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Zur Farbenlehre.
Kreuz, von welchem gleichfalls vier schwarze büschelartige Strah-lungen sich entfernen.
Hier hätten wir nun die sämmtlichen Erscheinungen beisam-men: klare, helle Spiegelung und Identität, dunkle Spiege-lung mit Umkehrung, letztere besonders von inwohnenden, aberformlosen Farben begleitet; nun aber den Körper selbst, durchkünstliche Bereitung in seinem Innern aufgeschlossen, und einebewundernswürdige Erscheinung zum Anschauen gebracht.
So wäre denn also dieser höchst problematische Körperdurch Untersuchung nur noch immer problematischer geworden,und mit ihm so mancher andere. Freilich ist es wunderbargenug, daß ihm dreierlei Arten der Farbenerscheinung zuge-theilt sind: die prismatischen bei der Brechung, und zwardoppelt und vielfach, die epoptischen zwischen seinen zarten La-mellen, wenn sich diese nur im mindesten, mit beibehaltenerBerührung, aus einander geben, und die entoptischen, durchkünstliche Vorbereitung aus seinem Innern aufgeschlossen. Vielist hiervon gesagt, viel ist zu sagen; für unsere Zwecke sey daswenige hinreichend.
XXVI.
Apparat, vierfach gesteigert.
Was man bei allen Experimenten beobachten sollte, wolltenwir, wie sonst auch geschehen, bei dem unsrigen zu leistensuchen. Zuerst sollte das Phänomen in seiner ganzen Einfalterscheinen, sein Herkommen aussprechen und auf die Folgerunghindeuten.
Unser einfachster Apparat (V) besteht aus einer entoptischenGlastafel, horizontal auf einen dunkeln Grund gelegt undgegen die klare Atmosphäre in verschiedenen Richtungen ge-halten; da sich denn der ätherische Ursprung der Erscheinungenund die Wirkung des directen und obliquen Widerscheins so-gleich ergiebt, dergestalt daß wenn wir dieß recht eingesehen,wir keiner fernern Versuche bedürften.
Aber es ist nöthig, daßwirweitergehen, die Abhängigkeit vonäußern Umständen zu mindern suchen, um das Phänomen be-quemer, auffallender und nach Willen öfter darstellen zu können.
Hierzu bahnt nun unser zweiter Versuch (V!) den Weg.Wir bedienen uns eines entoptischen Cubus und eines schwar-zen Spiegels; durch jenen lassen wir die atmosphärische Wir-kung hindurchgehen und erblicken die farbigen Bilder außerhalbdemselben auf dem Spiegel; allein hierbei sind wir immer nochvon der Atmosphäre abhängig; ohne einen völlig reinblauenHimmel bringen wir die Erscheinung nicht hervor.
Wir schreiten daher zu dem dritten zusammengesetztemApparat (XVII). Wir richten zwei Spiegel gegen einander,von welchen der untere die allseitige Atmosphäre vorstellt, derobere hingegen die jedesmalige besondere Richtung, sie seydirect, oblique oder in der Diagonale. Hier verbirgt sich nunschon das wahre Naturverhältniß, das Phänomen als Phäno-men ist auffallender; aber wenn man von vorn herein nichtschon fundirt ist, so Wirt? man schwerlich rückwärts zur wahrenanschauenden Erkenntniß gelangen. Indessen dient uns dieserApparat täglich und stündlich, und wird uns deßhalb so werth,weil wir die Znsammenwirkung desselben mit den natürlichenKörpern und ihr wechselseitiges Betragen höchst belehrend finden.
Nun aber haben wir noch einen vierten Apparat, dessen zuerwähnen wir nun Gelegenheit nehmen; er ist zwar der
bequemste und angenehmste, dagegen verbirgt er aber noch mehrdas Grundphänomen, welches sieb niemand rückwärts darauszu entwickeln unternehmen würde. Er ist höchst sauber undzierlich gearbeitet, von dem Glasschleifer Niggel in München,und durch die Gunst des Herrn Professor Schweigger inmeinen Besitz gekommen; er besteht aus vier Spiegeln, welche,sich auf einander beziehend, sämmtliche Phänomene leicht undnett hervorbringen. Der erste Spiegel, außerhalb des Apparatsfast horizontal gelegen, nimmt das Tageslicht unmittelbar aufund überliefert solches dem zweiten, welcher, innerhalb desInstruments schief gestellt, wie der untere erste Spiegel desvorigen Apparats das empfangene Licht aufwärts schickt; un-mittelbar über ihm wird der entoptische Cubus eingeschalten,aus welchen man perpendicular durch ein Sehrohr hinunter-blickt; in diesem nun sind statt des Oculars zwei Spiegel an-gebracht, wovon der eine das Bild des Cubus von unten auf-nimmt, der andere solches dem Beschauer in's Auge führt.Kehrt man nun die mit den beiden verbundenen Spiegeln zu-sammen bewegliche Hülse in die directe oder Seitenstellung, soverwandeln sich die Bilder gar bequem und erfreulich Farbeund Form nach, und um desto ausfallender, da durch das vier-mal wiederholte Abspiegeln das Licht immer mehr gedämpftund gemäßigt worden. Noch ein anderes höchst erfreuendesPhänomen läßt sich zugleich darstellen, wenn man nämlich andie Stelle des Oculars ein kleines Prisma von Doppelspathsetzt, wodurch nian die gleichzeitige Erhellung und ^Verdunke-lung, bei fortgesetzter Kreisbewegung der Hülse, höchst ange-nehm und überraschend beschauen und wiederholen kann.
Sieht man nun zurück und vergegenwärtigt sich Schrittfür Schritt, wie jene Steigerung vorgegangen, was dazu bei-getragen, was sie uns aufgeklärt, was sie verbirgt; so kannman uns in diesem ganzen Felde nichts Neues mehr vorzeigen,indem wir mit den Augen des Leibes und Geistes ungehindertmethodisch vor- und rückwärts blicken.
XXVII.
Warnung.
Wie nahe wir, durch unsern vierfach gesteigerten Apparat,an den Punkt gekommen, wo das Instrument, anstatt dasGeheimniß der Natur zu entwickeln, sie zum unauflöslichenRäthsel macht, möge doch jeder naturliebende Experimentatorbeherzigen. Es ist nichts dagegen zu sagen, daß man durchmechanische Vorrichtung sich in den Stand setze, gewisse Phä-nomene bequemer und auffallender, nach Willen und Beliebenvorzuzeigen; eigentliche Belehrung aber befördern sie nicht, jaes giebt unnütze und schädliche Apparate, wodurch die Natur-anschauung ganz verfinstert wird: worunter auch diejenigengehören, welche das Phänomen theilweise oder außer Zusammen-hang vorstellen. Diese sind es eigentlich, worauf Hypothesengegründet, wodurch Hypothesen Jahrhunderte lang erhaltenwerden: da man aber hierüber nicht sprechen kann, ohne in'sPolemische zu fallen, so darf davon bei unserm friedlichen Ver-trag die Rede nicht seyn.
XXVIII.
^ Von der innern Beschaffenheit des entoptischen Glases.
Wir haben vorhin, indem wir von den entoptischen Eigen-schaften gewisser Gläser gesprochen, welche in ihrem Innern