Didaktischer Theil.
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allenfalls einen gelblichen, und wenn wir den obern Spiegelzur Seite richten, bläulichen Schein; legen wir aber die schmaleSeite parallel mit uns, so erscheinen sogleich die schönstenFarben, die sich bei Seitenwendung des Spiegels in ihreGegensatze verwandeln und zwar:
Hell
Dunkel
Gelb
Violett
Gelbroth
Blau
Purpur
Grün.
Wobei zu bemerken, daß, wenn man dergleichen Blätter aufden entoptischen Cubus bringt, die Erscheinung des hellenund dunkeln Kreuzes mit den schönsten bezüglichen Farben be-gleitet und überzogen wird.
Und hier stehe denn eine Warnung eingeschaltet am rechtenPlatze. Wir müssen uns wohl in Acht nehmen, diese Farben,von denen wir gegenwärtig handeln, nicht mit den epoptischenzu vermischen. Wie nahe sie auch verwandt seyn mögen, sobesteht doch zwischen ihnen der große Unterschied, daß dieepoptischen unter dem Spiegelapparat nicht umgekehrt werden,sondern, gleichviel ob direct oder von der Seite angeschaut,immer dieselbigen bleiben, dagegen die im Glimmerblättchenerscheinenden beweglicher Art sind, und also auf einer höher»Stufe stehen.
Ferner bringen wir den Umstand zur Sprache, daß derstumpfe Winkel der sechsseitigen Tafel, welcher auf unsererBasis aufgerichtet wird und das Umkehren des Phänomensentscheidet, zusammengesetzt ist aus 90 Graden der rechtenWinkels und aus 45, welche dem kleinen Quadrat angehören,zusammen 135 Grade. Es wird uns also auf eine sehr ein-fache Weise auf jene 35 bis 36 Grade gedeutet, unter welchenbei allen Spiegelungen die Erscheinung erlangt wird.
Ferner fügen wir bemerkend hinzu, daß uns noch nicht ge-lingen wollen zu erfahren, wie unsere empirisch-theoretischesechsseitige Tafel mit den von Natur sechsseitig gebildetenGlimmersäulen und deren Blättern in Uebereinstimmung trete.Leider sind unsere wirksamen Glimmertaseln schon in kleineFensterscheiben geschnitten, deren Seiten zu unsern Phäno-menen in keinem Bezug stehen. Die einzelnen Glimmerblätteraber, an welchen die sechsseitige Krystallisation nachzuweisenist, sind gerade diejenigen, welche die Umkehrung hartnäckigverweigern.
XXIV.
Fraueneis.
Mit durchsichtigen Gypsblättchen verhält es sich glcicher-maaßen: man spaltet sie so fein als möglich und verfährt mitihnen auf dieselbe Weise, wie bei dem Glimmer gezeigt worden.
Man untersuche ein solches Blattchen an und für sichzwischen den beiden Spiegeln, und man wird eine Richtungfinden, wo es vollkommen klar ist; diese bezeichne man alsBasis der übrigen Versuche; man bilde sodann ein Sechseckund richte eine der kürzern Seiten parallel mit sich, und manwürd das Gesichtsfeld mit Farben von der größten Schönheitbegabt sehen. Bei der Seitenstellung des Spiegels wechselnsie sämmtlich, und es kommen an derselben Stelle die gefor-derten Gegensätze hervor. Gesellt man ein solches Blättchenzum Cubus, so wird jene erste Richtung die entoptische Er-scheinung völlig identisch lassen, in dem zweiten Falle aber das
Bild verändert seyn. Es werfen sich nämlich die beiden Farben,Purpur und Grün, an die hellen oder dunkeln Züge der Bilder,so daß die Umkehrung als Umkehrung nicht deutlich wird, dieFärbung jedoch auf eine solche Veränderung hinweist; denn so-bald man den Spiegel nunmehr seitwärts wendet, so erscheintzwar das Bild noch immer vollkommen farbig, allein die Züge,die man vorher grün gesehen, erscheinen purpurn, und umgekehrt.
Man sieht hieraus, daß schon bei den zartesten Tafeln dasBild einige Undeutlichkeit erleiden müsse; werden nun garmehrere über einander gelegt, so wird das Bild immer un-deutlicher, bis es zuletzt gar nicht mehr zu erkennen ist. Ichsehe daher das Verschwinden der Erscheinung bei dem Um-kehren nur als eine materielle Verdüsterung an, die ganz alleinder Unklarheit des angewendeten Mittels zuzuschreiben ist.
XXV.
Toppelspath.
Von diesem bedeutenden, so oft besprochenen, beschriebenen,bemessenen, berechneten und bemeinten Naturkörper habenwir nur so viel zu sagen, als seine Eigenschaften sich in unsermKreise manifestiren. Er verhält sich gerade wie die vorher-gehenden beiden, nur daß seine rhombische Figur und die Dickeseiner Krystalle einigen Unterschied machen mögen. Legen wirihn übrigens zwischen die beiden Spiegel so, daß die längereoder kürzere Achse auf dem Beschauer perpendicular steht, soerscheint das Gesichtsfeld hell, und wir dürften alsdann nurden zu uns gekehrten Winkel abstutzen, so hätten wir, wenn dieOperation an der langen Seite geschah, ein Sechseck mit zweistumpfern Winkeln, und wenn wir die kürzere Diagonale ab-stutzen, ein etwas spitzwinkeligeres Sechseck als unser regel-mäßiges erhalten; aber doch immer ein Sechseck, dessen kürzereSeiten, gegen uns gekehrt, das Gesichtsfeld dunkler machen.Hierbei ist es aber keineswegs nöthig, daß wir unsere Krystalleverderben, sondern wir heften unsere ausgeschnittene Karte,nach bekannter Weise, über den Krystall, oder zeichnen unsereIntention durch einen leichten Federstrich.
Nun sprechen wir aber, mit den vorigen Fällen völligübereinstimmend, aus: die erste Richtung, die das helle Seh-feld bewirkt, läßt die Erscheinung identisch, die Seitenwendungjedoch des bekannten Winkels kehrt die Erscheinung um, welchesnoch ganz deutlich, jedoch mehr der Farbe als der Form nach, an derUmkehrung der blauen Augen in gelbe bemerkt werden kann. Alsoist auch hier ein Verschwinden, welches durch vermehrte Körper-lichkeit des Mittels hervorgebracht würde, kein physischer, sondernein ganz gemeiner Effect der zunehmenden Undurchsichtigkeit.
Nun aber erwartet uns eine höchst angenehme Erscheinung,s Läßt man einen solchen rhombischen Isländischen Krystall durch^ Kunst dergestalt zurichten, daß zwei, der langen Achsenfläche! Parallele Abschnitte der Ecken verfügt und geschliffen werden,so wird man, wenn der Körper in dieser Lage zwischen die zweiSpiegel gebracht wird, einmal ein Helles, das anderem«! eindunkles Bild gewahr werden, analog jenen uns bekanntengefärbten entoptischen Bildern; vier helle Punkte stehen zuerstinnerhalb eines Kreises, um den sich mehr Kreise versammeln,und es gehen vier pinselartige Strahlungen aus von den Punk-ten, als hell und durchscheinend. Bei der Seitenwendung zeigtsich der Gegensatz: wir sehen, in Ringe gefaßt, ein schwarzes