Materialien zur Geschichte der Farbenlehre.
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herumgetastet und mancherlei Versuche gemacht hatte, sie zuschematisiren und zu ordnen, fand ich mich am meisten ge-fördert, als ich die Gesetzmäßigkeit der physiologischen Erschei-nungen , die Bedeutsamkeit der durch trübe Mittel hervorge-brachten, und endlich die versatile Beständigkeit der chemischenWirkungen und Gegenwirkungen erkennen lernte. Hiernachbestimmte sich die Eintheilung, der ich, weil ich sie als die bestebefunden, stets treu geblieben. Nun ließ sich ohne Methodedie Menge von Erfahrungen weder sondern noch verbinden; eswurden daher theoretische Erklärnngsarten rege, und ich machtemeinen Weg durch manche hypothetische Irrthümer und Ein-seitigkeiten. Doch ließ ich den überall sich wieder zeigendenGegensatz, die einmal ausgesprochene Polarität nicht fahren,und zwar um so weniger, als ich mich durch solche Grundsätzeim Stand fühlte, die Farbenlehre an manches Benachbarte an-zuschließen und mit manchem Entfernten in Reihe zu stellen.Auf diese Weise ist der gegenwärtige EntwurfeinerFarben-lehre entstanden.
Nichts war natürlicher, als daß ich aufsuchte, was unsüber diese Materie in Schriften überliefert worden, und esvon den ältesten Zeiten bis zu den unsrigeu nach und nachauszog und sammelte. Durch eigene Aufmerksamkeit, durchguten Willen und Theilnahme mancher Freunde kamen mirauch die seltenern Bücher in die Hände; doch nirgends bin ichauf einmal so viel gefördert worden als in Göttingen durch denmit großer Liberalität und thätiger Beihülfe gestatteten Ge-brauch der unschätzbaren BUchersammluug. So häufte sich all-mählig eine große Masse von Abschriften und Excerpten, ausdenen die Materialien zur Geschichte der Farben-lehre redigirt worden und wovon noch manches zu weitererBearbeitung zurückliegt.
Und so war ich, ohne es beinahe selbst bemerkt zu haben,in ein fremdes Feld gelangt, indem ich von der Poesie zurbildenden Kunst, von dieser zur Naturforfchung überging, unddasjenige, was nur Hülfsmittel seyn sollte, mich nunmehr alsZweck anreizte. Aber als ich lange genug in diesen fremdenRegionen verweilt hatte, fand ich den glücklichen Rückweg zurKunst durch die physiologischen Farben und durch die sittlicheund ästhetische Wirkung derselben überhaupt.
Ein Freund, Heinrich Meyer, dem ich schon früher inRom manche Belehrung schuldig geworden, unterließ nicht,nach seiner Rückkehr, zu dem einmal vorgesetzten Zweck, dener selbst wohl in's Auge gefaßt hatte, mitzuwirken. Nach an-gestellten Erfahrungen, nach entwickelten Grundsätzen machteer manchen Versuch gefärbter Zeichnungen, um dasjenige mehrin's Licht zu fetzen und wenigstens für uns selbst gewisser zumachen, was gegen das Ende meines Entwurfs über Far-bengebung mitgetheilt wird. In den Propyläen versäumtenwir nicht, auf manches hinzudeuten, und wer das dort Gesagte
mit dem nunmehr umständlicher Ausgeführten vergleichen will,dem wird der innige Zusammenhang nicht entgehen.
Höchst bedeutend aber ward für das ganze Unternehmendie fortgesetzte Bemühung des gedachten Freundes, der, sowohlbei wiederholter Reise nach Italien als auch sonst bei anhal-tender Betrachtung von Gemälden, die Geschichte des Coloritszum vorzüglichen Augenmerk behielt, und dieselbige in zweiAbtheilungen entwarf: die ältere, hypothetisch genannt,weil sie, ohne genügsame Beispiele, mehr aus der Natur desMenschen und der Kunst als aus der Erfahrung zu entwickelnwar; die neuere, welche auf Dvcumenten beruht, die noch vonjedermann betrachtet und beurtheilt werden können.
Indem ich mich nun auf diese Weise dem Ende meinesaufrichtigen Bekenntnisses nähere, so werde ich durch einenVorwurf angehalten, den ich mir mache, daß ich unter jenenvortrefflichen Männern, die mich geistig gefördert, meinenunersetzlichen Schiller nicht genannt habe. Dort aberempfand ich eine Art von Scheu, dem besondern Denkmal,welches ich unserer Freundschaft schuldig bin, durch ein vor-eiliges Gedenken Abbruch zu thun. Nun will ich aber doch, inBetrachtung menschlicher Zufälligkeiten, auf's kürzeste be-kennen, wie er an meinem Bestreben lebhaften Antheil ge-nommen, sich mit den Phänomenen bekannt zu machen gesucht,ja sogar mit einigen Vorrichtungen umgeben, um sich an den-selben vergnüglich zu belehren. Durch die große Natürlichkeitseines Genies ergriff er nicht nur schnell die Hauptpunkte, woraufes ankam, sondern wenn ich manchmal auf meinem beschaulichenWege zögerte, nöthigte er mich durch seine reflectirende Kraft,vorwärts zu eilen, und riß mich gleichsam an das Ziel, wohinich strebte. Und so wünsche ich nur, daß mir das Besonderedieser Verhältnisse, die mich noch in der Erinnerung glücklichmachen, bald auszusprechen vergönnt seyn möge.
Aber alle diese Fortschritte wären durch die ungeheuern Er-eignisse dieser letzten Jahre noch kurz vor dem Ziel aufgehaltenund eine öffentliche Mittheilung unmöglich geworden, hätte! nicht unsere verehrtest- Herzogin, mitten unter dem Drangi und Sturm gewaltsamer Umgebungen, auch mich in meineml Kreise nicht allein gesichert und beruhigt, sondern zugleich auf's- höchste aufgemuntert, indem sie einer Experimentaldarstellung! der sämmtlichen, sich nach meiner Einsicht nunmehr glücklichan einander schließenden Naturerscheinungen beizuwohnen und! eine aufmerksame Versammlung durch ihre Gegenwart zu con-^ centriren und zu beleben geruhte. Hierdurch allein wurde ichin den Stand gesetzt, alles Acußere zu vergessen und mir das-^ jenige lebhaft zu vergegenwärtigen, was bald einem größer»Publicum mitgetheilt werden sollte. Und so sey denn auch^ hier am Schlüsse, wie schon am Anfange geschehen, die durchi Ihren Einfluß glücklich vollbrachte Arbeit dieser nicht genug! zu verehrenden Fürstin dankbar gewidmet.