Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
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Materialien zur Geschichte der Farbenlehre.

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bringen, so verschieben sich die ersten wieder, und so wird manauf eine höhere Berechnungsart nothwendig getrieben.

Wir können dieß nicht anschaulicher machen, als wenn wir

diejenigen Erscheinungen

und Begriffe, die er parallelisirt,

neben einander stellen.

Licht

Laut

Dunkelheit

Schweigen

Schatten

Lichtstrahlen

Schallstrahlen

Farbe

Ton

Farbenkörper

Instrument

Ganze Farben

Ganze Töne

Gemischte Farben

Halbe Töne

Gebrochene Farbe

Abweichung des Tons

Helle

Höhe

Dunkel

Tiefe

Farbenreihe

Lctave

Wiederholte Farbenreihe

Mehrere Lctaven

Helldunkel

Unisono

Himmlische Farben

Hohe Töne

Irdische (braune) Farben

Contratöne

Herrschender Ton

Solostimme

Licht und Halbschatten

Prime und Secundfiimme

Indiz

Violoncell

Ultramarin

Viele und Violine

Grün

Menschenkehle

Gelb

Clarinette

Hochroth

Trompete

Rosenroth

Hoboü

Kermesroth

Querflöte

Purpur

Waldhorn

Violett

Fagot

Zurichtung der Palette

Stimmung der Instrumente

Tractement

Applicatur

Bunte lavirte Zeichnung

Clavierconcert

Jmpastirtes Gemälde.

Symphonie.

Bei dieser Art von strengem Ncbeneinandersetzen, welchesim Buche theils wirklich ausgesprochen theils durch Coutext undStyl nur herbeigeführt und eingeleitet ist, sieht jedermann dasGezwungene, Willkürliche und Unpassende zweier großen insich selbst abgeschlossenen Naturerscheinungen, in sofern sie theil-weise mit einander verglichen werden sollen.

Es ist zu verwundern, daß der Bersafser, der sich sehr leb-haft gegen das Farbenclavier erklärt und dasselbe für unaus-führbar und unnütz hält, ein solches Vergnügen fand, sich. ausBerschlingung der beiden Künste gleichsam selbst ein Labyrinthzn erschaffen. Dieses wird denn in seinen letzten Capiteln rechtkraus, indem er den motus reetus und contrai-ius, Inter-valle, Consonanzen und Dissonanzen, den uioüus msgor undluiuor, Accord und Disharmonie, an einander gereihte Leta-len, und was noch alles sonst der Musik eigen ist, auch in derFarbenlehre und der sie anwendenden Malerkunst finden will.

Er muß freilich, als ein im Grunde scharfsinniger Mann,sich zuletzt daran stoßen, daß die Malerei eine simultane Har-monie, die Musik eine successive fordere. Er findet natürlichdie Intervalle der Farben nicht so bestimm- und meßbar, wie

die der Töne. Da er seine Farbenscala nicht in ihr selbst ab-schließt, sondern sie, statt in einem Lirkel, in einer Reihe vor-stellt, um sie an eine hellere Lctave wieder anschließen zukönnen, so weiß er nicht, welche er znr ersten und welche zurletzten machen, und wie er dieses Anschließen am natürlichstenbewirken soll. Ihm steht entgegen, daß er von einem gewissenGelb auf geradem Wege durch Roth uud Blau hindurch nie-mals zu einem Hellem Gelb gelangen kann, und er muß fühlen,daß es ein unendlicher Unterschied ist zwischen der Operation,wodurch man eine Farbe verdünnt, und zwischen der, wodurchman zu einem Hähern Tone vorschreitet.

Eben so traurig ist es anzusehen, wenn er glaubt, mankönne jede Farbe durch gewisse Modifikationen in den Minorsetzen, wie man es mit den Tönen vermag, weil die einzelnenTöne sich gegen den ganzen musicalischen Umfang viel gleich-gültiger verhalten als die einzelnen Farben gegen den Umkreis,in welchem sie aufgestellt sind: denn die Farben machen indiesem Kreise selbst das musus und minus, sie machen selbstdiesen entschiedenen Gegensatz, welcher sichtbar und empfindbarist und der nicht aufzuheben geht, ohne daß man das Ganzezerstört.

Die Töne hingegen sind, wie gesagt, gleichgültiger Natur;sie stehen jedoch unter dem geheimen Gesetz eines gleichfallsentschiedenen Gegensatzes, der aber nicht an sich, wie bei derFarbe, nothwendig und unveränderlich empfindbar wird, son-dern, nach Belieben des Künstlers, an einem jeden Tone undseiner von ihm herfließendcn Folge hörbar und empfindbargemacht werden kann.

Es ist uns angenehm, indem wir gegen das Ende zueilen,nochmals Gelegenheit gefunden zu haben, uns über diesenwichtigen Punkt zn erklären, auf welchen schon im Laufe unse-res Vortrage auf mehr als Eine Weise hingedeutet worden.

Das Büchelchen selbst verdient eine Stelle in der Samm-lung eines jeden Natur- und Kunstfreundes, sowohl damit dasAndenken eines braven, beinahe völlig vergessenen Manneserhalten, als damit die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit einersolchen Unternehmung einem jeden deutlicher gemacht werde.Geistreiche Personen werden an den künstlichen, aber redlichgemeinten, und so weit es nur gehen wollte, ernstlich durch-geführten Bemühungen des Verfassers Unterhaltung und Ver-gnügen sinken.

Robert Blair.

Lxpciümcnts soll oliscrvntions cm tlm nnetznnl retrsugstzilit^ ob UiKlit, in den Trans actiouen der Kö-niglichen Societät zu Edinburgh, Vol. III, 1791.

Das Phänomen der Achromasie war nun allgemein bekannt,und besonders durch die einfachen prismatischen Versuche außerallem Zweifel gesetzt worden; doch stand der Anwendung diesesNaturgesetzes auf Lbjectivgläser manches im Wege, sowohlvon der chemischen als von der mechanischen Seite, indemes seinc Schwierigkeiten hat, ein innerlich vollkommen reinesFlintglas zu bereiten und genau zusammenpassende Gläser zuschleifen. Besonders aber stellten sich manche Hindernisse ein,wenn man die Weite der Lbjectivgläser über einen gewissenGrad vermehren wollte.

Daß nicht allein feste, sondern auch allerlei flüssige Mittel