Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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gur Farbenlehre.

Elemente der entopti scheu Farben.

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Apparat. Zweite Figur.

Ein Fläche a. Zwei Spiegel, aus der Rückseite geschwärzt,b, e, gegen die Fläche in etwa 45 Graden gerichtet. Ein Glas-würfel ck, die entoptischen Farben darzustellen geeignet, und,in Ermangelung desselben, mehrere auf einander geschichteteGlasplatten, durch eine Hülse verbunden.

Versuche ohne den Würfel.

Man stellt den Apparat so, daß das Licht in der Richtungdes Pfeils k auf die Tafel falle, so wird man den Widerscheinderselben in beiden Spiegeln gleich hell erblicken. Sodannbewege man den Apparat, damit das Licht in der Richtungdes Pfeils s hereinfalle, so wird der Widerschein der Tafel imSpiegel e merklich Heller als im Spiegel b seyn. Fiele dasLicht in der Richtung des Pfeils A her, so würde das Umge-kehrte stattfinden.

Versuche mit dem Würfel.

Man setze nunmehr den Würfel ein, wie die Figur aus-weist, so werden im ersten Fall völlig gleiche entoptische Bil-der, und zwar die weißen Kreuze, zum Vorschein kommen, inden beiden andern aber die entgegengesetzten, und zwar dasweiße Kreuz jederzeit in dem Spiegel, der dem einfallendenLicht zugewendet ist, und den unmittelbaren Reflex des Haupt-lichtes, des directcn Lichtes, aufnimmt, in dem andern Spiegelaber das schwarze Kreuz, weil zu diesem nur ein Seitenschein,eine oblique, geschwächtere Reflexion gelangt.

Aus diesen reinen Elementen kaun sich ein jeder alle ein-zelnen Verkommenheiten der entoptischen Farben entwickeln;doch sey eine erleichternde Auslegung hinzugefügt. Wir setzenvoraus, daß die Beobachtungen an einem offenen Fenster einersonst nicht weiter beleuchteten Stube geschehen.

Ueberzeuge man sich nun vor allen Dingen, daß hier nurdas von der Tafel reflectirte Licht allein wirke; deßhalb ver-decke man die Spiegel sowie die Oberseite des Cubus vor jedemandern herauscheiuenden Lichte.

Mau wechsle die Fläche der Tafel » nach Belieben ab, undnehme vorerst einen mit Quecksilber belegten Spiegel. Hierwird nun auffallen, was jedermann weiß und zngiebt, daßdas Licht nur dann bei der Reflexion verhältnißmäßig amstärksten wirke, wenn es immer in derselben Ebene fortschreitetund, obgleich mehrmals reflectirt, doch immer der ursprüng-lichen Richtung treu bleibt, und so vom Himmel zur Fläche,dann zum Spiegel, und zuletzt in's Auge gelangt. Das Seiten-licht hingegen ist, in dem gegebenen Falle, wegen der glattenOberfläche ganz null; wir sehen nur ein Finsteres.

Man bediene sich eines geglätteten schwarzen Papiers; dasdirecte Licht, von der glänzenden Oberfläche dem Spiegel mit-getheilt, erhellt ihn, die Seitenfläche hingegen kann nur Fin-sterniß bewirken.

Man nehme nun blendend weißes Papier, grauliches, bläu-liches, und vergleiche die beiden Widerscheine der Spiegel; indem einen wird die Fläche a dunkler als in dem andern er-scheinen. Nun setze man den Würfel au seinen Platz; der helleWiderschein wird die helle Figur, der dunkle die dunklere her-vorbringen.

Hieraus folgt nun, daß ein gemäßigtes Licht zu der Er-scheinung nöthig sey, und zwar ein mehr oder weniger in einemgewissen Gegensatze gemäßigtes, um die Doppelerscheinungzu bilden. Hier geschieht die Mäßigung durch Reflexion.

Wir schreiten nun zu dem Apparat, der uns in den Standsetzt, die Umkehrung jederzeit auffallend darzustellen, wennuns auch nur das mindeste Tageslicht zu Gebote steht. Einunterer Spiegel nehme das Himmelslicht direct auf; man ver-gleiche dieses reflectirte Licht niit dem grauen Himmel, so wirdes dunkler als derselbe erscheinen; richtet man nun den obernSpiegel Parallel mit dem untern, so erscheint das Himmels-licht in demselben abermals gedämpfter. Wendet man aber denobern Spiegel über's Kreuz, so wirkt diese, obgleich auch nurzweite Reflexion viel schwächer als in jenem Falle, und eswird eine bedeutende Verdunkelung zu bemerken seyn: dennder Spiegel obliquirt das Licht, und es hat nicht mehr Energieals in jenen Grundversucheu, wo es von der Seite her schien.Ein zwischen beide Spiegel gestellter Cubus zeigt nun deßhalbdas schwarze Kreuz; richtet man den zweiten obern Spiegelwieder parallel, so ist das weiße Kreuz zu sehen. Die Um-kehrung, durch Glimmerblättchen bewirkt, ist ganz dieselbe.Fig. 3.

Man stelle bei Nachtzeit eine brennende Kerze, so daß dasBild der Flamme von dem untern Spiegel in den obern re-flectirt wird, welcher parallel mit dem untern gestellt ist, sowird man die Flamme ausrecht abgespiegelt sehen, um nurweniges verdunkelt; wendet man den obern Spiegel zur Seite,so legt sich die Flamme horizontal, und, wie aus dem Vor-hergehenden folgt, noch mehr verdüstert. Führt man denobern Spiegel rund um, so steht die Flamme bei der Richtungvon 90 Graden auf dem Kopfe, bei der Seiteurichtung liegtsie horizontal, und bei der Parallelen ist sie wieder aufgerichtet,Wechselsweise erhellt und verdüstert; verschwinden aber wird sienie. Hiervon kann man sich völlig überzeugen, wenn manals untern Spiegel einen mit Quecksilber belegten anwendet.

Diese Erscheinungen jedoch auf ihre Elemente zurückzuführenwar deßhalb schwierig, weil in der Empirie manche Fälle ein-treten, welche diese zart sich hin- und Herbewegenden Phänomeneschwankend und ungewiß machen. Sie jedoch aus dem unsoffenbarten Grundgesetz abzuleiten und zu erklären, unter-nehme man, durch einen hellen, klaren Tag begünstigt, fol-gende Versuche.

An ein von der Sonne nicht beschienenes Fenster lege mauden geschwärzten Spiegel horizontal, und gegen die Flächedesselben neige man die eine Seite des Cubus in einem Winkelvon etwa 90 Graden, die Außenseite dagegen werde nacheinem reinen, blauen Himmel gerichtet, und sogleich wird dasschwarze oder weiße Kreuz mit farbigen Umgebungen sich sehenlassen.

Bei unveränderter Lage dieses einfachen Apparats setze mandie Beobachtungen mehrere Stunden fort, und mau wird be-merken, daß, indem sich die Sonne am Himmel hinbewegt,