Garne besser-bleichenals solche, welche, gleichfalls wohl befeuchtet, dem Sonnenlichtausgesetzt werden. Und so mag sich denn freilich das Wasserauch hier als ein Auslösendes, Vermittelndes, das ZufälligeAufhebendes, und das Besondere in's Allgemeine Zurückfüh-rendes beweisen.
598.
Durch Reagentien wird auch eine solche Entziehung bewirkt.Der Weingeist hat eine besondere Neigung, dasjenige, was diePflanzen färbt, an sich zu ziehen und sich damit, oft auf einesehr beständige Weise, zu färben. Die Schwefelsäure zeigt sich,besonders gegen Wolle und Seide, als farbentziehend sehrwirksam; und wem ist nicht der Gebrauch des Schwefeldampfesda bekannt, wo man etwas vergilbtes oder beflecktes Weiß! herzustellen gedenkt?
^ 599.
! Die stärksten Säuren sind in der neuern Zeit als kürzereBleichmittel angerathen worden.
600.
Nicht allein die Grunderden sind in ihrem natürlichen Zu-stande weiß, sondern auch vegetabilische und animalische Stoffe !können, ohne daß ihr Gewebe zerstört wird, in einen weißenZustand versetzt werden. Da uns nun zu mancherlei Gebrauchein reinliches Weiß höchst nöthig und angenehm ist, wie wiruns besonders gern der leinenen und baumwollenen Zeugeungefärbt bedienen, auch seidene Zeuge, das Papier und an-deres uns desto angenehmer sind, je weißer sie gefunden wer-den; weil auch ferner, wie wir oben gesehen, das Hauptfun-dament der ganzen Färberei weiße Unterlagen sind: so hat sich ^die Technik, theils zusällig theils mit Nachdenken, auf das iEntziehen der Farbe aus diesen Stoffen so emsig geworfen,daß man hierüber unzählige Versuche gemacht und gar manches ^Bedeutende entdeckt hat. !
595. >
In dieser völligen Entziehung der Farbe liegt eigentlich die ^
Beschäftigung der Bleichkunst, welche von mehrern empirischer ^oder methodischer abgehandelt worden. Wir geben die Haupt- !Momente hier nur kürzlich an. s
596. ^Das Licht wird als eines der ersten Mittel, die Farbe den i
Körpern zu entziehen, angesehen, und zwar nicht allein das §Sonnenlicht, sondern das bloße gewaltlose Tageslicht. Dennwie beide Lichter, sowohl das directe von der Sonne als auchdas abgeleitete Himmelslicht, die Bvnonifchen Phosphoren ent-zünden , so wirken auch beide Lichter auf gefärbte Flächen. Essey nun, daß das Licht die ihm verwandte Farbe ergreife, sie,die so viel Flammenartiges hat, gleichsam entzünde, verbrenneund das an ihr Specificirte wieder in ein Allgemeines auflöse,oder daß eine andere uns unbekannte Operation geschehe,genug, das Licht übt eine große Gewalt gegen farbige Flächenaus und bleicht sie mehr oder weniger. Doch zeigen auch hierdie verschiedenen Farben eine verschiedene Zerstörlichkeit undDauer; wie denn das Gelbe, besonders das aus gewissenStoffen bereitete, hier zuerst davon fliegt.
Eben so wirken im Gegensinne die alkalischen Reagentien,die Laugen an sich, die zu Seife mit Lauge verbundenen Ocleund Fettigkeiten u. s. w., wie dieses alles in den ausdrücklichzu diesem Zwecke verfaßten Schriften umständlich gefundenwird.
601.
Uebrigens möchte es wohl der Mühe werth seyn, gewissezarte Versuche zu machen, in wiefern Licht und Luft auf dasEntziehen der Farbe ihre Thätigkeit äußern. Man könntevielleicht unter luftleeren, mit gemeiner Luft oder besondernLnftarten gefüllten Glocken solche Farbstoffe dem Licht aussetzen,deren Flüchtigkeit man kennt, und beoachten, ob sich nicht andas Glas wieder etwas von der verflüchtigten Farbe ansetzteoder sonst ein Niederschlag sich zeigte, und ob alsdann diesesWiedererscheinende dem Unsichtbargewordenen völlig gleich sey,oder ob es eine Veränderung erlitten habe? Geschickte Experi-mentatoren ersinnen sich hierzu wohl mancherlei Vorrichtungen.
602.
Wenn wir nun also zuerst die Naturwirkungen betrachtethaben, wie wir sie zu unsern Absichten anwenden, so ist nocheiniges zu sagen von dem, wie sie feindlich gegen uns wirken.
603.
Die Malerei ist in dem Falle, daß sie die schönsten Arbeitendes Geistes und der Mühe durch die Zeit auf mancherlei Weisezerstört sieht. Man hat daher sich immer viel Mühe gegeben,dauernde Pigmente zu finden, und sie auf eine Weise untersich, so wie mit der Unterlage zu vereinigen, daß ihre Dauerdadurch noch mehr gesichert werde; wie uns hiervon die Technikder Malerschulen genugsam unterrichten kann.
604.
Auch ist hier der Platz, einer Halbkunst zu gedenken, wel-cher wir in Absicht auf Färberei sehr vieles schuldig sind: ichmeine die Tapetenwirkerei. Indem man nämlich in den Fallkam, die zartesten Schattirungen der Gemälde nachzuahmen,und daher die verschiedenst gefärbten Stoffe oft neben einander