Materialien zur Geschichte der Farbenlehre.
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einem neuen Aperyu Augen und Geist entschieden froh hinaus-heben könnten.
Wird übrigens ein Muster verlangt, wie ein ächter New-tonianer gedacht und gesprochen und sich die Sache vorgestellt,so kann diese übrigens sehr gut geschriebene und mit heitermEnthusiasmus vorgetragene Lobschrift zur Hand genommen undbeherzigt werden.
Georg Simon Klügel.
Die Lehre von der Achromasie war wie ein fruchtbarer undunzerstörlicher Same über das Feld der Wissenschaften aus-gestreut. So manches davon auch unter die Schuldorncn fiel,um daselbst zu ersticken, so manches davon auch von den immergeschäftigen theoretisch-kritischen Bögeln aufgepickt und ver-schluckt wurde, so manches davon das Schicksal hatte, auf demplatten Wege der Gemeinheit zertreten zu werden, so konntees doch nicht fehlen, daß in guten und tragbaren Boden einTheil treulich ausgenommen ward, und wo nicht gleich Fruchttrug, doch wenigstens im Stillen keimte.
So habeiz wir oft genug unsern redlichen LandsmanuKlügel bewundert und gelobt, wenn wir sein Verfahren beiUebersetzung und Supplirung der Priestleyschen Optik mitRuhe beobachteten. Ueberall vernimmt man leise Warnungen,vielleicht zu leise, als daß sie hätten können gehört werden.Klügel wiederholt bescheiden und oft, daß alle theoretischenEnunciationen nur Gleichnißreden seyen. Er deutet an, daßwir nur den Widerschein und nicht das Wesen der Dinge sehen,er bemerkt, daß die Newtonsche Theorie durch die achromatischeErfindung wohl gar aufgehoben seyn könnte.
Wenn es uns nicht ziemt, von seinem Hauptverdienste,das außer unserm Gesichtskreise liegt, zu sprechen, so gebenwir um so lieber ihm das Zeugniß eines vielleicht noch seltenernVerdienstes, daß ein Mann wie er, von so viel mathematischerGewandtheit, dem Wissenschaft und Erfahrung in solcher Breitezu Gebot standen, daß dieser eine vorurthcilsfreie verständigeUebersicht dergestalt walten ließ, daß seine wissenschaftlichenBehandlungen, sicher ohne dogmatisch, warnend ohne skeptischzu seyn, uns mit dem Vergangenen bekannt machen, dasGegenwärtige wohl einprägen, ohne den Blick für die Zukunftzu verschließen.
Uebergang.
Die Newtonsche Schule mochte sich indessen geberden, wiesie wollte. Es war nun so oft von vielen bedeutenden Män-nern, in so vielen Schriften, welche gleichsam jeden Tag wirk-sam waren — denn die Sache wurde lebhaft betrieben — eswar ausgesprochen worden, daß Newton sich in einein Haupt-punkte geirrt habe, und mehr als alle Worte sprachen dieß diedioptrischen Fernrohre auf Sternwarten und Mastbäumen, inden Händen der Forscher und der Privatleute, immer lauterund unwidersprechlicher aus.
Der Mensch — wir haben schon früher darauf appuyirt —unterwirft sich eben so gern der Autorität, als er sich derselbenentzieht; es kommt bloß aus die Epochen an, die ihn zu demeinen oder dem andern veranlassen. In der gegenwärtigenEpoche der Farbenlehre erhielten nunmehr jüngere, geist-
reichere , ernst und treu gesinnte Menschen eine gewisse Halb-freiheit, die, weil sie keinen Punkt der Vereinigung vor sichsah, einen jeden auf sich selbst zurückwies, eines jeden eigeneAnsichten, Lieblingsmeinungen, Grillen hervorrief, und so zwarmanchem Guten förderlich war, dagegen aber auch eine Artvon Anarchie weissagte und vorbereitete, welche stn unsernTagen völlig erschienen ist.
Was einzelne gethan, die Natur der Farbe auf diese oderjene Weise mehr zu ergründen und zu erklären, ohne auf dieNewtonsche Lehre besonders Rücksicht zu nehmen, ist jetzt dieHauptaufgabe unseres fernern Vertrags. Wir nehmen mit,was wir sonst noch auf unserm Wege finden, lassen aber da-zwischen manches einzelne liegen, welches nicht frommt undfördert.
Christian Friedrich Gotthard Westfeld.
Die Erzeugung der Farben, eine Hypothese. Gcttingen 1767.
Dieser einzelne Bogen verdiente wohl, wenn man eine An-zahl kleiner, aus die Farbenlehre bezüglicher, sich verlierenderSchriften sammeln und der Vergessenheit entziehen wollte, mitabgedruckt zu werden.
Des Verfassers Vertrag ist zwar nicht luminös, und weiler sich gleich in Controvers entwickelt, keineswegs erfreulich;doch ist seine Ueberzeugung guter Art. Erst drückt er sie imallgemeinen folgendermaaßen aus: „Die Verschiedenheit derFarben ist nur eine Verschiedenheit der Bewegung in den ner-vigen Fasern der Netzhaut;" dann aber tritt er der Sachenäher, und schreibt die Farbeneinwirkung auf's Auge einermehr oder minder erregten Wärme auf der Netzhaut zu.
Mit einer vergnüglichen Zufriedenheit sehen wir dasjenigegeahnt und vorbereitet, was später von Herschel entdeckt undzu unserer Zeit weiter ausgeführt worden. Wir wollen ihnselbst hören.
„Das Licht ist ein ausgedehntes Feuer, das man nur ineinen engen Raum zusammendrängen darf, um sich von derHeftigkeit seiner Wirkungen zu überführen. Die Netzhaut desAuges hat die natürliche Wärme des Körpers. Die Lichtstrahlen,die auf sie fallen, müssen ihre natürliche Wärme vermehren,und ihre Fasern desto mehr ausdehnen, je dichter sie sind. DieseVerschiedenheit der Ausdehnung der nervigen Fasern muß eineverschiedene Empfindung in der Seele hervorbringen, unddiese verschiedenen Empfindungen nennen wir Farben. Mitden Empfindungen, wenn sie zu heftig sind, ist bisweilen eingewisses Gefühl verbunden, das wir Schmerz heißen. Wenndie Lichtstrahlen solche Empfindungen erregen, so haben sieeinen zu heftigen Grad der Ausdehnung hervorgebracht. DieEmpfindungen, die wir Farben nennen, müssen von einemgeringern Grade der Ausdehnung herrühren, und unter diesenist die heftigste Empfindung gelbe Farbe, weniger heftige dierothe, grüne, blaue Farbe.
„Ein einzelner Lichtstrahl dehnt die Stelle der Netzhaut,auf die er fällt, so aus, daß dadurch die Empfindung in derSeele entsteht, die wir gelbeFarbenennen. Man zerlegediesen Lichtstrahl durch das Prisma in sieben Theile, wovoneiner immer dichter ist als der andere, so werden diese siebenTheile, nach Verhältniß ihrer Dichtigkeit, verschiedene Aus-dehnungen erzeugen, wovon wir jede mit einem eigenen Namen